Zeugen der Razzia in Dortmund: „Polizisten sind übers Dach gelaufen“

rnKriminelle Bande

Es geht um rund eine halbe Million Euro Beute: Fünf Gebäude in Dortmund sind durchsucht worden, um eine kriminelle Bande zu erwischen. Nachbarn sind davon nicht überrascht.

Dortmund

, 24.04.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war nicht einmal 5 Uhr am Morgen, als sich an der Evinger Straße offenbar Szenen wie aus einem Actionfilm abspielten. Vermummte Polizisten umstellten am Donnerstagmorgen (23.4.) ein Wohnhaus an der viel befahrenen Straße. Sie vermuteten hier Mitglieder einer Bande, die jede Menge Geldautomaten aufgebrochen hat.

Ein paar Meter von dem Mehrfamilienhaus entfernt führt eine Einfahrt in einen Hinterhof. „Die Polizisten haben hier Mülltonnen zur Seite geschoben und sind aufs Dach geklettert“, berichtet eine Anwohnerin, die vom Lärm wach geworden ist und die Szenerie vom Fenster beobachtet hat. Die Rinne am Rand des Flachdaches ist an der Stelle, auf die sie am Vormittag deutet, etwas verbogen.

Die Polizisten sind offenbar auf dieses Flachdach geklettert, um den Verdächtigen einen Fluchtweg abzuschneiden.

Die Polizisten sind offenbar auf dieses Flachdach geklettert, um den Verdächtigen einen Fluchtweg abzuschneiden. © Kevin Kindel

Ein Sanitärbetrieb hat sein Büro in diesem Hinterhof. Vor dem Eingang befindet sich ein kleiner Unterstand - eine Platte dessen Daches ist nach unten eingedrückt. „Die sind da drübergelaufen“, sagt auch ein Mitarbeiter des Betriebes. Verdächtige hat hier aber niemand gesehen.

Mit Sturmhauben vermummte Einsatzkräfte stehen auch sechs Stunden nach Beginn des Einsatzes noch im Eingang des Wohnhauses. Die Wohnung wird akribisch durchsucht, ein teurer Audi mit Herner Kennzeichen ist unter Aufsicht der Polizisten abgeschleppt worden. Die Bande soll mindestens 500.000 Euro Beute gemacht haben.

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„Anwohner meinten, der hätte jeden Tag ein neues Auto gehabt“, sagt der Mann vom Sanitärbetrieb. Die Nachbarin wohnt seit mehr als 50 Jahren hier, kennt die Leute in dem betroffenen Haus aber nicht. „Man kriegt hier nichts von den anderen mit“, sagt sie. Gänzlich überrascht ist sie vom Polizei-Einsatz aber nicht: Wäre ihr Mann nicht bei ihr, wäre sie aus der Gegend schon weggezogen, erzählt sie.

Überraschend unüberrascht wirkt auch ein Ehepaar, das am zweiten von insgesamt fünf Dortmunder Einsatzorten der Razzia wohnt. An der Roßbachstraße in Huckarde standen am Morgen Polizisten mit Maschinenpistolen im Hausflur, berichtet das Paar.

Büro in Huckarde mit „immer wechselnden Arbeitern“ durchsucht

In ihrem Haus sei ein Büro durchsucht worden, in dem „immer wechselnde Arbeiter“ auch übernachten, sagt der Mann. Im Haus sei es zwar ruhig, im vergangenen Jahr habe es dort aber schon mehrere Polizeieinsätze gegeben.

Mindestens acht Personen werden des schweren Bandendiebstahls verdächtigt. Fünf von ihnen sind in Dortmund festgenommen worden, außerdem gab es Durchsuchungen in Leverkusen, im Kreis Olpe und in der Nähe von Darmstadt. In mindestens 32 Fällen sollen die Beschuldigten Geldautomaten in Banken aufgebrochen haben.

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