Zu düster? Tatort-Kommissarin will ihre eigene Folge nicht sehen

Anna Schudt

Die Vorfreude bei den Dortmunder-Tatort-Fans ist groß: Am Sonntagabend (20.15 Uhr) zeigt die ARD den siebten TV-Mordfall aus Dortmund. Doch Tatort-Kommissarin Anna Schudt ist "Kollaps" offenbar zu hart. Sie würde am Sonntagabend nicht einschalten. Inzwischen hat der WDR auf die Aussage reagiert.

DORTMUND

, 16.10.2015, 09:09 Uhr / Lesedauer: 2 min
Martina Bönisch (Anna Schudt) bei den Dreharbeiten zum vierten Dortmund-Tatort.

Martina Bönisch (Anna Schudt) bei den Dreharbeiten zum vierten Dortmund-Tatort.

Aktualisierung, 17.20 Uhr: Das sagt der WDR zur Aussage von Anna Schudt:

Auf Nachfrage unserer Redaktion hat der WDR Stellung bezogen. "Zum Profil und Markenzeichen der Tatort-Reihe gehörte schon immer auch der Bezug auf die aktuelle gesellschaftliche und politische Realität. So hatte am vergangenen Sonntag (11.10.) der Tatort 'Verbrannt' vom NDR eine brisante Thematik zum Gegenstand und auch 'Kollaps' (18.10.) an diesem Sonntag zielt mitten ins Herz aktueller gesellschaftlicher Probleme, wie es sie - natürlich nicht nur in Dortmund - leider tagtäglich gibt", lässt Gebhard Henke, WDR Fernsehfilmchef/ARD Tatort-Koordinator, schriftlich mitteilen. 

Der Tatort sei nicht nur Unterhaltungsspaß für alle Altersgruppen, "wenn wir zum Beispiel mit unserem wunderbaren Team aus Münster aufwarten, er ist auch regelmäßig harte und prononcierte Kost. Wenn unsere Protagonistin Anna Schudt, die in einem Zeitungsinterview sehr politisch und auch persönlich argumentiert, sagt, sie würde bei diesem Tatort abschalten, so hat sie sich sicherlich missverständlich ausgedrückt", erklärt Henke.

Und weiter: "Ich denke, sie wollte vielmehr zum Ausdruck bringen, dass die schrecklichen Ereignisse, die der Tod eines Kindes in Gang setzt, für den Zuschauer so ergreifend sind, dass man kaum hinsehen möchte. Realität tut manchmal weh (...). Auf gute, kluge, differenzierte Filme, die Debatten anstoßen und aushalten, hat der Beitragszahler im öffentlichen-rechtlichen Fernsehen aber Anspruch."

Erste Meldung, 9.09 Uhr: Tatort-Star würde abschalten

Der neue Dortmunder „Tatort“ ist der Schauspielerin Anna Schudt (41) zu düster geraten. „Ganz ehrlich: Als Zuschauer würde ich da abschalten. Das brauche ich nicht am Sonntagabend“, sagte sie der "Rheinischen Post". Schudt spielt in dem ARD-Krimi die Hauptkommissarin Martina Bönisch.

In der Episode „Kollaps“ geht es an diesem Sonntag (20.15 Uhr) um den Kokain-Tod eines kleinen Mädchens. Schudt warb aber auch dafür, den Zuschauern viel zuzumuten: „Wenn wir so politisch korrekt bleiben wie bislang, insbesondere bei den Öffentlich-Rechtlichen, wird alles Brei.“ 

Hartmann findet Tatort gelungen

Schauspieler Jörg Hartmann, der im Dortmunder Tatort die Rolle des Peter Fabers spielt, äußerte sich im exklusiven Interview mit unserer Redaktion dagegen nicht so kritisch über die siebte Folge. "Kollaps finde ich vom Humor her besser gelungen als „Schwerelos“, unserem Tatort davor, der mir ehrlich gesagt zu ernst war. Es war klar, dass es nie in Richtung Münster gehen darf, weil es ein ganz anderes Genre ist und wir uns abgrenzen wollen", sagte Hartmann.

Und weiter: "Unsere Dortmunder Tatorte sind in erster Linie finsterer, dunklerer, manchmal ein bisschen thrillerhafter, dreckiger, abgründiger. Aber natürlich braucht der Zuschauer zwischendurch immer mal Erholung. Und auch ein Faber hat seinen Humor ja nicht komplett verloren, der ist so langsam wieder hochgekommen."

Mit dpa-Material 

Jetzt lesen

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt