Ratten tummeln sich im Müll – Das Loch im Eimer ist Standard, sagt die EDG

rnRatten-Alarm

Anwohner am Zehnthof in Dortmund wundern sich darüber, dass sie Ratten in der Mülltonne haben. Für den Kammerjäger zahlen sie 2000 Euro. Die Geschichte dahinter ist kurios.

Dortmund

, 28.02.2020, 05:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Um gegen Ratten im Stadtgebiet vorzugehen, hatte das Ordnungsamt alle Bürger dazu aufgerufen, in einer großen „Bekämpfungsaktion“ von Ende Februar bis Mitte März gegen die Nager vorzugehen.

Unter anderem hatte die Stadt darauf hingewiesen, Mülltonnen gut zu verschließen und Müll nicht offen stehen zu lassen. Schädlingsbekämpfer Tobias Pypetz hatte dazu gesagt: „Ansonsten lachen sich die Ratten kaputt und futtern weiter Pizzareste.“

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Die Ratten, die im vergangenen Dezember am Zehnthof zur Plage wurden, hatten einen guten Grund, sich kaputtzulachen: Sie gelangten nicht durch offene Deckel in die Gemeinschaftsmülltonne, sondern durch ein Loch in der Unterseite. Und dieses Loch hatten die Nager nicht selbst dort hineingefressen.

Ein ungebetener Gast: Eine Ratte sitzt in einem Vogelhäuschen

Ein ungebetener Gast: Eine Ratte sitzt in einem Vogelhäuschen © Stephan Schütze (A)

„Abends ging unser Bewegungsmelder an“, erzählt ein Anwohner, der sich in unserer Redaktion gemeldet hat. „Meine Frau und ich konnten nicht glauben, was wir da sahen: Eine ganze Rattenfamilie ist in unserem Garten herumspaziert und an den Rosen hochgekrabbelt.“

„Ratte ist meiner Nachbarin entgegengesprungen.“

Der Anwohner hat der Redaktion seinen Namen genannt, möchte ihn aber nicht veröffentlichen. Der 78-Jährige hatte stellvertretend für alle Nachbarn und Bewohner ein Schädlingsbekämpfungsunternehmen organisiert, aber er ist nicht der Hauseigentümer. „Der möchte sicher nicht, dass sein Haus mit der genauen Adresse bekannt wird.“

Der Rentner beobachtet, dass die Nager häufig an einer der großen Restmüll- Tonnen herumlaufen. „Eine Ratte ist unserer Nachbarin entgegengesprungen, als sie die Tonne geöffnet hat. Die Frau bekam einen Riesenschreck.“

In den Boden der Tonne war ein Loch eingelassen

Das Schädlingsbekämpfungsunternehmen Harc aus Dortmund nimmt sich der Sache an. Und macht gemeinsam mit den Anwohnern eine erstaunliche Entdeckung: „In den Boden der Tonne war ein Loch eingelassen. Es war nicht hineingefressen, sondern hatte gleichmäßige Ränder. Da konnten die Ratten natürlich bequem hinein“, erzählt der 78-Jährige. „Wir konnten das gar nicht fassen.“

Eine Giftköder-Falle liegt in einem Dortmunder Hinterhof.

Eine Giftköder-Falle liegt in einem Dortmunder Hinterhof. © Schaper

Der Anwohner informiert die Entsorgung Dortmund GmbH (EDG). „Eine Mitarbeiterin hat mir gesagt, die Löcher seien Standard. Und hat mir geraten, selbst ein Gitter einzulegen. Aber das wäre ja bei jeder Leerung wieder weg gewesen.“ Daraufhin habe die EDG den Behälter ausgetauscht.

Die Schädlingsbekämpfer geben inzwischen alles: Sie stellen Giftköder auf. Sechsmal rücken sie zum Zehnthof aus. „Danach war Ruhe“, erzählt Mitarbeiterin Andrea Trosien. „Es ist gut, dass die Tonne jetzt dicht ist. Für Ratten ist das ein gefundenes Fressen.“ Die Rechnung für die Anwohner beträgt insgesamt 2000 Euro.

Das Loch sollte eigentlich verschlossen sein

Auf Anfrage hat die EDG eine Erklärung: „Diese Löcher mit einem Durchmesser von 50 Millimetern sind standardmäßig in die 1100-Liter-Behälter eingelassen, damit während der Lagerung auf unserem Gelände Wasser abfließen kann“, erzählt Pressesprecherin Petra Hartmann.

Sobald die Tonnen vor den Häusern der Kunden abgestellt würden, würden sie verschlossen. „Dafür gibt es einen Bajonettverschluss“, erläutert Hartmann.

Eventuell habe ein Mitarbeiter vergessen, den Verschluss einzusetzen - oder er habe sich von selbst gelöst. „Bei insgesamt 24.000 Containern dieser Art können Verschleißerscheinungen auftreten. Das kann man nicht ausschließen“, sagt die Pressesprecherin.

Petra Hartmann informiert: „Wenn Bürger merken, dass der Verschluss fehlt, sollten sie uns so schnell wie möglich informieren. Dann wird die Tonne kostenlos ersetzt.“ Allerdings hätten ihre Kollegen auch schon erlebt, dass sich die hartnäckigen Nager selbst Zutritt verschafft hätten. „Die Löcher waren bis zu zwölf Zentimter groß.“

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