Zwei Brüder sorgen für eine Sensation und brauen nach 90 Jahren wieder ein Hombrucher Bier

rnKaiserbrauerei in Brünninghausen

Es ist eine Sache des Herzens und hat mit einer eigentlich vergessenen Familientradition zu tun. Zwei Hombrucher Brüder lassen das Bier der Kaiserbrauerei wieder aufleben.

Brünninghausen

, 31.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Wie das Bier am Ende schmecken wird, das können Folker Hertelt und Ingo Hertelt noch nicht abschließend beurteilen. Es wird ein Export-Bier sein. Leicht und süffig, so wie es wohl vor gut 100 Jahren getrunken wurde. Vielleicht ein bisschen an die neuen Geschmäcker angepasst, aber ansonsten so, wie es die alten Brünninghausener und Hombrucher getrunken haben.

Es kommt einer kleinen Sensation gleich, dass 95 Jahre nach der Schließung der einzigen Hombrucher Brauerei das Bier der Kaiserbrauerei wieder zu neuen Ehren kommt. An der Ecke Ardeystraße/Stockumer Straße hat das mächtige Gebäude einmal gestanden. Vor genau 200 Jahren hat ein gewisser Heinrich Thomas einen Vertrag mit der Familie von Romberg geschlossen. Der galt zunächst nur für eine Schankwirtschaft, aus der dann 1819 die Kaiserbrauerei wurde. 1923 war dann Schluss mit der Brauerei in Brünninghausen. Die letzten Reste wurden kurz nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen.

Nachfahren der Familie Thomas

Wie kommen nun aber die Hertelt-Brüder auf die Idee, das Bier wiederzubeleben?

Einen großen Anteil an dem Projekt hat dabei der Hombrucher Geschichtsverein. Der hat die Nachforschungen nach der alten Brauerei intensiviert und ist dabei auf die Nachkommen des Brauereigründers Heinrich Thomas gestoßen. Eben Folker (48) und Ingo (Hertel). Deren Mutter war eine geborene Thomas.

Zwei Brüder sorgen für eine Sensation und brauen nach 90 Jahren wieder ein Hombrucher Bier

Eine Feier im Innenhof der Kaiserbrauerei in Brünninghausen um das Jahr 1909. Ein Tisch und zwei Stühle aus dieser Zeit existieren heute noch. © Geschichtsverein

So weit, so gut. „Wir wussten schon immer, dass wir entfernt etwas mit der Brauerei zu tun hatten, kannten die Geschichte dahinter aber nicht“, sagt Ingo Hertelt. Das Problem bei der ganzen Sache: es gab kaum etwas, das von der Kaiserbrauerei übrig geblieben ist. Diese Erfahrung hatten auch schon die Mitglieder des Geschichtsvereins bei den Recherchen gemacht. Die Hertels kramten in Kellern und auf alten Böden und fanden zumindest noch zahlreiche Unterlagen und bislang unbekannte Fotos aus der Geschichte der Brauerei.

In Archiven von Stadt und Land suchten Folker und Ingo Hertelt nach Einträgen über die Kaiserbrauerei und damit auch über ihre Vorfahren. Und einmal angesteckt von der alten Biertradition kamen die Dortmunder auf die Idee, das Kaiserbier wieder auf den Markt zu bringen.

In alten Stadtarchiven gesucht

Nach den Unterlagen der alten Brauerei wurden dort ein Export-Bier und das bekannte Dortmunder Adam-Bier hergestellt. „Wir haben uns dann entschieden, das Export wieder in den Umlauf zu bringen“, sagt Folker Hertel. Nur, wie? Eine eigene Brauerei wollten die beiden Brüder natürlich nicht extra gründen, also musste ein Brauort gefunden werden. „Wir haben uns gedacht, dass es vielleicht für den Bereich Brünninghausen und Hombruch von Interesse wäre, die Kaiserbrauerei wiederzubeleben“, sagt Folker Hertelt.

5,5 Prozent Alkohol wird das Bier haben, es wird in 0,33 Longneck-Flaschen abgefüllt, auf denen der letzte Briefkopf der Brünninghauser Brauerei zu sehen ist. Und das Export-Bier aus Brünninghausen kann schon bestellt werden. „Erst einmal nur per Mail“, sagt Folker Hertelt. Interessenten können also schon ordern unter kaiserbrauerei@hertelt.de

Offizielle Vorstellung am 11. Mai

Am 27. März wurde das neue Kaiserbier in einer Brauerei im Münsterland gebraut. Jetzt folgt eine Lagerzeit von vier Wochen, dann könnten die ersten Flaschen in Umlauf kommen. Obwohl die Hertelt-Brüder da eher ein ganz besonderes Datum im Hinterkopf haben: den 11. Mai. Dann wird es vonseiten des Hombrucher Geschichtsvereins eine große Veranstaltung geben , in deren Rahmen eine große Stele an der Stelle aufgestellt werden soll, an der die Brauerei einmal stand.

Dann wollen Folker und Ingo Hertelt auch das einzige Bier aus Brünninghausen den Bürgern vorstellen und damit auf den Gaumen der Hombrucher einen ganz neuen Geschmack von Heimat zaubern.

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