Zwei Konzerte an einem Tag: Thees Uhlmann und sein besonderer Besuch in Dortmund

rnKonzerte in Dortmund

Eigentlich sollte Thees Uhlmann am Mittwoch nur im ausverkauften FZW spielen. Doch dabei blieb es nicht. Wie es dazu kam und was das mit der Musikstadt Dortmund zu tun hat.

Dortmund

, 12.12.2019, 12:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fast drei Stunden Musik von einem Künstler an einem Tag – das gibt es auch in Dortmund nicht oft. Thees Uhlmann, in den späten 90er- und 00er-Jahren mit der Hamburger Band Tomte bekannt geworden und seit 2011 erfolgreich solo und als Buchautor unterwegs, hat am Mittwochabend im ausverkauften FZW gespielt.

Es war der Abschluss eines bemerkenswerten Tages, „den ich so schnell nicht vergessen werde“, wie der Künstler selbst sagt. Der Dezember-Nachmittag dämmert in den Abend hinein, als sich an der Gneisenaustraße eine Traube von Menschen bildet.

Gut 30 Dortmunder waren 24 Stunden vorher schnell genug und haben sich für 10 Euro eine Karte für einen Termin gesichert, der kurzfristig bekannt geworden war.

Spontankonzert im Gitarrenladen in der Dortmunder Nordstadt

Das Rockaway Beat, ein Gitarrenladen und subkultureller Treffpunkt in der Nordstadt, hatte „Ne Handvoll Songs mit Thees Uhlmann“ angekündigt. Mit einem „Moin. Ich bin übrigens nicht Bosse. Bis gleich“ begrüßt Thees die Wartenden, als er nach kurzem Soundcheck zum Rauchen rauskommt.

Mit dem Akustikkonzert unterstützt der Hamburger Musiker die Dortmunder Subkultur. Denn hinter dem Rockaway Beat steht der Verein „Rockaway Beatclub“, der Musikunterricht, ein Tonstudio und selbst organisierte „DIY-Konzerte“ in Dortmund fördert.

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Der Verein um das Künstler-Kollektiv „Stresz-Shows“ hatte Uhlmann angefragt. Der sagte Ja, „weil es ein toller Laden ist“ und er Lust auf zwei Konzerte an einem Tag hatte.

In kleiner Besetzung ruft er kurzerhand das „Danke für die Angst“-Trio ins Leben und singt circa 50 Zentimeter vom ersten Zuschauer entfernt Songs vom neuen Album „Junkies & Scientologen“ und den Tomte-Klassiker „Du bist den ganzen Weg gerannt“. Ein Hauch von Hamburger Szeneviertel weht durch Dortmund.

Persönliche Momente mit 1300 im FZW

Drei Stunden später steht Thees Uhlmann wieder auf der Bühne, nur einen knappen Kilometer vom Rockaway Beat entfernt. Diesmal ist der Abstand zum Publikum größer, dafür drängen sich 1500 in das ausverkaufte FZW.

Sie alle erleben einen Abend mit „Onkel Thees“. Denn so im allerpositivsten Sinne persönlich fühlt es sich tatsächlich an, wenn der 45-Jährige in seinen Songs und seinen Ansagen von einem Leben erzählt, das natürlich ein bisschen mehr Rock’n’Roll als das eigene, aber in vielen Dingen doch genauso normal ist.

Er erzählt vom Vatersein, von seiner Mutter, dazwischen aber auch auf seine eigene Weise über Feminismus und seine Freundschaft mit Ex-BVB-Profi Neven Subotic und die Bedeutung von dessen Stiftung.

Die Songs wiederum erzählen voller Melancholie auf verschiedene Weise vom Sehnen, von Fehlern und Erfolgen im Leben. In Bildern, wie sie nur von Thees Uhlmann kommen können.

„Das Leben ist kein Highway. Es ist die B73“, singt er dann. Er huldigt Stephen King. Oder schreit auf Punkrock-Gitarren-Läufe die Namen von Avicii, Katy Perry oder Jay-Z als Symbole für den Pop unserer Zeit heraus.

Die durchgeschwitzte Jeansjacke behält Thees Uhlmann bis zum Ende an

Die sechs Musiker haben an diesem Abend viel Energie. Die durchgeschwitzte Jeansjacke behält der Sänger bis zum Schluss an.

Als dritte Zugabe besingt die ganze Halle die „Schönheit der Chance“ wie damals in der Indie-Disco oder auf den Festivals von 15 Jahren.

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Die Wortwitzigen unter ihnen denken in diesen Momenten an die Zukunft. An das in 40, 50 Jahren hoffentlich erfundene Partyformat „Tanz Thees“. Wenn es uns dann immer noch gibt, denken sie, dann sind wir zusammen und hören eine Handvoll Songs von Thees Uhlmann. Oder mehr.

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