Zeichnungen von Sabine Gorski zeigen Höhen und Tiefen während einer Chemotherapie

rnAusstellung im JoHo

Als Sabine Gorski an Krebs erkrankte, führte sie über die folgende Chemotherapie ein Tagebuch. Kein gewöhnliches, sondern Aufzeichnungen – im wörtlichen Sinn.

Klinikviertel

, 16.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Sabine Gorski ist freiberufliche Grafikerin und Szenografin. Vor fünf Jahren erkrankte sie an Krebs. Der Operation folgte eine Chemotherapie. Sabine Gorski entschloss sich, die Therapie mit einem Tagebuch zu begleiten. Schon seit Jahren führte sie Tagebücher: keine gewöhnlichen, in denen Worte ihre Gedanken, Empfindungen oder Wünsche festhalten – sondern Zeichnungen.

„Zeichnen ist meine private Leidenschaft“, erzählt sie. Sabine Gorski zeichnet nicht auf feinem Papier, sondern in ausgelesenen Büchern. „Die liegen manchmal ja im Kreuzviertel zum Mitnehmen aus.“ Eine sehr persönliche Form des Upcycling und der Kunst.

Aus „Früchte des Zorns“ wurde „Mit Wassern gewaschen“

„Früchte des Zorns“, lautet der Titel des Romans von Joseph Conrad, in dessen gebundene Fassung Sabine Gorski zeichnete. Von dem Titel ist heute nichts mehr zu sehen. Ihr Tagebuchs ist „Mit Wassern gewaschen“ betitelt – symbolisch für die vielen Flüssigkeiten, „die in mich rein- und wieder rausgekommen sind“. Eine Strichliste unter dem Titel dokumentiert die verbrauchten Filzstifte.

Und das waren eine Menge. 260 Doppelseiten zeichnete Sabine Gorski – etwa ein Drittel während der zwölf Zyklen der Chemotherapie. Sie hielt die Tiefpunkte fest, die Momente, in denen die Nebenwirkungen kaum ertragbar waren. Aber auch die positiven Momente. „Der Garten. Unser Garten.“, steht in sattem Grün auf einer Doppelseite. „Sobald ich irgendwie auf den Beinen stehen konnte, hat mein Mann mich in unseren Garten getragen und mir ein Bett gemacht“, erzählt Sabine Gorski. „Die Blätter zu sehen und die Vögel zu hören, waren heilende Momente.“

40 Zeichnungen zeigt Sabine Gorski im Johannes-Hospital

Die Doppelseite ist eines von 40 Exponaten, die die Künstlerin derzeit im St.-Johannes-Hospital (JoHo) in einer Ausstellung zeigt. In der Onkologischen Abteilung wurde sie operiert, psycho-onkologisch begleitet und erhielt hier auch ihre ambulante Chemotherapie.

Zeichnungen von Sabine Gorski zeigen Höhen und Tiefen während einer Chemotherapie

40 Doppelseiten aus ihrem Tagebuch zeigt Sabine Gorski in einer Ausstellung im Dortmunder St.- Johannes-Hospital. © Uwe von Schirp

Ihre Zeichnungen fielen den Mitarbeitern im JoHo und später den Ärzten in der Rehabilitationsklinik auf. Sabine Gorski halfen die Zeichnungen, ihre Therapie „zu verstehen und zu verarbeiten“. Es waren die Ärzte, die sie motivierten, ihre Zeichnungen auszustellen. Die Ausstellung richtet sich an Angehörige und Freunde von Krebskranken sowie an Ärzte, um den Ausnahmezustand während einer Chemotherapie zu vermitteln.

Sabine Gorski zeigte das Tagebuch der Leiterin des Hartware MedienKunstVereins. Dr. Inke Arns kuratierte die Ausstellung, traf die Auswahl aus den 260 Zeichnungen. „Die 40 Bilder müssen einen Sinn ergeben“, sagt Sabine Gorski. „Mir geht es nicht darum, der Welt zu zeigen, was ich erlebt habe.“

Alle 260 Bilder zeigt die Künstlerin auf ihrer Internetseite.

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