Dortmunder Wochenmarkt in Zeiten von Corona: So wirken die neuen Regeln

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Auf dem Dortmunder Wochenmarkt gelten neue Maßnahmen zur Einhaltung der Sicherheitsabstände. Die kommen bei Händlern und Besuchern gut an. Doch an einer Stelle wird es eng.

Dortmund

, 15.04.2020, 18:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

In ihrer Euphorie sind die Marktschreier nach wie vor nicht zu bremsen. „Spargel! Der weltbeste Spargel!“, tönt es über den Hansaplatz. Dieses Mal reichen ihre Rufe sogar noch etwas weiter.

Denn das Stimmenmeer, in dem sie sonst untergehen, liegt größtenteils trocken. Allenfalls leises Gemurmel füllt die Gänge zwischen den Ständen. Die Dortmunder halten Abstand zueinander, besuchen den Wochenmarkt allerdings noch zahlreich.

„Die Leute wollen raus und dabei nicht nur einkaufen, sondern auch etwas rumschlendern“, weiß Niels Schulte, Sprecher der Dortmunder Marktbeschicker. Gemeinsam mit der Stadt und den anderen Händlern hat er sich Maßnahmen überlegt, damit ein Marktbesuch nicht zum Infektionsrisiko wird.

Vor Ostern kamen schlicht zu viele Leute, eine Einhaltung des Sicherheitsabstands von mindestens 1,50 Meter war kaum durchzusetzen. Als Reaktion darauf wurden die Stände in größerer Entfernung und „Rücken an Rücken“ zueinander aufgebaut. Auf den Wegen dazwischen ist nun mehr Platz für die Bummler und Einkäufer.

Marktbeschicker Schulte ist zufrieden: „Bei der Umsetzung hatten wir keine Probleme. Nur am Ostersamstag mussten wir aufgrund des großen Andrangs einige Gänge zeitweise sperren.“ Eine mögliche Zweiteilung des Wochenmarkts auf Hansaplatz und alten Markt ist vorerst vom Tisch.

Aufteilung des Markts vom Tisch

Trotzdem merkt man sofort, dass es kein normaler Markttag ist. Die Menschen schauen etwas ernster drein. Wer Mundschutz trägt, führt darunter kein Lächeln spazieren. „Schon jetzt sind die Leute unzufrieden. Das bekommt man im Gespräch mit“, findet Verkäuferin Stephanie Schmidt.

Fischverkäuferin Stephanie Schmidt hofft auf ein baldiges Ende der Corona-Krise.

Fischverkäuferin Stephanie Schmidt hofft auf ein baldiges Ende der Corona-Krise. © Johannes Bauer

Es gibt kaum einen Stand, der nicht mit selbst ausgedruckten Zetteln auf die Einhaltung des Sicherheitsabstands hinweist. Dazu haben einige Händler Absperrbänder aufgestellt, andere entsprechend große Boxen mit Kreide auf den Boden gezeichnet.

Die Corona-Krise ist allgegenwärtig, da überrascht die Aussage von Marktbesucher Thomasz Koryonek (46) doch ein wenig. „Es ist auch einfach schön, auf dem Markt andere Menschen zu sehen.“ Kaum hat er das ausgesprochen, ermahnt ihn ein Mann mit neongelber Weste und grimmigen Blick, nicht zu lange in der Mitte des Wegs stehen zu bleiben.

Ordnungsamt seit einer Woche im Einsatz

Mitarbeiter des Ordnungsamts patrouillieren genauso wie Angestellte des Service- und Präsenzdienstes seit gut einer Woche über das Marktgelände.

Eingreifen müssen sie nur, wenn die Leute sich nicht mit genügend Abstand anstellen. Das passiert selten. „Die Marktbesucher haben die Maßnahmen sehr positiv aufgenommen“, meint Marktsprecher Schulte nicht ohne Stolz.

Am Pflanzenstand von Cornela Puschnerus herrscht gerade mehr Andrang als sonst.

Am Pflanzenstand von Cornelia Puschnerus herrscht gerade mehr Andrang als sonst. © Johannes Bauer

Seine Kollegin Cornelia Puschnerus (66) kann sich sogar über mehr Kunden freuen als sonst. „Die Leute wollen es daheim einfach schön haben“, erklärt sich die Verkäuferin den höheren Andrang an ihrem Pflanzenstand.

Ein kleines Nadelöhr bleibt jedoch. Das befindet sich nicht direkt auf dem Marktgelände, sondern an dessen Eingang. Läuft man von der Schwarze-Brüder-Straße in Richtung Hansaplatz verengt eine Baustelle den Weg zu einem schmalen Gang.

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Doch ähnlich wie auf dem Markt zeigt sich auch hier eine, vor Krisenzeiten nicht in diesem Ausmaß gelebte, Eigenschaft: Solidarität. Bevor zwei Personen zu dicht aufeinander zulaufen, bleibt einer von beiden stehen. Die Menschen nehmen Rücksicht aufeinander.

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