Warmes Bier ist eigentlich der Schrecken vieler Biertrinker. Im Dortmunder Brauereimuseum ist allerdings ein Bierwärmer ausgestellt. Was sein Zweck ist, weiß der scheidende Museums-Leiter Dr. Heinrich Tappe. © Will Stewart/Unsplash
Brauereimuseum

Wofür braucht man eigentlich einen Bierwärmer?

Mit Dr. Heinrich Tappe geht der langjährige Leiter, des Brauereimuseums in den Ruhestand. Inzwischen ist er Experte für Bier - und diverse kuriose Trink-Utensilien.

Wer mit Dr. Heinrich Tappe einen Rundgang durch das Brauereimuseum unternimmt, sollte viel Zeit mitbringen. Denn der Museumschef kann zu fast jedem Exponat eine Geschichte erzählen. Kein Wunder. Denn Tappe hat das 2006 eröffnete Brauereimuseum an der Steigerstraße von Grund auf aufgebaut. Jetzt geht der 64-Jährige nach 15 Jahren als Museumsleiter in den Ruhestand.

Die Beschäftigung mit Dortmunds Brauwesen hat freilich schon weit vor der Eröffnung des Museums begonnen. Anfang der 1990er Jahre hat er am Lehrstuhl für Ernährungsgeschichte der Universität Münster zum Thema Alkoholkultur promoviert. Nach einer Zwischenstation beim Landesmuseum in Oldenburg kam Tappe ans Westfälische Wirtschaftsarchiv in Dortmund, um hier das Brauereiarchiv aufzubauen.

Die Dortmunder Brauwirtschaft steckte gerade in einer Zeit des Umbruchs. 1996 ging die Geschichte der Kronen-Brauerei, zu der auch die Marken Thier und Stifts gehörten, mit dem Verkauf an die DAB zu Ende. Es galt, wertvolle Dokumente und Schätze der Brauereigeschichte für die Nachwelt zu sichern.

Dr. Heinrich Tappe hat die Dauerausstellung im Brauereimuseum seit 2006 kontinuierlich ausgebaut.
Dr. Heinrich Tappe hat die Dauerausstellung im Brauereimuseum seit 2006 kontinuierlich ausgebaut. © Oliver Volmerich © Oliver Volmerich

Und für die sollte es bald auch einen angemessenen Platz geben. Denn mit der Aufgabe der Kronen-Brauerei wurde auch das Aus des alten Brauereimuseums auf der Kronenburg besiegelt. Heinrich Tappe wurde im Jahr 2002 als Mitarbeiter des Museums für Kunst und Kulturgeschichte damit beauftragt, ein Konzept für ein neues Brauereimuseum an anderer Stelle zu entwickeln.

Schwierige Standortsuche

Eine der schwierigsten Aufgaben war, einen neuen Museumsstandort zu finden – zumal die Dortmunder Brauwirtschaft nach der Übernahme von Brau und Brunnen durch die Radeberger Gruppe auf einen großen Braustandort geschrumpft war. Genau dort, neben der DAB-Brauerei, fand sich denn auch der passende Ort für das Museum – in der alten Maschinenhalle und gleich neben dem historischen Sudhaus der alten Hansa-Brauerei.

In der alten Maschinenhalle der Hansa-Brauerei fand das Brauereimuseum ein passendes Domizil.
In der alten Maschinenhalle der Hansa-Brauerei fand das Brauereimuseum ein passendes Domizil. © Dieter Menne (A) © Dieter Menne (A)

Dazu passte auch das neue Ausstellungskonzept, das Tappe entwickelt hatte. Er machte Schluss mit den Reminiszenzen an die mittelalterliche Dortmunder Brauereigeschichte und legte den Schwerpunkt auf die heimische Brauindustrie ab dem 19. Jahrhundert.

Damals entstanden immer mehr Braustätten in der wachsenden Stadt, später nach und nach – auch durch Übernahmen – immer mächtigere Großbrauereien wie DAB und Union. In den 1950er Jahren wuchs Dortmund dann zur größten Brauereistadt Europas.

Auch wenn nicht mehr viel von der alten Herrlichkeit übrig ist – von einem Niedergang der Dortmunder Brauwirtschaft will Tappe nicht sprechen. Wie in vielen anderen Wirtschaftszweigen kam es ab den 1990er Jahren zu immer mehr Fusionen, bei denen die Dortmunder Brauereien nach und nach ihre Selbstständigkeit verloren.

Kombination mit Brauereibesichtigung

Heute ist die Radeberger Brauerei in der Nordstadt, in der noch immer viele traditionsreiche Dortmunder Marken von Brinkhoffs über Kronen bis Hansa gebraut und abgefüllt werden, weiterhin einer der größten Brauereistandorte in Deutschland. Und es bietet sich die Möglichkeit, eine Brauereibesichtigung mit einem Museumsbesuch zu verbinden, um neben der modernen Produktion auch in historischem Ambiente die Geschichte der Brauwirtschaft kennenzulernen.

Das Brauereimuseum ist vor allem Besuchergruppen - viele aus dem Ausland - gefragt.
Das Brauereimuseum ist vor allem Besuchergruppen – viele aus dem Ausland – gefragt. © Oliver Schaper (A) © Oliver Schaper (A)

Und man kann sich kaum sattsehen an den vielen tausend Exponaten vom Bierdeckel über Gläser bis zum „Oldie-Truck“, einem alten Biertransporter aus den 1920er Jahren. Werbung und Marketing für das Dortmunder Bier spielen in der Dauerausstellung eine große Rolle – bis hin zu alten Werbefilmen. Die laufen über einen Bildschirm in einer nachgebauten Kneipe, wenn man aufgestellte Bierflaschen hochhebt – eines von vielen multimedialen Elementen im Museum.

Und die Zahl der Exponate ist auch dank vieler ehemaliger Brauer, die jetzt zum Teil ehrenamtlich im Museum aktiv sind, und vieler Devotionalen-Sammler immer weiter gewachsen. „Wir haben das Museum nach und nach aufgefüllt“, berichtet Tappe. Und dabei findet sich auch so manche Kuriosität – wie etwa ein Bierwärmer aus Metall, mit dem Biertrinker mit empfindlichem Magen ihr Lieblingsgetränk anwärmen konnten.

Die Sonderschau zur
Die Sonderschau zur „Schlegel“-Brauerei ist die letzte Wechselausstellung, die Dr. Heinrich Tappe als Kurator betreut hat. © Oliver Volmerich © Oliver Volmerich

Ergänzt wird die Sammlung durch Wechselausstellungen zu besonderen Themen der Brauereigeschichte – aktuell mit einer Sonderschau zur Bochumer Schlegel-Brauerei, die später von der Dortmunder Union übernommen wurde. Die Ausstellung ist gewissermaßen ein Abschiedsgeschenk für Klaus-Joachim Schlegel, den langjährigen Vorsitzenden der „Stiftergesellschaft zur Förderung des Brauerei-Museums Dortmund“. Unter dem Titel „Bairisch Bier fürs Revier“ steht Schlegel aber auch exemplarisch für die Entwicklung der Brauwirtschaft im Ruhrgebiet im 19. Jahrhundert und damit auch für die Dortmunder Brauereien.

Was „Museumsgründer“ Tappe besonders freut: Das Besucherinteresse am Brauereimuseum ist über die Jahre immer weiter gewachsen – bis zum Rekordjahr 2019 als 23.000 Besucherinnen und Besucher gezählt wurden. Dann kam Corona. Doch inzwischen läuft der Betrieb wieder. Besonders gefragt ist das Brauereimuseum bei ausländischen Gästen, die bis zu 30 Prozent der Besucher ausmachen – auch das vielleicht ein Zeichen für den weltweiten Ruf des Dortmunder Bieres.

„Es ist eine spannende Geschichte – und sie geht immer weiter“, stellt Tappe fest. Und das wird auch so sein, wenn er den Staffelstab im Museum an seine Nachfolgerin Corinna Schirmer weitergegeben hat. Ganz loslassen wird Tappe die Brauereigeschichte ohnehin nicht. Er wird künftig mehr Zeit für Forschung und Aufsätze zur Bier- und Brauereigeschichte haben. Der Stoff wird ihm da so schnell nicht ausgehen.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich