Psychisch kranke Ex-Straftäter sollen besser auf die Freiheit vorbereitet werden

rnForensische Psychiatrie

Bevor die Forensische Psychiatrie in Dortmund einen Patienten entlässt, muss dieser sich in Lockerungsstufen bewähren. In diesen Phasen steigt die Führungsaufsicht des Landgerichts ein.

Dortmund

, 21.03.2019, 17:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie haben einen Menschen getötet, ihre Opfer vergewaltigt, schwere Gewalttaten begangen oder Feuer gelegt: Die Patienten der forensischen Psychiatrie in Dortmund-Aplerbeck leben zum Schutz der Allgemeinheit im Maßregelvollzug. Die Wilfried-Rasch-Klinik des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) soll sie therapieren, denn eine psychische Erkrankung ist die Ursache für die Tat – und die Gefahr einer Wiederholung ist groß, wenn der Täter nicht therapiert wird.

Die auf Anordnung eines Landgerichts eingewiesenen Patienten leben hinter hohen Mauer in speziell gesicherten Stationen.

Datenschutz neu organisiert

Um den langwierigen Weg in die Freiheit besser begleiten zu können, steigt die Führungsaufsicht des Landesgerichts jetzt früher in das „Übergangs-Management“ ein als bisher. Zwar betreut die Ambulanz der Wilfried-Rasch-Klinik die Schritt für Schritt auf die Freiheit vorzubereitenden Patienten intensiv. Weil die Führungsaufsicht des Landgerichts aber nicht erst nach zwei Jahren in der Freiheit den ersten Kontakt zu ihren Probanden haben will, erhält sie die Patienten-Akten nun deutlich früher. Bisher war das aus Datenschutzgründen nicht möglich.

Luftbild von der Wilfried-Rasch-Klinik in Dortmund-Aplerbeck. Betreiber der forensischen Psychiatrie ist der Landschaftsverband Westfalen-Lippe.

Luftbild von der Wilfried-Rasch-Klinik in Dortmund-Aplerbeck. Betreiber der forensischen Psychiatrie ist der Landschaftsverband Westfalen-Lippe. © Oskar Neubauer

Die Führungsaufsicht des Landgerichts hat andere Aufgaben als die LWL-Nachsorge-Ambulanz. Nachdem eine Strafvollstreckungskammer dem Antrag der Klinik auf Entlassung aus der Klinik zugestimmt und Auflagen und Weisungen angeordnet hat, muss die Führungsaufsicht kontrollieren, ob die Entlassenen die ihnen auferlegten Pflichten erfüllen.

Aufenthaltsverbote und Therapien

Zu Auflagen und Weisungen gehören Aufenthaltsverbote, zum Beispiel an Schulen, Kindergärten, Spielplätzen oder Wohnorten ihrer Opfer, und auch weitere Therapien. Das Gericht kann Meldeauflagen erteilen oder den Konsum von Suchtstoffen verbieten. „Hält sich ein Proband nicht an strafbewehrte Weisungen, können wir ein Strafverfahren einleiten“, sagt der bewährungshelfer Matthias Herper.

Bevor die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts einen Patienten aus der Klinik entlässt, muss dieser verschiedene Lockerungsstufen durchlaufen. Der Übergang in die Freiheit beginnt so früh wie möglich, aber erst, wenn die Therapie-Fortschritte das zulassen. In den meisten Fällen vergehen viele Jahre.

Beurlaubung vor der Entlassung

Lockerungen beginnen mit begleiteten Ausgängen. Im weit fortgeschrittenen Stadium wohnen die Patienten betreut in Wohngemeinschaften, bevor sie in eine eigene Wohnung einziehen. Vor der Entlassung gibt es zwei Beurlaubungsstufen: erst die „bedingte“ Entlassung und dann die tatsächliche Entlassung.

Zahlen aus der Wilfried-Rasch-Klinik
  • Die Forensische Psychiatrie verfügt über 62 stationäre Therapieplätze. Im März 2019 war die Klinik leicht überbelegt.
  • Im März 2019 betreute die Nachsorge-Ambulanz 75 außerhalb der Klinik lebende Personen. Darin enthalten sind Patienten auch von anderen Forensik-Standorten in Westfalen-Lippe.
  • Die meisten Patienten haben Gewalttaten begangen (37 Prozent), gefolgt von Sexualstraftaten (21 Prozent) und Tötungsdelikten (16 Prozent).
  • Weitere Taten sind Raub und Diebstahl, Freiheitsberaubung, Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz und Brandstiftung.
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