Kneipe schließt an Traditions-Standort in Alt-Scharnhorst

rnKneipensterben

In Alt-Scharnhorst hat eine weitere Kneipe geschlossen: „Zum Scharnhorsta“ von Gina Behrends. Für das Ende nennt die Wirtin gleich mehrere Gründe.

Scharnhorst

, 05.02.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Kneipensterben geht weiter: Nun hat es den „Scharnhorsta“ von Wirtin Gina Behrends (31) in Alt-Scharnhorst erwischt. Knapp zweieinhalb Jahre hat sie die Gaststätte an der Friedrich-Hölscher-Straße 349 betrieben. Vorher gab‘s dort den „Postillon“, davor das „Westheck“.

„Mit dem reinen Getränkeverkauf kann man heute nicht mehr überleben“, sagt sie, aber um auch Essbares wie zumindest Frikadellen anbieten zu können, hätte sie einige Umbauten vornehmen müssen, die das Ordnungsamt gefordert habe. Außerdem habe die Hausbesitzerin keine Konkurrenz quasi im eigenen Haus haben wollen, denn nebenan gibt‘s noch einen griechischen Imbiss.

Reggae- und Schlagernächte im „Scharnhorsta“

Markenzeichen des „Scharnhorstas“ waren die Reggae- und Schlagernächte mit richtigen Plattenspielern und Schallplatten. Und obwohl sich die beiden Musikrichtungen auf den ersten Blick gar nicht miteinander vertragen, seien zu beiden Abenden immer auch Leute der jeweils anderen Fraktion gekommen.

In besonderer Erinnerung hat Gina Behrends den Eröffnungsabend am 23. September 2017. Damals standen die Gäste draußen auf der Straße, und das Personal kam mit den Bestellungen überhaupt nicht mehr hinterher. „Wir hatten niemals mit einem solchen Andrang gerechnet“, sagt die Wirtin heute.

Am Ende seien sogar die Salzstangengläser zu Biergläsern umfunktioniert worden, weil sonst keine Gläser mehr da waren. Manche Gäste haben sich ihr Bier im Kiosk gekauft, um nicht so lange warten zu müssen.

Kneipe schließt an Traditions-Standort in Alt-Scharnhorst

So sieht die Kneipe "Zum Scharnhorsta" an der Friedrich-Hölscher-Straße von außen aus. © Andreas Schröter

Besonders gut sei die Namenswahl angekommen – eine Idee von Gina Behrends selbst, denn niemand sage doch „Scharnhorster“ mit einem „er“ am Ende. Jede spreche es umgangssprachlich mit einem „a“ am Ende aus.

Leider habe es in der Folgezeit Probleme mit den Nachbarn gegeben. Die hätten sich über zu laute Musik, aber auch über Gäste beschwert, die lautstark ihren Kneipenabend beendeten. Immer wieder habe sie auf der Terrasse Gäste bitten müssen, draußen nur ihre Zigarette zu rauchen und dann wieder reinzukommen – auch wenn es 30 Grad warm war. Das sei gar nicht zu leisten gewesen, sagt Gina Behrends.

Wirtin Gina Behrends hat ein weinendes und ein lachendes Auge

Und so sehe sie jetzt die Schließung mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Sie werde ihre Stammgäste vermissen, bei denen sie sich ganz herzlich bedanken möchte. Immerhin will sie sich künftig privat mit einigen alle vier Wochen weiter zu einem Stammtisch treffen.

Andererseits sei es vielleicht auch schön, künftig irgendwo angestellt zu sein, um 17 Uhr Feierabend zu haben, danach nicht mehr an den Beruf denken zu müssen und trotzdem regelmäßig sein Gehalt zu bekommen.

Wie die Räume der ehemaligen Kneipe künftig genutzt werden, ist noch offen.

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