Wünschewagen brachte todkranke Heimbewohnerin (59) ein letztes Mal ans Meer

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Für Heike Tröster aus Brünninghausen ging im Herbst ein letzter Wunsch in Erfüllung. Zwei Monate später starb sie an einer unheilbaren Nervenkrankheit.

von Marc Dominic Wernicke

Brünninghausen

, 20.12.2019, 16:21 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ende November verstarb die Brünninghauserin Heike Tröster im Erna-David-Seniorenzentrum infolge einer schweren Nervenkrankheit. Knapp zwei Monate zuvor ging für die 59-Jährige aber noch ein besonderer Herzenswunsch in Erfüllung.

„In einer Runde mit den Heimbewohnern fragte ich einmal, wo sie denn gerne einmal hin möchten“, erzählt die Betreuungsassistentin Ute Kreot. „Heike sagte daraufhin nur ein Wort – Meer.“

Wünschewagen für eine besondere Reise

Beim Aufräumen habe Ute Kreot wenig später ein kleines Zeitungsinserat wiedergefunden. Darin ging es um die sogenannten Wünschewagen vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB).

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Seit 2014 erfüllen ehrenamtliche Mitarbeiter des ASB mit speziell ausgestatteten Personentransportern bundesweit Wünsche von schwerkranken Menschen, indem sie sie zu besonderen Orten fahren.

Großes Glück bei der Planung

Aufgrund ihrer stark fortgeschrittenen Nervenkrankheit war Heike Tröster bewegungsunfähig. Kommunizieren konnte sie nur noch durch einen Sprachcomputer und einfache Laute.

Eine Reise zum Meer war für sie nur noch mit dem Wünschewagen möglich. „Normalerweise muss der Wagen lange im Voraus gebucht werden. Wir hatten aber das Glück, dass er am 3. Oktober noch frei war“, schildert Ute Kreot.

Heike Trösters Mitbewohnerinnen im Erna-David-Seniorenzentrum malten für sie ein Plakat zum Tag ihrer Reise mit dem Wünschewagen.

Heike Trösters Mitbewohnerinnen im Erna-David-Seniorenzentrum malten für sie ein Plakat zum Tag ihrer Reise mit dem Wünschewagen. © Ute Kreot

Um 9.30 Uhr begann die Fahrt vom Erna-David-Seniorenzentrum in Brünninghausen. Nach drei Stunden erreichte der Wünschewagen das Ziel: den Badeort Katwijk aan Zee in Südholland.

Begleitet wurde Heike Tröster dabei von Ute Kreot, der Pflegefachkraft Nicole Prüfel und zwei ASB-Mitarbeitern. Ein spezieller Rollstuhl mit besonders dicken Reifen ermöglichte es der 59-Jährigen, sicher durch den Sand und sogar bis ins Wasser zu fahren.

Mit einem speziellen Rollstuhl konnte Heike Tröster an der niederländischen Küste auch ins Wasser fahren.

Mit einem speziellen Rollstuhl konnte Heike Tröster an der niederländischen Küste auch ins Wasser fahren. © Ute Kreot

„Geistig war sie immer voll dabei. Sie hat dort alles aufgenommen, konnte das Meer riechen und ihre Füße ins Wasser setzen“, beschreibt Ute Kreot die Eindrücke.

„Wir konnten das Funkeln in ihren Augen sehen. Das war so schön für sie und es ging auch uns im Herzen sehr nahe“, erinnert sich die Betreuungsassistentin. Als die Gruppe nach der Rückfahrt wieder in Brünninghausen ankam, war es bereits Abend.

Unheilbare Nervenkrankheit

Heike Tröster litt an amyotropher Lateralsklerose, kurz ALS. Das ist eine unheilbare Erkrankung des motorischen Nervensystems.

Sie führt zum Absterben der Nervenzellen, wodurch die Muskulatur des Körpers nicht mehr steuerbar ist. In der Folge verlieren die Erkrankten nach und nach ihre Bewegungsfähigkeit, bis schließlich auch die Atem-Muskulatur aussetzt.

Knapp zwei Monate nach ihrer Wunschreise ans Meer starb Heike Tröster am 29. November. Ute Kreot war an ihrer Seite, als die 59-Jährige am Nachmittag friedlich einschlief.

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