Wie sich das Bahnhofsumfeld entwickeln könnte

Ideen der Planungswerkstatt

16 Hektar oder gut 22 Fußballfelder groß ist das Planungsgebiet im Norden des Bahnhofs - vom Burgtor im Osten bis zur Unionstraße im Westen. Bei der Planungswerkstatt wurden Ideen für die künftige Gestaltung dieses Bereichs gesammelt. Wir blicken auf die einzelnen Bereiche.

DORTMUND

, 05.11.2016, 02:41 Uhr / Lesedauer: 4 min
Wie sich das Bahnhofsumfeld entwickeln könnte

So sieht es derzeit aus, wenn man vom Hauptbahnhof in Richtung Innenstadt (Süden) blickt. Zur Diskussion steht derzeit, wie die Region auf der Nordseite des Bahnhofs in Zukunft aussehen könnte.

Das Burgtor:

  • Die aktuelle Lage: Dass der Krieg viele Wunden in Dortmund geschlagen hat, ist am Burgtor immer noch sichtbar. Direkt am Wall – auf der Südseite der Burgtor-Brücke, dehnen sich teilweise noch Brachflächen aus, die als Parkplatz genutzt werden oder Platz für einfache Verkaufspavillons bieten. Im Norden prägen ähnliche Schlichtbauten das Bild.
  • Die Idee: Das Burgtor verband einst die Vergnügungsmeilen der Brückstraße und der Münsterstraße. So könnte es auch nach einem Vorschlag der Planungswerkstatt wieder werden. Gedacht wird an einen Mix aus Büros, Wohnen, Kultur und Gastronomie.
  • Die Probleme: Die Grundstücke sind in der Hand verschiedener Privateigentümer. Die Burgtor-Brücke, inzwischen 106 Jahre alt, ist ein baulich wenig attraktives Nadelöhr. Ein besonderes Problem: Die Durchfahrtshöhe ist für viele Reisebusse zu niedrig. Das spielt insbesondere bei der Neuplanung des Busbahnhofs auf der Nordseite des Bahnhofs und seiner Anbindung ans Straßennetz eine Rolle. Zu berücksichtigen ist auch, dass die Bahn die Brücke im Norden durch einen Anbau erweitern will, um Platz für zusätzliche Gleise für den Rhein-Ruhr-Express (RRX) zu schaffen. Die Stadt selbst verzichtet auf eine Forderung nach einem Umbau oder einer Erweiterung der alten Burgtor-Brücke, weil sie dann Kosten in Millionenhöhe übernehmen müsste.

 

Bahnhofsvorplatz:

  • Die aktuelle Lage: Viel Blech, viel Asphalt und ein bisschen Grün prägen den nördlichen Vorplatz. Hauptnutzer ist der zentrale Busbahnhof, der hier seit 2012 angesiedelt ist – vorübergehend, wie die Stadtplaner immer wieder betonen. Denn sie wollen den Fernbus-Halt nach dem Umbau des Hauptbahnhofs auf den Bahndamm verlegen. Das bietet dann neue Chancen zur Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes.
  • Die Ideen: In der Planungswerkstatt gab es zur Gestaltung des Platzes viele verschiedene Ideen. Sie reichen von einem Park über eine Markthalle oder einen multikulturellen Basar bis hin zu Neubauten entlang der Steinstraße etwa mit einem Museum als Pendant zum Fußballmuseum auf der Bahnhofs-Südseite. Klar ist, dass Autoverkehr weiter eine Rolle spielt, Platz für Bus-Haltestelle und Parkplätze vorhanden sein muss. „In einem Punkt waren sich alle einig: Es muss ein lebendiger Platz werden“, erläuterte Andreas Bachmann vom Planungsbüro Pesch Partner, das die Planungswerkstatt mitorganisiert hat.
  • Die Probleme: Eine wichtige Frage bei der Planungswerkstatt war, wie man mit gesellschaftlichen Gruppen umgeht, die von einigen als Problem empfunden werden – etwa Obdachlosen, für die der Bahnhofsvorplatz ein wichtiger Treffpunkt ist. Für weitere Fragezeichen sorgt die Randbebauung: 2018 laufen sowohl die Mietverträge für das Kino Cinestar als auch für die Hauptpost aus. Die Frage ist, ob es bei den aktuellen Nutzungen bleibt und in wie weit Umbauten anstehen. Ein Wunsch vieler Teilnehmer war auch, dass die Riegelwirkung des Arbeitsamts-Gebäudes im Norden aufgebrochen wird. Das könnte etwa durch belebende Nutzungen im Erdgeschoss geschehen. Auch die Breite der Steinstraße als Verkehrsader stand zur Diskussion. Moniert wurde die aktuelle Trennwirkung im Übergang zur Nordstadt. Auf der Südseite ist der Bahndamm zwischen dem Zugang zur U-Bahnstation und Nordeingang des Hauptbahnhofs bislang wenig ansehnlich. Die Bahn will mit dem Umbau des Hauptbahnhofs eine Verbindung zwischen Bahnhof und U-Bahn in Form einer verglasten Halle – „Nordmall“ genannt – schaffen. Dazu sollen dann auch die Gleisbögen geöffnet werden. Offen ist, wie attraktiv die neue Nordfront des Bahnhofs gestaltet wird. Die bisherigen Ansichten, die die Bahn geliefert hat, sehen noch sehr bescheiden aus.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Das sind die Planbereiche am Hauptbahnhof

In diesem Bereichen im Norden des Hauptbahnhofs soll sich in Zukunft etwas verändern.
04.11.2016
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Das Plangebiet.© Foto: Hans Blossey
Wenig ahnsehnlich ist die Bebauung am Burgtor.© Foto: M. Hengesbach
Den nördlichen Bahnhofsvorplatz prägt der Busbahnhof.© Foto: M. Hengesbach
Das frühere Güterbahnhof-Areal auf dem Bahndamm wird aktuell als Parkplatz genutzt.© Foto: M. Hengesbach
Das frühere Güterbahnhof-Areal auf dem Bahndamm wird aktuell als Parkplatz genutzt.© Foto: M. Hengesbach
Westlich der Brücke Unionstraße.© Foto: M. Hengesbach

Die Hauptpost:

  • Die aktuelle Lage: Die Hauptpost prägt die Westseite des Bahnhofsvorplatzes und den Verlauf der Grüne Straße. 2018 läuft allerdings der Mietvertrag mit einer internationalen Immobiliengesellschaft aus. Post wie Postbank als Nutzer gehen davon aus, dass sie vor Ort bleiben. Offen spekuliert wird aber auf jeden Fall über eine Verlagerung der Paketpost, die an der Westseite des Areals angesiedelt ist. Posttochter DHL setzt auf neue vollautomatische Verteilzentren wie auf der Westfalenhütte. Dafür ist an der Grüne Straße kein Platz.
  • Die Ideen: Eine „Kulturpost“ oder Büros und Wohnungen als Verlängerung der Nordstadt waren erste Überlegungen in der Planungswerkstatt.
  • Die Probleme: Ob und wann es zu neuen Nutzungen kommt, ist unklar. Infos über die Absichten des Eigentümers mit Hauptsitz in Kanada sind schwer zu bekommen.

Alter Güterbahnhof:

  • Die aktuelle Lage: Die Zeiten, an denen an der Nordseite des Hauptbahnhofs Güter verladen wurden und Züge fuhren, sind lange vorbei. Die alten Güterschuppen stehen seit vielen Jahren leer, die Bausubstanz ist marode, einige Gebäude sind bereits abgerissen. Genutzt werden die freien Flächen von der Bahntochter Bahnpark – als Parkplatz. Für 2,50 Euro kann man einen ganzen Tag seinen Pkw abstellen – und das wird von Pendlern eifrig genutzt.
  • Die Ideen: Fest steht, dass die Stadt den Busbahnhof auf einen Teil des alten Güterbahnhofs verlegen will. Das fand auch bei der Planungswerkstatt keinen Widerspruch. Dazu gab es Überlegungen für einen Nutzungsmix aus Büros und Kultur. Probenräume für Bands gehörten auch dazu.
  • Die Probleme: Eine Brücke in die Nordstadt zu schlagen wird durch den Umstand erschwert, dass der Bahndamm bis zu sieben Metern hoch liegt. Eine Idee ist, mit einer grünen Terrasse eine Anbindung an den Blücherpark in der Nordstadt zu schaffen. Geklärt werden muss auch noch die Frage, wie der künftige Busbahnhof ans Straßennetz angebunden wird. Positiv: Die Bahntochter Bahnpark ist wohl sehr offen für die Planungen der Stadt, ist an einer Entwicklung des Areals und auch an der Nutzung einer Teilfläche als Busbahnhof interessiert.

Bereich Treibstraße:

  • Die aktuelle Lage: Büsche und Brachland soweit das Auge reicht, wo früher Autozüge beladen wurden. Hier steckt wohl das größte Potenzial für eine Nordstadt-Erweiterung.
  • Die Ideen: Es könnten neue Bürogebäude und vor allem Wohnhäuser entstehen. Es wäre die Gelegenheit für eine klassische Erweiterung der Nordstadt.
  • Die Probleme: Ein Großteil der Fläche gehört einem Dortmunder Privat-Eigentümer. Die Stadt hofft auf gute Zusammenarbeit. Unklar ist, welche Boden-Belastungen es gibt. Und der Lärmschutz in Richtung Bahn muss bedacht werden.

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