Die wichtigsten Fragen rund ums Impfen diskutierten Augenchirurgin Dr. Stefanie Schmickler (links oben), Prof. Dr. Eva Hummers, Direktorin des Instituts für Allgemeinmedizin der Universität Göttingen, Frauenklinik-Direktor Prof. Dr. Thomas Schwenzer und Moderator Ulrich Breulmann. © Jens Ostrowski
Live-Talk

Wie sicher sind Corona-Impfungen? Experten klären auf

Meldungen rund um die Corona-Impfung haben zuletzt für Verunsicherung gesorgt. Die Fragen drehen sich um Booster-Impfungen, Impfdurchbrüche und Wirksamkeit der Stoffe. Experten geben Antworten.

Der Winter naht. Und damit steigt laut Experten die Notwendigkeit, dass möglichst viele Menschen gegen das Coronavirus geimpft sein sollen, um ein rapides Ansteigen der Fallzahlen zu vermeiden. Da kommen die aktuellen Meldungen rund um eine mögliche verringerte Wirksamkeit der Stoffe zur Unzeit.

Für Verunsicherung sorgt etwa, wenn es heißt, dass nun doch eine zweite Impfung bekommen soll, wer mit dem Wirkstoff von Johnson&Johnson geimpft wurde. Immer wieder gibt es Meldungen auch von Impfdurchbrüchen, zumindest ältere Patienten sollen eine Booster-Impfung bekommen, Schwangere sollen sich impfen lassen und wie wirksam ist die Impfung angesichts aktueller Verlautbarungen des Robert-Koch-Instituts tatsächlich?

Der Live-Talk „Wir müssen reden“ dieser Zeitung sollte Antworten auf drängende Fragen liefern. Unter dem Titel „Rettung oder Risiko: Wie schützt die Impfung wirklich vor Corona?“ diskutierten Prof. Dr. Eva Hummers, Direktorin des Instituts für Allgemeinmedizin der Universität Göttingen und Mitglied der Ständigen Impfkommission (Stiko), Dr. Stefanie Schmickler, Augenchirurgin und geschäftsführende Gesellschafterin des Augenzentrums Nordwest sowie Prof. Dr. Thomas Schwenzer, Direktor der Frauenklinik am Klinikum Dortmund mit Moderator Ulrich Breulmann.

Spätfolgen durch mRNA-Impfung?

Die erste Frage war die nach möglichen Spätfolgen der mRNA-Impfstoffe von etwa Biontech oder Moderna. Garantieren, dass es keine Spätfolgen gebe könne niemand, meint dazu Eva Hummers, ebenso wenig wie dass uns ein Meteor treffe. Allerdings seien die Stoffe mittlerweile gut untersucht. „So viel Impfstoff ist noch nie gleichzeitig gegeben und gut beobachtet worden“, beruhigte sie. Der mRNA-Impfstoff würde vom Körper sehr schnell abgebaut.

Empfehlung zur Booster-Impfung

Ein weiteres Thema war die Booster-Impfung. Beim Impfstoff der Firma Johnson&Johnson sehe man, dass die Langzeitwirkung nicht so gut ist wie nach zwei Dosen der anderen Stoffe, so Hummers. Seit diesem Montag gelte deshalb eine endgültige Stiko-Empfehlung eines Booster-Impfung nach einer Johnson&Johnson-Impfung. Die Nachfrage sei groß, betonte auch Stefanie Schmickler: „Die die sich früh haben impfen lassen, kommen jetzt und wollen erneut geimpft werden.“ Sie selbst hätte dies dann ihren Patienten empfohlen.

Die Fragen unserer Leserinnen und Leser beantworteten die Experten im Live-Talk „Wir müssen reden…“ © Jens Ostrowski © Jens Ostrowski

Auch bei anderen Impfstoffen sei eine Auffrischung empfohlen, allerdings gelte hier die Empfehlung für über 70-Jährige, oder Menschen, die viel Kontakt zu Menschen hätten, die mit Covid 19 infiziert seien können – etwa für medizinisches Personal. Hummers: „Für den gesunden Mitfünfziger besteht noch kein Anlass.“

Impfung Schwangerer

Einen Schwerpunkt nahm das Impfen von Schwangeren in dem Gespräch ein. Thomas Schwenzer habe bereits vor der Stiko-Empfehlung dazu aufgerufen, Schwangere zu impfen, nachdem in seiner Klinik eine schwangere Frau an Covid gestorben war. Alle drei Experten empfahlen die Impfung Schwangerer ausdrücklich nach dem ersten Drittel der Schwangerschaft. Kurz vor der Entbindung solle man warten, so Schwenzer, dann könne im Wochenbett geimpft werden. Das Stillen stelle kein Problem dar. Grundsätzlich werde nicht der mRNA-Wirkstoff auf das Kind übertragen. Das Kind bekomme aber die Antikörper der Mutter.

Offen sei, wann die Impfung bereits fünfjähriger Kinder zugelassen und empfohlen werde. Doch bevor man darüber nachdenke, auch die Kleinsten impfen zu lassen, sollten sich die Erwachsenen impfen lassen. Denn, da waren sich die Experten einig, die Impfung böte immer noch den besten Schutz, auch im Falle eines Impfdurchbruchs, vor schweren Verläufen.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Leitender Redakteur, seit 2010 in der Stadtredaktion Dortmund, seit 2007 bei den Ruhr Nachrichten.
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Dennis Werner