Wo sich in Dortmunds City etwas tut - und wo nicht

Handel im Wandel

Handel ist Wandel, das galt auch 2016 wieder in der Dortmunder City. Alteingesessene Händler schlossen oder kündigten an, dies zu tun. Andererseits kamen auch ganz neue Händler in die City. Mit einem Immobilienexperten zusammen blicken wir auf einige aktuelle Entwicklungen.

DORTMUND

, 02.01.2017, 16:22 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wo sich in Dortmunds City etwas tut - und wo nicht

Auf diesem Foto aus dem Jahr 2011 ist der Ostenhellweg noch gut besucht.

Frank Emmerich ist Einzelhandels-Chef für Deutschland beim weltweit größten Gewerbeimmobilienmakler CBRE. Er sagt: „Dem Einzelhandel in Dortmund geht es gut.“ Nach wie vor profitiere die Stadt stark von der Kaufkraft aus dem Umland. Dass etwa der Bochumer Ruhr-Park Dortmund „auch nur ein Jota an Frequenz wegnimmt“, sehe er nicht. Was er stattdessen wahrnimmt seien längere Leerstände. Ladenlokale selbst in bester Lage stünden länger leer als früher, sagt Emmerich. Es gebe keinen „massiven Nachfrage-Überhang“ mehr.

Westenhellweg

Der Westenhellweg bleibt das Maß aller Dinge in Dortmund. Aber auch hier gibt es ein paar Leerstände. Als Beispiel für lange Leerstände nennt Emmerich den Laden, den der Bekleidungshändler am Westenhellweg 9 verlassen hat. Es gebe zwei, drei Interessenten, so Emmerich, aber „in der Vergangenheit wären solche Ladenlokale schneller weg gewesen“. Erstens beäugten Händler Zuschnitt und technischen Zustand von Läden kritischer als früher. Zudem hätten gerade Mode- und Schuhhändler online starke Konkurrenz, müssten ihre Umsatzprognosen anpassen: „Und dann sind sie auch nicht mehr bereit, Spitzenmieten zu bezahlen.“

Ein neuer Leerstand entsteht am oberen Westenhellweg, wo der Spielwarenladen Toynedo schließt. Fünf Jahre hat es Inhaber Rainer Raschka versucht, doch auch die Nähe zur Thier-Galerie habe ihm „gar nichts gebracht“, zudem sei ihm die Miete zu hoch. Silvester ist Schluss. Dem Vernehmen nach könnte ein Mini-Supermarkt nachfolgen.

Brückstraße

Auch in der Brückstraße gibt es Leerstände, bald aber einen weniger: Discounter Tedi zieht 2017 in Nummer 48, die seit dem Auszug des Schuhhändlers Osco leersteht. Wann Tedi eröffnet, sei noch offen, so eine Sprecherin. Tedi „könnte ein Frequenzbringer werden“, glaubt Emmerich. Aber: Tedi-Vermieter Terrania als Eigentümer vieler weiterer Objekte im Brückstraßenviertel müsse nun auch noch weitere Frequenzbringer finden.

Ein (großes) Sorgenkind am Tor zur Brückstraße bleibt das frühere Karstadt-Technik-Haus. Es steht seit Februar 2016 völlig leer und seit Monaten zum Verkauf – den hat die Fonds-Gesellschaft Dawnay Day Treveria Five B.V. als Eigentümerin aber noch immer nicht erreicht. Ein Makler spreche weiterhin mit Interessenten, sagte Ende Dezember ein Sprecher. Wer auch immer kauft, muss kräftig investieren, „das kostet richtig“, sagt Emmerich. Gleiches gilt für das vor sich hin dümpelnde Westfalenforum an der Kampstraße – auch hier hat sich 2016 wenig getan.

Ostenhellweg

Auch der Ostenhellweg musste 2016 wieder manche Schließung verkraften. Bereits im Januar 2016 machte Strauss Innovation am Ostenhellweg dicht. Das lag aber nicht an der Lage der Filiale, sondern war der Insolvenz des Unternehmens geschuldet. Im Juli hat das alteingesessene Modehaus Vosschulte geschlossen. 

Doch ins ehemalige Vosschulte-Ladenlokal, Ostenhellweg 33, ist im September das Kölner Modehaus Weingarten eingezogen. Wie es läuft? „Wir liegen umsatzmäßig im Plan und sind einigermaßen zufrieden mit der Frequenz“, sagte auf Anfrage Weingarten-Marketing-Leiter Bruno Klein im Dezember. Es dauere aber, alle Kunden im Einzugsgebiet zu erreichen. Klein freut sich, dass es mit dem Bekleidungsdiscounter TK Maxx und Depot schon noch einige Besuchermagneten auf der Straße gibt. Depot ist in Strauss Innovation am Ostenhellweg nachgefolgt. 

Auch Sicht von Immobilienexperte Frank Emmerich hat sich der Ostenhellweg "gut entwickelt", da mache er sich derzeit keine Sorgen. Obwohl es ein paar Leerstände gibt, unter anderem in dem Ladenlokal, das MS Mode verlassen hat. 

Deutlich weniger positiv ist die Lage am Westenhellweg Axel Kirsch zufolge, dem Betreiber der McDonald's-Restaurants in Dortmund. Die Filiale am Ostenhellweg schloss an an Heiligabend - Hauptgrund dafür laut Axel Kirsch: die niedrige Frequenz. Seiner Meinung nach, habe der „Niedergang“ am Ostenhellweg bereits 2002 mit dem Weggang von Karstadt-Sport begonnen. 2011 dann eröffnete die Thier-Galerie am oberen Westenhellweg – in den folgenden fünf Jahren habe er am Ostenhellweg 40 Prozent Umsatz verloren, sagt Kirsch.

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