Xin Peng Wangs Neufassung von Schwanensee feiert Premiere

Opernhaus

Bei Tschaikowskys "Schwanensee" muss man sich meist entscheiden zwischen den schönen, alten Choreografien von Marius Petipa und Lev Ivanov, die das Bolschoi noch zeigt, und neoklassizistischem Tanz. In Dortmund bekommt man beides. Und ganz ohne Brüche.

DORTMUND

02.05.2012, 17:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ballettchef Xin Peng Wang hat dem Publikum eine Neufassung seines Erfolgsballetts aus dem Jahr 2005 geschenkt. Die Premiere am Dienstag feierte das Publikum mit stehenden Ovationen. Dieser "Schwanensee" ist traumschön und er rückt das Wasser, den See, in den Mittelpunkt. In drei Aggregatszuständen: gefroren im Eispalast des ersten Aktes, fließend, auch in den Bewegungen, im zweiten, weißen Akt. In einer Unterwasserwelt in der Festszene des dritten Aktes und im Nebel, als Traumvision im Schlussbild.Zwei glänzende Solisten Der zweite und vierte Akt folgt den Choreografien von Petipa und Ivanow, die das Ballett vor 120 Jahren zum Tanz-Hit machten. Ein Meer von Schwänen tanzt auf dem See, und mit Primaballerina Monica Fotescu-Uta als Odette und Mark Radjapov als Prinz Siegfried hat die vorzügliche Dortmunder Compagnie zwei glänzende Solisten, die die schweren Schrittfolgen und Sprünge von Petipa mit müheloser Leichtigkeit tanzen können. Eine majestätisch-elegante Odette ist Fotescu-Uta, später ein verführerischer schwarzer Schwan Odile, die getanzte Sünde. Alles ist klassisch in diesem Akt: die Choreografie, die Kostüme mit funkelnden Swarovski-Steinchen am Schwanenmädchen-Tütü, die vier kleinen Schwäne und die verwunschene Vorhang-Kulisse.Der vierte Akt ist eine Traumvision des Prinzen. Am Schluss hält Wang ihm und dem Publikum einen riesigen Spiegel vor, zerstört den Traum mit bitterer Realität. Dem Publikum bietet der Spiegel aber auch eine spannende Perspektive, weil es die geometrischen Formationen der Schwäne von oben, aus der Vogelperspektive sieht. Diese beiden klassischen Akte konfrontiert Wang mit neoklassizistischem Tanz in einer modernen Optik im ersten und dritten Akt. Eine dekadente Hofgesellschaft feiert in einem Eispalast den 18. Geburtstag des Prinzen. Steif bis zu den aufgestellten Hemdkragen und zackigen Hutspitzen sind die Festgäste. Ihr kühles Wesen spiegeln die coolen Kostüme, die Bühnen- und Kostümbildner Daniel Ioan Roman wie aus der Designerwerkstatt kreiert hat.Freundin in Hotpants Nur Siegfrieds Freund Benno (sprunggewaltig: Arsen Azatyan) darf in dieser Gesellschaft noch normal sein und die Hofnarr-Funktion übernehmen. Nicht der Zauberer Rotbart hat den Schwan verzaubert, sondern Siegfrieds Vater (Andrei Morariu) stellt den Sohn auf die Liebesprobe. Und Wang stellt dem Prinzen auch statt der Mutter eine Freundin in Hotpants (Jelena-Ana Stupar) zur Seite. Wangs Unterwasserwelt im dritten Akt ist so märchenhaft schön wie wirkungsvoll. Schon für das Bühnenbild gab es Szenenapplaus.Klassische Schritte Über einem Tuch bricht das Sonnenlicht durch die Wasseroberfläche. Darunter tanzt die maskierte Festgesellschaft - in klassischen Schritten, aber mit Bewegungen, die modernen Tanz andeuten. Generalmusikdirektor Jac van Steen hat "Schwanensee" zur Chefsache gemacht und ließ die Dortmunder Philharmoniker in Tschaikowskys Musik schwelgen, machte auch kammermusikalische Finessen der Partitur hörbar und gab der Musik die Ruhe, um im zweiten Akt, nach einem stürmischen Beginn, fließen zu können. Großer Jubel - das Dortmunder Ballett hat ein neues Erfolgsstück, das das Publikum verzaubert.

Termine: 6./11./19./25.5., 2./10./21.6., 1.7.; Karten: Tel. (0231) 5027222.

 

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