Zu heißer Sommer erschwert Futtersuche – junge Eichhörnchen in Dortmund brauchen Hilfe

rnNagetiere in Not

Helga Meissner kümmert sich um Eichhörnchen-Findlinge aus Dortmund – und verrät, was man beachten muss, wenn man ein Eichhörnchen aufgenommen hat. Es kann nämlich viel falsch gemacht werden.

Dortmund

, 17.02.2019, 13:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

In diesem Jahr wird es für die Eichhörnchen schwer. Wegen des heißen Sommers gab es weniger Futter, welches die Eichhörnchen für den Winter bunkern konnten. Die dadurch geschwächten Tiere sind nun mit der Futtersuche in der kalten Zeit überfordert. Dabei bekommen besonders die Jungtiere Probleme.

Die lokale „Eichhörnchenretterin“ Helga Meissner erklärt, wie man helfen kann.

Expertise seit 20 Jahren

Helga Meissner (58) kümmert sich seit 1999 um Dortmunder Eichhörnchen in Not. 60 bis 80 Nager versorgt die gelernte Tierzarzthelferin im Jahr. Außerdem ist sie mit einer mobilen Praxis für Tierhomöopathie selbstständig.

Die wenige Wochen alten Tiere werden im Wohnzimmer der Familie Meissner aufgepäppelt, die älteren und fitteren Nager sind in einem Außengehege untergebracht. Dort werden sie auf die Auswilderung vorbereitet.

Die medizinische Versorgung von den „Hörnchen“, wie sie ihre Schützlinge nennt, übernimmt Helga Meissner meistens selbst. Häufig haben die Tiere Nasenbluten oder eine Gehirnerschütterung, weil sie tief aus ihrem Kobel – dem „Nest“ der Eichhörnchen – gefallen sind. Nur im Notfall sucht sie einen Tierarzt auf, und dann ist sie bei der Behandlung auch dabei.

Helga Meissner vermittelt außerdem an Rettungsstationen, falls die Eichhörnchen-Findlinge außerhalb ihres Wirkungsbereichs aufgenommen wurden. Sie verfügt über ein bundesweites Netzwerk.

Zu heißer Sommer erschwert Futtersuche – junge Eichhörnchen in Dortmund brauchen Hilfe

Helga Meissner beim Füttern eines Eichhörnchenjungens. © Udo Hennes

Eichhörnchenretterin erklärt, was zu tun ist

Helga Meissner hat folgende Tipps, sollte man mit einem Eichhörnchen, welches verloren wirkt, in Berührung kommen.

1. Beobachten

Sollte man Eichhörnchen im Stadtgebiet begegnen, sollte man diese zunächst beobachten. Häufig werden Jungtiere von den Eichhörnchenmüttern zurück gelassen, wenn diese durch Hunde oder Katzen verscheucht werden. Sollte das Muttertier nicht zurückkehren, handelt es sich um verwaiste Jungtiere, oder welche, die sich verlaufen haben. Häufig sind die Eichhörnchen dann nicht scheu, und klettern Menschen am Bein hoch.

2. Aufnehmen

Die Nager müssen dann auf jeden Fall aufgenommen werden. Wichtig ist es, die Tiere sofort aufzuwärmen. Man kann die Nager zum Beispiel in seine Jackentasche stecken oder in einen Schal wickeln. Die jungen Tiere sind sehr kälteempfindlich und würden sonst sterben.

3. Versorgung

Neben der Wärme benötigen die Tiere häufig auch Flüssigkeit. Am besten eignen sich Elektrolyt-Fertigmischungen, notfalls ist aber auch sauberes, abgekochtes Wasser (abgekühlt!) in Ordnung. Man kann aber auch eine Nährlösung ganz leicht selbst zubereiten.

Rezept für eine Nährlösung (von www.eichhörnchen-in-not.de)
  • 1/4 Tasse abgekochtes Wasser
  • 1 winzige Prise Salz
  • 1 Tropfen Honig oder Zucker (besser Traubenzucker)
Zum Füttern eignet sich am am besten eine Spritze (1 Milliliter, ohne Nadel). Dem Tier vorsichtig tröpfchenweise Flüssigkeit anbieten, niemals reinpressen. Sonst bekommen die Tiere Flüssigkeit in ihre Lungen und können sterben.

Zum Füttern eignet sich am besten eine Spritze. Dabei sollte man aber vorsichtig sein. Kuhmilch eignet sich nicht zum Füttern!

Außerdem sei es wichtig, das Fell der Jungtiere auf weiße Punkte zu untersuchen. Bei diesen Punkten handelt es sich um Eier von Schmeißfliegen, diese nisten gerne auf Jungtieren. Die Eier müssen ausgebürstet werden, da die Maden, welche bei Wärme schlüpfen, sonst anfangen, die Jungtiere aufzufressen.

4. Nachsorge

Die aufgenommenen Tiere sollten dann zeitnah zur weiteren Versorgung zu Helga Meissner gebracht werden. Keinesfalls sollte man sich auf Informationen aus Internet-Foren verlassen oder Hinweise googeln, diese seien häufig falsch. Oft seien auch Tierärzte mit der richtigen Versorgung von Eichhörnchen überfordert.

Was man noch tun kann - und wie man die Eichhörnchenretterin unterstützen kann

Pro Jahr verfüttert Helga Meissner rund 800 Kilogramm Walnüsse und andere Nüsse an die Tiere, neben Obst, Gemüse, Kinderkeksen. Hinzu kommt noch eine spezielle, gut verträgliche Aufzuchtmilch, welche sie aus den USA importieren muss.

Die hohen Kosten für die Versorgung und die Pflege der Tiere trägt Helga Meissner selbst. Deshalb könne sie Spenden gut gebrauchen. Dabei müsse es sich nicht immer um Geldbeträge handeln, auch Futterspenden in Form von Nüssen, sind hilfreich.

Eine größere Hilfe wäre jedoch, wenn die Menschen umweltbewusster handeln würden. Eichhörnchen seien sehr empfindliche Tiere und Müll in den Wäldern sei für sie eine große Gefahr. Gartenbesitzer sollten ihre Regentonnen abdecken – dabei handele es sich um Todesfallen. Außerdem soll man auf Unkrautgifte verzichten. Bei Baumfällarbeiten sollte man auch achtsam sein, ob keine Eichhörnchen in dem Baum ihr zuhause gefunden haben.

Bei Fragen und Notfällen, falls man ein Eichhörnchen gerettet hat oder wenn man ein Eichhörnchen bei ihr abgeben möchte, kann man Helga Meissner unter Tel. 0171/9418959 erreichen. Weitere Infos zur Eichhörnchenrettung und Tipps zur richtigen Versorgung und Pflege, sowie Spendenmöglichkeiten gibt es unter www.eichhörnchen-in-not.de
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