Ein Güterzug kollidierte am Donnerstag mit einem Lkw. Ein ähnlicher Unfall geschah nur ein paar Tage zuvor. © Privat
Unfall an der Speicherstraße

Zug-Crash am Hafen: „Habe gesehen, wie es richtig gekracht hat!“

Gleiche Ursache, gleicher Ort: Innerhalb von fünf Tagen kam es gleich zweimal zu einem Unfall mit einem Güterzug am Hafen. Eine Spurensuche vor Ort führt zu einem Augenzeugen.

An der Speicherstraße im Dortmunder Hafenviertel scheinen die meisten Menschen nicht mehr wirklich schockiert zu sein, wenn es zu einem Unfall wie am Donnerstag (21.10.) kommt. Ein Lkw wurde in dem Industriegebiet auf einem Bahnübergang von einem fahrenden Güterzug erwischt.

Eine Mitarbeiterin eines Cafés an der Lagerhausstraße, aus dem man direkt auf die Unfallstelle in der Speicherstraße schauen kann, sagt dazu nur: „Das passiert hier ständig“.

Hupe verhindert schlimmeres

Tatsächlich kam es immer wieder zu solchen Unfällen. Der letzte Unfall ist nur wenige Tage her. Am Sonntagabend (17.10.) wurde ein Audi meterlang von einem Güterzug mitgeschleift. An dem gleichen Bahnübergang wie am Donnerstag.

Auch Augenzeugen des Unfalls am Donnerstag waren vor Ort anzutreffen: Ein Bagger-Fahrer einer Baustelle an der Ecke Speicherstraße / Lagerhausstraße war sprichwörtlich „live“ dabei.

Kurz nachdem seine Schicht am Morgen begonnen hatte, habe er den „recht schnell“ fahrenden Lkw bemerkt, der von der Lagerhausstraße in die Speicherstraße eingebogen sei. Schnell sei dem Bauarbeiter klar geworden, dass der 60-jährige Lkw-Fahrer den fahrenden Güterzug nicht sehen konnte: „Da hat ein Lkw geparkt, der die Sicht versperrt hat.“

Schnell habe er die Hupe in seinem Bagger gedrückt. Immer wieder. Tatsächlich habe das Warnsignal etwas gebracht: Der Lkw-Fahrer habe angehalten – allerdings mitten auf den Gleisen. Der 60-jährige Fahrer habe noch zurückgesetzt, um dem Güterzug auszuweichen. Ganz hat es nicht mehr gereicht.

„Ich habe gesehen, wie es richtig gekracht hat“, berichtet der Bauarbeiter, der seinen Namen unserer Redaktion nicht nennen wollte. Der Lkw wurde vorne von dem langsam fahrenden, aber schweren Güterzug erwischt.

Zwei Unfälle in fünf Tagen

Dabei entstand glücklicherweise nur ein Sachschaden, verletzt wurde niemand. Darüber ist der Bauarbeiter auch glücklich: „Wer weiß was passiert wäre, wenn ich nicht gehupt hätte. Der Zug hätte den Lkw voll erwischt!“

Laut Polizei, Dortmund Hafen 21 und dem Tochterunternehmen Dortmunder Eisenbahn gibt es im Industriegebiet am Hafen zwölf Bahnübergänge.

Diese Bahnübergänge sind mit roten Blinklichtern und Andreaskreuzen ausgestattet. Den Bahnübergang darf – oder sollte – man erst überqueren, sobald das Licht erloschen ist.

Für den Bauarbeiter und seine Kollegen an der Speicherstraße reicht das nicht aus. Die Kennzeichnung sei schlecht zu erkennen. „Irgendetwas muss hier passieren, Schranken wären nicht schlecht.“

Über den Autor
Reporter
1990 im Emsland geboren und dort aufgewachsen. Zum Studium nach Dortmund gezogen. Seit 2019 bei den Ruhr Nachrichten. Findet gerade in Zeiten von Fake News intensiv recherchierten Journalismus wichtig. Schreibt am liebsten über Soziales, Politik, Musik, Menschen und ihre Geschichten.
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Robin Albers