Abverkauf im Kaufhof läuft: „Mussten das mit eigenen Augen sehen“

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Die Schnäppchenjagd ist eröffnet, im Kaufhof startet der angekündigte Abverkauf. Vielen Kunden ist allerdings die Solidarität mit den 68 Beschäftigten wichtiger als reduzierte Preise.

Dortmund

, 22.07.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gleich hinter dem Haupteingang am Westenhellweg erwartet die Kunden von Galeria Kaufhof auf einem Stehtisch eine Unterschriftenliste. „Bitte unterstützen Sie uns mit Ihrer Unterschrift“, steht auf einer danebenstehenden Tafel. Alfons Schorlemmer liest das und zögert keine Sekunde. „Natürlich unterstütze ich die Mitarbeiter von Galeria Karstadt Kaufhof in ihrem Kampf um den Erhalt der Kaufhäuser“, sagt er.

„Als alter Dortmunder“, so der Höchstener Rentner, „war ich geschockt, als es hieß, dass alle drei Häuser geschlossen werden sollen. Dass nun das Karstadt-Haupthaus bleibt, ist schon mal toll.“ Viel Hoffnung, dass seine Unterschrift etwas bewirkt und Galeria Kaufhof auch noch gerettet werden kann, hat er allerdings nicht. „Ich bin Kaufmann und kann mir nicht vorstellen, dass nur durch Anpassung der Mieten für ein so großes Kaufhaus etwas auszurichten ist“, sagt Alfons Schorlemmer.

Galeria Kaufhof ist noch im Gespräch mit der Stadt

Nur ein paar Meter weiter hängt an diesem Montagvormittag eine Mitarbeiterin aus der Dekorations-Abteilung die großen Banner für den beginnenden Abverkauf auf. „Alles reduziert“ und „Wir schließen“ steht da in großen Lettern auf neongelbem Grund. „Ich lese das gar nicht. Ich mache einfach meinen Job“, sagt sie zerknirscht. Mehr möchte sie nicht sagen, und auch ihren Namen möchte sie nicht nennen. Zu groß ist die Angst davor, dass „die da oben“ ihr wegen ihrer Aussagen einen Strick drehen könnten.

Unterschriften für den Erhalt von Galeria Kaufhof in Dortmund

Alfons Schorlemmer aus Höchsten will noch nicht glauben, dass der Kaufhof wirklich schließt. Am Eingang unterstützt er mit seiner Unterschrift sofort den Kampf der Mitarbeiter um den Erhalt des Kaufhauses. © Peter Wulle

Im ganzen Erdgeschoss ist der Sortimentsabverkauf angelaufen. Der Kaufhof-Betriebsratsvorsitzende Frank Malmwieck versteht das sogar. „Man muss ja irgendwann damit beginnen, wenn man vorhat, das Haus zu schließen. Aber es ist natürlich ein Riesenschlag ins Gesicht der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das endgültige Aus bedeutet es aber noch nicht“, sagt Frank Malmwieck.

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Er setzt Hoffnung darauf, dass Gespräche zwischen Galeria Kaufhof und dem Oberbürgermeister Ullrich Sierau sowie Wirtschaftsförderer Thomas Westphal, die am Mittwoch (22.7.) und Montag (27.7.) stattfinden sollen, „nochmal Bewegung reinbringen“. Zudem rechnen die Betriebsräte von Karstadt und Kaufhof mit rund 30.000 Unterschriften, die man übergeben kann.

Abverkauf bei Galeria Kaufhof in Dortmund

Am Dienstag wurde im Kaufhof damit begonnen, die Plakate für den Sortimentsabverkauf im Erdgeschoss aufzuhängen. © Peter Wulle

Auch Gabriele und Werner Schönfelder aus Wellinghofen mögen noch nicht glauben, dass der Kaufhof wirklich schließt. „Wir haben von dem Abverkauf gelesen. Heute sind wir zufällig in der Stadt und ich hab gesagt: wir müssen gucken, ob das wirklich stimmt“, sagt Gabriele Schönfelder. Das Ehepaar greift auch sofort zur Unterschriftenliste am Eingang und will sich unbedingt solidarisch mit den Beschäftigten zeigen. „Wir sind öfter bei Karstadt und Kaufhof, weil man da umfassend und zu guten Preisen einkaufen kann. Als Dortmunder wird man Kaufhof auf jeden Fall vermissen“, sagen Gabriele und Werner Schönfelder.

Kaufhof-Verkäuferin: „Kundenschwund schon vor Corona“

Dem stimmt auch Marc Kraft aus Dorstfeld sofort zu. „Es wäre schade, wenn dieses Kaufhaus wegfiele. Karstadt und Kaufhof sind doch die einzigen Geschäfte, in denen man von Töpfen und Pfannen bis hin zu Kleidung alles kriegt“, sagt er.

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Brigitte K. aus Witten steht mit einigen Sport-Sneakern, die schon um 40 Prozent reduziert sind, während viele andere Waren noch umgezeichnet werden müssen, an der Kasse. „Ich bin nicht hier, um unbedingt Schnäppchen zu machen. Lieber wäre es mir, der Kaufhof würde bleiben“, sagt sie.

Dass Wunsch und Wirklichkeit offensichtlich auseinanderklaffen, schildert eine Verkäuferin für Handtaschen und Lederwaren. Auch sie will anonym bleiben, sagt aber: „Wir beobachten in der Abteilung alle einen Kundenschwund und haben schon vor Corona gesehen, dass wir nur wenig Umsatz machen.“

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