Der Hauptsitz der FH im Kreuzviertel: Viele Studierende wollen wieder Präsenzvorlesungen, doch so richtig klappt es für viele noch nicht. © Dieter Menne (Archivbild)
Semesterstart

Zu wenig Vorlesungen vor Ort: Frust bei Dortmunds Studierenden

Endlich geht es an der Universität wieder mit der Präsenzlehre los - oder doch nicht? Wer sich unter Studierenden der FH Dortmund umhört, stößt auf Ernüchterung. Ein Ortsbesuch.

Anscheinend war nicht alles schlechter, als die Studierenden während Corona die Vorlesungen über ihren Computern verfolgten. Zumindest sparten sich alle den Weg zur Uni.

Mittlerweile ist wieder einiges wieder wie vor der Pandemie. Dazu gehört auch die zuverlässige Verspätung der S-Bahn, welche die Studierenden zur Universität bringt. Jedoch nicht immer pünktlich. Und so hetzen einige gestresst zu den Fakultätsgebäuden der Fachhochschule (FH) Dortmund an der Emil Figge-Straße.

Drei Semester nur online

Hier begannen die Vorlesungen bereits am 20. September. An der Technischen Universität (TU) geht es dagegen erst später, am 11. Oktober (Montag), mit den Vorlesungen los. Über drei Semester sahen sich Kommilitonen und Dozenten nur im digitalen Raum, die Veranstaltungen liefen über Online-Plattformen wie Zoom.

Ahmad Idriss begann sein Studium im letzten Jahr, mitten in der Pandemie. „Zwei Semester habe ich nur am PC studiert“, erzählt er. Auch seine Klausuren fanden online statt. Schön sei es nicht gewesen, so Idriss: „Aber nach ein paar Monaten kam ich damit zurecht.“

Erst einmal habe er bisher eine Veranstaltung vor Ort besucht. Fast hat er sich an dieses Internet-Format gewöhnt: „Online gefällt es mir. Die Qualität ist gleich und ich spare Zeit.“

Dann betritt Ahmad Idriss das Foyer der Fachhochschule. Wie alle muss er sich drinnen an der 3G-Prüfstelle anmelden, um einen Tagesausweis zu erhalten. Das gehört zum Corona-Konzept der Fachhochschule. Wie viele Studierende an Präsenzveranstaltungen teilnehmen können, konnte die FH zuletzt nicht einschätzen. Eine hundertprozentige Lehre vor Ort sei nicht geplant, so Heike Mertins, Pressesprecherin der FH auf Ruhrnachrichten-Anfrage.

Insgesamt muss man wohl mehr Zeit mitbringen. Ein Student eilt über das Gelände und erkundigt sich bei anderen Kommilitonen, wo denn die Teststation ist. Sie zeigen ihm den Weg und er läuft Richtung Mensa.

„Bei uns ist alles online, obwohl wir geimpft sind“

Mina kann dagegen die volle Immunisierung nachweisen. Und ist enttäuscht, dass sie weiterhin keine Präsenzveranstaltungen besuchen kann. „Bei uns ist alles online, obwohl wir geimpft sind“, sagt Mina, die Soziale Arbeit studiert. „Gerade dafür habe ich mich extra impfen lassen.“

Sie ist an diesem Freitag mit Aleyna, einer Kommilitonin, auf dem Campus, um die Bibliothek zu besuchen. Wie so viele: erst Bücher ausleihen oder vor Ort an Hausarbeiten tüfteln, bevor es wieder nach Hause geht – für Seminare oder Vorlesungen am Computer.

Ist es nun ein Präsenz-, ein Online- oder doch ein Hybridseminar? Das kann auch Chun Yuen Chien nicht klar beantworten: „Es ist alles noch unklar, es fühlt sich komisch an“, sagt er. „Grundsätzlich hat sich nichts geändert.“

Tessa sieht die Situation pragmatisch. „Sie machen eben das, was in dem gegebenen Rahmen möglich ist“, sagt die angehende Informatikerin über das Corona-Management ihrer Fachhochschule. „Aber es wäre schöner, mehr an der Uni sein zu können.“