Günna ist ein Original. © Dieter Menne
Glosse: Wenn Sie Günna fragen...

Zur Wahl gehn iss wie Zähneputzen

Wenn Sie Günna fragen, hat Günna immer eine ganz eigene Sicht auf die Dinge. Immer ehrlich, immer direkt, immer Dortmund. Thema heute: die Qual der Wahl.

Hömma, Fritz, ich hab gelesen dat sich 75 Prozent der Wähler schon entschieden ham wen odda wat sie beide Bundestachswahl wählen würden. Dat kommt aus Umfragen und darum nehm ich dat nich so ernst denn mich hat keiner gefracht und ausserdem weiss ich von vergangene Wahlen dat Stimmung noch keine Stimmen sind.

Wahlforscher wissen imma mehr übba Wähler abba ich glaub sie verstehn uns Wähler auch imma weniger weil der Unterschied zwischen Theorie und Praxis inne Praxis viel grösser iss als inne Theorie. Sicher iss nur dat die Zeit der grossen Volks-Parteien vorbei iss weil sie die breite Bevölkerung nich mehr erreichen und sich viel zu viele Staatsdiener im Job imma öfter wie Volkserzieher odda kleine Staatsregenten aufführen wat anne Basis Säuernis erzeugt hat.

Die blödeste Reaktion darauf zu wählen wär jetz gar nich zu wählen denn zur Wahl zu gehn iss so wie Zähneputzen: Wenn du es nich machs kann sich da dat Braune ausbreiten. Und ne Unterhosen-Kloalition wär ja woll dat Letzte wat wir brauchen können. Bürger die nich wählen gehn sind vonne Summe inzwischen die drittstärkste Kraft in Deutschland abba nur im negativen Sinne gerechnet denn dat wärn ja lauter leere Sitze im Bundestach.

Unechte Nichtwähler

Es gibt auch noch die Gruppe von unechte Nichtwähler wat Wähler sind die eigentlich wählen wolln abba dann vergessen die Briefwahl abzuschicken odda den Wahltach verpassen weil sie krank werden odda schlicht verpennen. Dat solln stramme 5 Prozent sein die jedesma wegen Krankheit odda Schusselichkeit die Sitzverteilung im Bundestach von andere erledigen lassen habbich gelesen.

Ob von den drei Top-Kanzler:innenkandidat:innen wirklich einer den schweren Job Kanzler:in wuppen könnte wie sie uns dat Woche für Woche inne TV-Runde beim Schattenboxen mit einstudierte Gesten und auswendich gelernte Palaver-Phrasen darstellen wollten glauben nichmals alle eigenen Parteianhänger und darum werden schon längst Messer für die lustvolle Abrasur gewetzt.

Erst am Wahlabend wenn die Politik auffe Wirklichkeit trifft wird man sehn ob sich fürde SPD gelohnt hat Kevin Kühnert und den Parteivorstand wochenlang innen Keller zu sperren odda ob dat Konzept der Grünen aufgeht sich als Vollkorn-FDP für schlechtgewissige Ex-CDU Wähler anzubiedern odda der niederlagenerprobte Herr Laschet wie Phoenix ausse Asche mittem Lucky Punch doch noch dat Ziel erreichte.

Hömma, Fritz, mich hat bisher keine der drei agierenden Personen übbazeugt abba tief in meinem Inneren sacht eine Stimme: Wähl trotzdem. Mach ich auch. Prost.