Wo coole Jungs betroffen werden

Reise nach Auschwitz

Die Aufkleber- und Flugblatt-Propaganda von Neonazis in Dortmund hat 16 Auszubildende der Hoesch Spundwand und Profil GmbH dazu angetrieben, der Wahrheit auf den Grund zu gehen. Sie fuhren nach Ausschwitz - ein Besuch mit Folgen.

DORTMUND

von Von Peter Bandermann

, 17.05.2011, 17:26 Uhr / Lesedauer: 1 min
HSP-Jugendvertreter Ismail Idrizi: »Was sie gesehen haben, hat die sonst sehr coolen Jungs getroffen".

HSP-Jugendvertreter Ismail Idrizi: »Was sie gesehen haben, hat die sonst sehr coolen Jungs getroffen".

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Auszubildende besuchten Konzentrationslager in Polen

16 Auszubildende der Hoesch Spundwand und Profil GmbH mit Werk in Dorstfeld haben in Polen die Konzentrationslager Auschwitz und Birkenau besucht. Tief betroffen von den Greueltaten der Nationalsozialisten kehrten sie zurück. Auf der Reise sammelten sie zusätzlich Motivation für die politische Arbeit gegen Neonazis in Dortmund.
17.05.2011
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HSP-Auszubildende am Eingang des Konzentrationslagers. Oben rechts der Schriftzug "Arbeit macht frei".© Foto: privat
Dieses Bild ist bei einem Bergwerksbesuch entstanden.© Foto: privat
Die HSP-Jugendlichen aus Dortmund im Raum einer Gedenkstätte.© Foto: privat
Die HSP-Auszubildenden mit einem Zeitzeugen und ihrer Betreuerin vor Ort.© Foto: privat
Auszubildende aus Dortmund und Polen auf einem Bild.© Foto: privat
"Hoesch 1942" steht auf dieser Schiene, über die jene Waggons rollten, mit denen die Nationalsozialisten die deportierten Juden ins Konzentrationslager fuhren.© Foto: privat
Hier überreicht HSP-Jugendvertreter Ismail Idrizi ein BVB-Trikot mit Unterschriften der Spieler an den polnischen Gastgeber.© Foto: privat

Im April besuchten sie mit dem Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk in Polen die Konzentrationslager Auschwitz und Birkenau. „Was sie gesehen haben, hat die sonst sehr coolen Jungs getroffen. Auschwitz war für uns eine Live-Konfrontation mit den Grausamkeiten der Nationalsozialisten“, sagt HSP-Jugendvertreter Ismail Idrizi über die Reise, bei der die Jugendlichen auch einem Zeitzeugen und polnischen Auszubildenden begegnet sind. Zudem besuchten sie ein Bergwerk.

Faschismus begegnet den HSP-Azubis oft im Dortmunder Alltag – viele von ihnen wohnen in Dorstfeld. Gegen die Aufkleber der „Autonomen Nationalisten“ dort oder die Demonstrations-Flugblätter der Neonazis sind sie längst immun. Jahr für Jahr nehmen HSP-Auszubildende am „antifaschistischen Frühjahrsputz“ in Dorstfeld teil, um Nazi-Propaganda zu entfernen. Ismail Idrizi über die Werte bei HSP: „Egal, wo du herkommst, egal, welche Hautfarbe ein Kollege hat – in einer Schicht müssen alle zusammenhalten.“ Das hat abgefärbt auf die politische Grundeinstellung der Jugendlichen, die nach den KZ-Besuchen noch selbstbewusster auftreten. Idrizi: „Wir haben dazu gelernt in Polen. Das neue Wissen ist zusätzliche Motivation, gegen Faschismus zu handeln.“ Dass der Nazi-Terror in den KZ eine Logistik brauchte und die Spuren dafür auch ins Ruhrgebiet führten, erkannten die Auszubildenden in Birkenau beim Blick auf eine Schiene, über die einst die Waggons mit deportierten Juden rollten. „Hoesch 1942“ stand darauf in verrosteten und braunen Buchstaben.

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