Wo sind all die Turteltauben hin?

rnTierwelt in Lütgendortmund

Während viele über eine Tauben-Plage klagen, vermissen Vogelkundler einige bestimmten Taubenarten. Neben der Turteltaube macht sich noch eine weitere Art im Dortmunder Westen ziemlich rar.

von Felix Ostermann

Lütgendortmund

, 20.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Wenn die Rede von Tauben ist, denken nicht wenige Menschen an den Brieftaubensport oder an die von verwilderten Haus-und Brieftauben abstammenden, sogenannten Straßentauben. Letztere als lästige Verunreiniger und angebliche Krankheitsüberträger, sollen möglichst durch geeignete Maßnahmen in Dortmund im Bestand reduziert werden. Doch Taube ist nicht gleich Taube.

Als Brutvogel gibt es die Turteltaube schon lange nicht mehr

Von den bei uns heimischen echten vier Wildtaubenarten ist die größte und jagdbare Ringeltaube mit dem weißen Halsfleck im Bestand allgemein als häufig anzusehen. Die Hohltaube mit dem blaugrauen Gefieder und den grünlich schimmernden Halsseiten als Wald- und Parktaube wird bei leichter Bestandschwankung noch als zufriedenstellend bilanziert. Sie gilt normal als Zugvogel, der im Winter nach West-und Südeuropa zieht. Doch manchmal in milden Wintern, wird sie auch in ihrem Brut-und Sommerrevier beobachtet. Dagegen wurde die Anwesenheit der Turteltaube, mit den rostbraun geschuppten Flügeldecken, letztmalig in Dortmund am 11. Juni des Jahres als Einzelexemplar und vermutlicher Durchzügler in Lütgendortmund registriert. Als Brutvogel in Dortmund schon seit Jahren nicht mehr.

Wo sind all die Turteltauben hin?

Auch diese Taubenart, die Türkentaube, hat sich im Dortmunder Westen rar gemacht. © Felix Ostermann

Seit etwa vier Jahren wird auch ein drastischer Bestandsrückgang der zierlichen, etwas plump wirkenden Türkentaube (Streptopelia decaocto), mit dem rötlichbraunen Gefieder, den roten Augen und der schwarzen Nackensichel als unverkennbarem Zeichen, hauptsächlich im Dortmunder Westen dokumentiert. Dr. Erich Kretzschmar (Naturschutzbund) beziffert den Rückgang für Großdortmund seit 2003 mit nahezu 80 Prozent. Die ursprünglich aus Asien stammende Taube ist erst um 1930 über die Türkei nach Westeuropa eingewandert. Daher stammt auch der Name. Neben Waldrändern und Parkanlagen sucht sie als Kulturfolger überwiegend menschliche Nähe in Gärten aufgelockerter Siedlungsbereiche auf. Nicht selten kam sie in den Wintermonaten zutraulich und gern ans Futterhäuschen. Für manchen Vogelfreund eine belebende Erscheinung.

Lebensraumverlust, Agrargifte und Nesträuber

Nach dem Bundesnaturschutzgesetz war sie lange von den jagdbaren Arten ausgenommen, jedoch nach der Novellierung des Landesjagdgesetzes vom 13. März 2019 wieder eingegliedert. Als Ursachen für den Rückgang der Türkentaube werden hauptsächlich Lebensraumverlust, Umwelt-und Agrargifte und Nesträuber wie Rabenvögel, Eichhörnchen und Marder angeführt. Seltener werden sie zur Beute von Sperber und Habicht. Ob eine künftige Wiederbejagung der Türkentaube ein weiterer Rückgangsfaktor ist, sei dahingestellt. Der Großteil der Türkentauben lebt überwiegend und nahrungsuchend in Siedlungsbereichen - wo die Ausübung der Jagd nicht zulässig ist.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt