Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Zwei Mädchen haben ihre Haare für Krebspatienten gespendet

rnHaarspende

Zwei Mädchen aus dem Dortmunder Westen wollen Krebskranken helfen, die ihre Haare verloren haben. Dafür mussten sie aber erstmal selbst Haare lassen.

Kirchlinde

, 26.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Carina Meyer greift zur Schere: Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Drei gekonnte Schnitte später hält sie die ganze Haarpracht eines zwölfjährigen Mädchens in der Hand. Der alte Zopf ist ab. Rund 30 Zentimeter lang ist er und soll nun zur Fertigung einer Perücke genutzt werden. Linda Dresp (12) ist einen kleinen Moment lang irritiert als sie sich so sieht, mit plötzlich kurzem Haar.

Nur die Spitzen

Gemeinsam mit ihrer Freundin Mara Rückheim (11) lächelt sie in den Spiegel vor ihr. Die beiden sind stolz, denn sie haben über ein Jahr lang durchgehalten. Zum Friseur ging es in dieser Zeit nur sporadisch. „Nur die Spitzen wurden geschnitten“, berichtet Linda Dresps Mutter Anika. Sie hat die Idee ihrer Tochter aus voller Überzeugung unterstützt.

„Linda hatte einen Bericht im Fernsehen gesehen“, erinnert sie sich. „Es ging um Menschen, die in Folge einer Krebsbehandlung ihr Haar verloren haben und dass für sie Perücken aus Echthaar hergestellt werden. Spontan entschloss sich Linda: Dafür will ich auch Haare spenden“, berichtet ihre Mutter, während Lindas Freundin Mara bereits auf dem Friseurstuhl im Salon Hair Vision Platz genommen hat.

„In 16 Jahren noch nicht erlebt“

Kacmen Hyder, Inhaber des Geschäfts, war sofort bereit, bei der Aktion für den guten Zweck mitzumachen. Er lobt die Mädchen für ihr Engagement: „Ich mache diesen Job jetzt schon seit 16 Jahren“, berichtet er. „Aber solch eine Aktion habe ich bislang noch nicht erlebt.“

Inzwischen ist Maras Haar 30 Zentimeter kürzer. „Gefällt mir gut“, sagt sie und schüttelt die Mähne. Jetzt ist Linda an der Reihe. Zunächst wird ihr Haar gekämmt und dann mit mehreren Haarbändern ein Zopf gebunden. Noch einmal zücken Lindas Mutter und Friseurin Carina Meyer das Zentimetermaß. „Bitte nicht zu kurz“, wird es Linda kurz doch etwas mulmig. Dann zückt Carina Meyer zum zweiten Mal die Schere. Der zweite Zopf, 35 Zentimeter lang, ist ab.

Sieben Zöpfe werden gebraucht

In nächster Zeit soll aus dem Haar der beiden Mädchen eine Perücke entstehen. „Wir schicken das Haar dazu an eine Manufaktur“, berichtet Anika Dresp. Auch das hat ihrer Tochter ganz allein organisiert. Im Internet wurde sie auf „Haarspende.de“ aufmerksam. Dahinter verbirgt sich die Haarmanufaktur Rieswick in Nordrhein-Westfalen. Wundert man sich dort über zwei so junge Spenderinnen? „Nein, wir bekommen öfter auch von jungen Spendern Haare“, berichtet Yvonne Bus auf Anfrage dieser Redaktion.

Sieben Zöpfe, mindestens 25 Zentimeter lang, werden benötigt, um eine einzige Echthaarperücke herzustellen. Deshalb ist jede Haarspende willkommen. „Ob blond, schwarz, braun oder auch grau: jede Spende hilft“, betont Yvonne Bus. Übrigens werden auch kürzere Haare zwischen 15 und 25 Zentimetern genommen. Das dient dann zur Reparatur, wenn sich mal eine Strähne aus der Perücke löst. Auch hier gilt: Jede Haarfarbe ist willkommen, damit möglichst Perücken in jedem Haarton hergestellt werden können.

Nur Mara blieb übrig

Linda und Mara freuen sich, dass sie dabei helfen konnten. Die beiden Mädchen, die in Dorstfeld zur Schule gehen, das Reinoldus- und Schiller-Gymnasium und die Martin-Luther-King-Gesamtschule besuchen, haben sich beim ATV Dorstfeld kennengelernt, treiben gemeinsam Sport. „Im Verein habe ich auch für die Idee mit der Haarspende geworben“, berichtet Linda. Am Anfang haben einige mitgemacht, aber mit der Zeit sind außer Mara alle abgesprungen.

Jetzt sitzen die beiden Mädchen wieder in ihren Stühlen und lassen sich ihre neue Frisur verpassen. Ganz schön kurz ist ihr Haar nun, aber für einen winzigen Minizopf reicht es schon wieder. „Wartet ab, das wächst ganz schnell nach“, sagt Carina Meyer. Vielleicht ja für die nächste Haarspende.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt