Wirtschaftslage versetzt Handwerk weiter in gute Stimmung: Baugewerbe platzt vor Aufträgen

Frühjahrsumfrage Handwerkskammer

Die Auftragsbücher der Handwerksbetriebe in der Region sind gut gefüllt. Vor allem das Baugewerbe kommt kaum nach. Einzig der oft beklagte Fachkräftemangel könnte die Konjunktur bremsen.

Dortmund

, 03.04.2019 / Lesedauer: 3 min
Wirtschaftslage versetzt Handwerk weiter in gute Stimmung: Baugewerbe platzt vor Aufträgen

Das Baugewerbe boomt. © Peter Bandermann

„Die konjunkturelle Lage ist über quer über alle Bereiche und Gewerke sehr gut“, sagte Handwerkskammer-Präsident Berthold Schröder, als er am Mittwoch die aktuelle Frühjahrsumfrage vorstellte. 829 von knapp 3590 Betrieben aus dem gesamten Kammerbezirk haben sich an dem Online-Verfahren beteiligt.

Ergebnis: 95 Prozent der Betriebe in Dortmund und Lünen schätzen ihre aktuelle Lage als „gut“ und „befriedigend“ ein. Entsprechend groß sind auch die Erwartungen für die Zukunft: Fast ebenso viele Betriebe gehen davon aus, dass ihre Geschäftslage vorläufig so bleibt oder sogar noch besser wird. Als Zugmaschine für die Konjunktur erweist sich nach wie vor das Bau- und Ausbaugewerbe. „Man kann fast schon von einem Bauboom sprechen“, sagte Schröder.

Suche nach Fachleuten

Erste Bremsspuren im Konjunkturverlauf, wenn überhaupt, könnten sich zurzeit durch den Fachkräftemangel abzeichnen. Viele Betriebe im Bauhauptgewerbe seien bereits gezwungen, über ihre Kapazitätsgrenzen zu gehen. Im Ausbaugewerbe beispielsweise sei fast jeder zweite Betrieb „zu 100 Prozent und mehr ausgelastet.“ In manchen Bereichen dauere es mittlerweile vier bis fünf Monate, eine Stelle neu zu besetzen, weiß Kammerpräsident Schröder.

Ein aktuelles Beispiel steuerte Andreas Bartels bei, Geschäftsführer im Autohaus Ebbinghaus, in dessen Räume die Handwerkskammer geladen hatte. Zwei Mitarbeiter, die das Unternehmen technischen Bereich ausgebildet hatte, haben sich ihre Papiere aushändigen lassen und sind kurzerhand in die Industrie gewechselt. „Wir spüren den Fachkräftemangel extrem“, sagte Bartels. Dennoch beurteilen laut Kammerumfrage 92 Prozent der Kfz-Betriebe ihre wirtschaftliche Situation zurzeit sehr positiv. Bei bestimmten Faktoren wie Auftragsbestand oder Gesamtumsatz zeigt sich das Kfz-Handwerk allerdings zurückhaltender als andere Handwerksbereiche.

Kfz-Betriebe müssen sich umstellen

Der Grund: Die „Dieselkrise“ führt nicht nur zu einer Verunsicherung bei Autokäufern, sondern wegen der Abwertung von Dieselautos auch zu schlechteren Bilanzen in den Verkaufshäusern. Sollte es doch noch zu Fahrverboten kommen, erwartet Kammerpräsident Schröder „Sondergenehmigungen für Handwerksbetriebe.“ Viele Betriebe fahren Diesel, die nicht von heute auf morgen zu ersetzen sind. Zudem müssen Kfz-Betriebe ihre Mitarbeiter auf die neue Generation von E-Autos und Wasserstoff getriebenen Fahrzeugen vorbereiten und schulen. Parallel dazu müssen die Händler in ihre Infrastruktur investieren und beispielsweise Ladesäulen errichten. Bartels: „Da können für jeden Standort bis zu 100.000 Euro fällig werden.“

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