Zwei Zivilbeamte brutal angegriffen und verletzt

Missundestraße/Bornstraße

Die Gewalt gegen Einsatzkräfte hat am Samstagabend eine traurige Dimension erreicht: Zwei Zivilbeamte der Polizei wurden in der Nordstadt brutal angegriffen. Die Polizisten hatten einen Autofahrer nur gebeten, seinen Wagen etwas vorzufahren - dann eskalierte die Situation völlig. Dortmunds Polizeichef kommentierte den Vorfall mit deutlichen Worten.

DORTMUND

12.02.2017, 14:55 Uhr / Lesedauer: 3 min
Zwei Zivilbeamte brutal angegriffen und verletzt

Hier spielte sich der Zwischenfall ab.

Eine harmlose Bitte mündete am Samstagabend an der Kreuzung Missundestraße / Bornstraße in eine brutale Attacke gegen zwei Zivilbeamte der Polizei.

Aber der Reihe nach: Wie die Polizei am Sonntag in einer Pressemitteilung schreibt, waren die beiden Zivilbeamten unterwegs zu einem Einsatz. Auf dem Weg dahin stand an der Missundestraße ein Auto im Weg. Der Zivilwagen der Polizei konnte nicht vorbei. Einer der beiden Zivilbeamten stieg daraufhin aus und bat den Fahrer, den Wagen ein bis zwei Meter vorzufahren.

Der Fahrzeugführer reagierte nach Angaben der Polizei auf die Bitte mit einem äußerst respektlosen und aggressiven Ton. Er beschimpfte die beiden Zivilbeamten (die sich bis dato noch nicht zu erkennen gegeben hatten) aufs Unflätigste, heißt es in der Mitteilung. Die beiden Beamten versuchten den Fahrzeugführer zu beruhigen und baten ihn erneut doch einfach sein Fahrzeug um ein paar Meter zu verrücken. Einer der beiden Beamten bewegte sich daraufhin zur Fahrertür und fragte nach dem Grund des Verhaltens. 

Der Beifahrer des Fahrzeugführers stieg aus, ging auf den Beamten zu und sagte zu ihm, "er solle sich verpissen und nicht auf die Idee kommen, den Wagen anzufassen." Der aggressive Fahrzeugführer, ein 19-Jähriger aus Dortmund, versuchte ebenfalls seine Fahrertür zu öffnen. Der Beamte der ausgestiegen war, versuchte beruhigend auf die beiden Aggressoren einzuwirken. Der Fahrer wurde jedoch noch aggressiver und drohte dem 27-jährigen Beamten damit, ihn "platt" zu machen. Er kletterte auf den Beifahrersitz und verließ über die Beifahrertür sein Auto.

Faustschläge gegen Polizisten

Genau in diesem Moment schlug der bislang unbekannte Beifahrer plötzlich auf den außerhalb des Streifenwagens stehenden Beamten ein. Auf Grund der Eskalation stieg der 28-jährige Teamkollege des attackierten Beamten aus und gab sich lautstark als Polizeibeamter zu erkennen, wie es im Polizeibericht heißt. Trotzdem habe der unbekannte Täter weiterhin auf den Beamten eingeschlagen. Zudem kam aus einem nahen Kiosk ein dritter Tatverdächtiger, ebenfalls ein 19-Jähriger aus Dortmund, und schlug mit auf den Beamten ein.

Auch der Fahrer zeigte sich unbeeindruckt und ging mit den Worten "Ihr sch.... Bullen" auf den zweiten Beamten, einen 28-jährigen zu. Sofort habe er begonnen, mit Fäusten auf diesen einzuschlagen. Dann ließ der 19-Jährige Tatverdächtige von diesem ab und rannte zu dessen 27-jährigen Kollegen.

Polizist lag am Boden - 19-Jähriger trat zu

Hier schlug man dann zu dritt auf den am Boden knieenden Beamten ein. Als der Polizist auf dem Boden lag, trat der 19-Jährige noch weiter auf ihn ein. Erst als dessen Streifenkollege seine Dienstwaffe zog, ließ der 19-jährige von ihm ab. Er flüchtete, gemeinsam mit dem Unbekannten in die Missundestraße. Nach circa 30 Metern machte der Dortmunder kehrt (sein Auto stand noch offen in der Straße), rannte an den Beamten vorbei in einen Kiosk. Hieraus kam er mit einem Baseballschläger zurück und ging auf die Beamten zu. Obwohl sich der 27-Jährige erneut als Polizist zu erkennen gab, holte der 19-Jährige mit dem Schläger aus.

Gleichzeitig erschienen immer mehr Menschen. Eine rund zehnköpfige Gruppe stellte sich hinter den Tatverdächtigen und forderten den 27-Jährigen Polizeibeamten auf, den 19-Jährigen in Ruhe zu lassen. Ohne irgendetwas von dem Sachverhalt mitbekommen zu haben, solidarisierte sich die Gruppe mit dem Tatverdächtigen.

Dritter Angreifer konnte flüchten

In der Zwischenzeit näherten sich mehrere Unterstützungskräfte. Als der aggressive 19-Jährige die herannahenden Martinshörner vernahm, übergab er den Baseballschläger einer Frau in dem Kiosk. Die beiden 19-Jährigen wurden festgenommen. Beide leisteten erheblichen Widerstand während ihrer Festnahmen. Der unbekannte Dritte konnte unerkannt flüchten.

Im Kiosk, vor dem sich der Vorfall am Samstagabend ereignete, wird der Verlauf anders geschildert. Vor dem Ecklokal hätten zwei Wagen nebeneinander gestanden. Als die Polizisten auftauchten, hätten die sich zunächst nicht als Polizisten ausgewiesen, stattdessen hätte dann einer der Polizisten eine Waffe gezogen und erst später einen Ausweis hochgehalten, den man nicht habe erkennen können. Dann sei die Situation eskaliert, die Polizisten seien von Anfang an sehr aggressiv gewesen. Man habe sich daher einen Anwalt genommen.

Ein Anwohner, der ein paar Häuser weiter wohnt, hatte am Samstagabend die vielen Polizeikräfte wahrgenommen. "Wenn du hier wohnst", so der Mann, "brauchst du keinen Fernseher."

Die beiden Zivilbeamten mussten zur ambulanten Behandlung in ein Krankenhaus. Beide waren durch die Attacken gegen sie nicht mehr dienstfähig. Die beiden 19-jährigen Tatverdächtigen mussten nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen gegen 21 Uhr wieder aus dem Gewahrsam entlassen werden.

"Wir als Polizei werden nicht akzeptieren, dass man unseren Anordnungen nicht Folge leisten will. Wir werden unsere Maßnahmen immer und überall in Stadt mit aller Konsequenz durchsetzen. Darauf sollten sich alle Tatverdächtigen einstellen", wird Polizeipräsident Gregor Lange in einer Mitteilung zu dem Vorfall zitiert. 

31 Angriffe gegen Notfallhelfer

Zahlen zu Übergegriffen auf Mitarbeiter im Öffentlichen Dienst gibt es weder bei der Polizei noch bei der Stadt. 31-mal sahen sich die Notfallhelfer der Feuerwehr im vergangenen Jahr Übergriffen von aggressiven Bürgern ausgesetzt. So viele Fälle seien zumindest dokumentiert, sagte Oliver Körner, Mitarbeiter der Feuerwehr-Pressestelle auf Anfrage.

Die SPD-Fraktion im Rat macht sich Sorgen um diese Beschäftigten, vor allem in publikumsintensiven Bereichen, und fordert mehr Schutz für sie. Die Feuerwehr-Gewerkschaft hat ein Video gegen die zunehmende Verrohung gedreht und ins Netz gestellt. Bei den Übergriffen gegenüber dem Feuerwehr-Rettungsdienst handelte es sich in einem Fall um Gewalt gegen Sachen, in 21 Fällen um körperliche Gewalt gegen Menschen, davon in zwei Fällen mit Gegenständen. Es gab zwei Verletzte und zehn Strafanzeigen. 

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