Das Profilanlegen geht bei Facebook Dating rasend schnell. Die neue App zieht sich Daten aus Facebook, die Nutzer aber auch ändern oder verbergen können. © Hornung
Singles in Dortmund und Unna

Facebook Dating: Singles zum Liken und Wegdrücken – ein Selbsttest

Seit rund einem halben Jahr ist die Dating App von Facebook in Deutschland freigeschaltet. Der Internetgigant will Tinder und Co. Konkurrenz machen. Offizielle Nutzerzahlen nennt er nicht.

„Wir stellen dir in Facebook Dating keine aktuellen Facebook-Freunde vor und benachrichtigen diese auch nicht, dass du dich angemeldet hast“, verspricht mir meine neue App. Da bin ich aber beruhigt. So manch einer dieser Facebook-Freunde hätte sich ob meiner Nutzung der neuen Dating-Funktion wohl arg gewundert. Lebe ich doch eigentlich nicht allein.

Trotzdem werden meine Redakteurskollegen und ich in den kommenden Wochen immer wieder in die Welt der Singles eintauchen – auch wenn diese nicht unbedingt unserer eigenen Lebensrealität entspricht. Über Facebook Dating habe ich gelesen, dass der Plattform Nutzer fehlen. Zahlen nennt das Unternehmen nicht. So bleibt mir nur der Sprung ins Ungewisse. Ich möchte herausfinden, ob die neue Anwendung Menschen aus Ruhrgebiet und Kreis Unna bei der Partnersuche helfen könnte.

Anmeldung

Ich nutze Facebook bereits als App auf dem Handy, muss im Menü der App lediglich „Dating“ auswählen – und schon bin ich fast drin. Facebook erklärt kurz und knapp die Spielregeln. Ich soll ehrlich sein, von mir selber aber auch nicht zu viel Preisgeben, auf Sicherheit und Privatsphäre achten. Auf dem Desktop scheint die Dating-Funktion nicht zu laufen, zumindest klappte es bei mir nicht. Also bleibe ich beim Handy.

Profil anlegen

Langes Profil-Ausfüllen kann ich mir sparen. Facebook greift auf einen Großteil meiner vorhandenen Daten zu – ich muss nur entscheiden, was die App übernimmt. Ich kann weitere Eigenschaften ergänzen. Wie groß bin ich? An was glaube ich? Rauche und trinke ich? Habe ich Kinder? Was sind meine Hobbys? Suche ich Männer, Frauen, oder alles? Tatsächlich bin ich ja nicht zur Partnersuche hier, lasse vieles offen, wähle aber trotzdem Männer als Zielobjekt, Musik und Sport als Hobbys – wohl wissend, dass das wohl kaum Alleinstellungsmerkmale sind.

Mehrere Wochen habe ich mich immer wieder mit Facebook als Single-Plattform auseinandergesetzt. Unterm Strich finde ich viele Gruppen und auch die offizielle Dating-App unkompliziert und ungezwungen. © Privat © Privat

Etwas unangenehm ist mir definitiv mein Jahre altes Profilbild mit der ollen Wollmütze. Abschreckend. Aber ein neues hochzuladen? Gerade keine Lust. Und bei Facebook stehe ich ja auch dazu.

Anwendung

Während ich noch überlege, ob ich meine Einstellung zur Religion doch besser verberge, vibriert das Smartphone mehrfach. Ich verlasse die Profilbearbeitung und stelle mit Erstaunen fest: Bin bereits „on air“. Und was da auf mich einprasselt wie dicke Regentropfen sind Likes von Männern. Dutzende binnen weniger Minuten. Balsam für die Seele, denke ich – aber sind die Menschen hier alle echt?

Ich möchte wissen, welchen Herren mein Profil gefällt. Eine Übersicht finde ich nicht. Ich kann meine Verehrer nur einzeln abarbeiten. Drücke ich aufs X, komme ich zum nächsten Single. Das ist irgendwie noch brutaler als das Swipen, das Konkurrent Tinder anbietet. Jeder Mann, den ich wegdrücke, tut mir irgendwie Leid. Im Supermarkt oder auf dem Konzert hätte ich mir wohl mehr Mühe mit einem Korb gegeben. Aber ich möchte ja wissen, woher die Männer kommen, ob sie zu mir passen – also muss ich da durch.

Facebooks Datingfunktion ist vor fünf Monaten in Deutschland gestartet – und sollte Tinder und Co. Konkurrenz machen. © picture alliance/dpa/PA Wire © picture alliance/dpa/PA Wire

Das westliche Ruhrgebiet ist stark vertreten, aber auch Singles aus Kamen, Bergkamen, Unna und Holzwickede sind mit dabei. Einige haben wie ich studiert, andere nicht. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass das Gros ein Kennenlernen wert wäre. Ähnlich verhält es sich mit den Vorschlägen der App für mich.

Zwar ist die Altersspanne weit gefasst, aber ich kann sie in den Einstellungen eingrenzen, genauso wie den Radius rund um meinen Wohnort. Einige Likes und Vorschläge erhalte ich von und zu Menschen, die einen ähnlichen Beruf ausüben, es gibt gemeinsame Freunde und Überschneidungen bei Interessen, die ich gar nicht bewusst angegeben habe.

Viele Likes, wenig Sternchen

So sehr ich mich bis zum nächsten Morgen insgeheim über weit mehr als 100 Likes freue: Von dieser Währung kann ich mir nicht viel kaufen. Besser sind Sternchen. Davon kann man nur drei am Tag vergeben – wenn man es wirklich erst meint.

Ich habe keine Sternchen bekommen. Dafür aber Nachrichten: Jemand schreibt, dass er mit mir gerne mal „einen Rauchen“ möchte. Ok… Ein Herr, der meine Sprache wohl gerade noch lernt, fragt holprig, was er tun muss, um mich als Frau zu haben. Das kann sich keiner ausdenken. Hier sind wohl viele Singles echt.

Kontaktaufnahme

Kevin, 31, aus Kamen gefällt mein Profil. Und seines sieht nach einem real existierenden, netten jungen Mann aus. Ich schreibe ihn an. Meine Anfrage fällt anders aus, als Kevin sich das wohl vorgestellt hat. Ich erkläre ihm meine Absichten und frage, ob er mir von seinen Erfahrungen mit der App berichtet. Kevin antwortet nicht. Das könnte auch daran liegen, dass ich mit meiner Frage aus Versehen sein Profilbild kommentiert habe. Glaube ich. Trotzdem sind Kevin und ich jetzt ein Match. Wir dürften uns richtig schreiben. Tun wir aber nicht.

Ein Like zurück reicht übrigens schon zum Matchen. Man kommt einfacher ins Gespräch als bei Tinder.

Fazit

Dass Facebook noch nichts Konkretes über Nutzerzahlen der Dating-App sagt, mag dafür sprechen, dass gewaltig Luft nach oben besteht. Ich zumindest konnte mich über Auswahl aber nicht beklagen. Das mag daran liegen, dass Dortmund und der Kreis Unna am Rande eines Ballungsgebiets liegen, in dem viele Menschen online auf Partnersuche sind. Toll ist auch, dass ich mich relativ anonym fühlen durfte. Und der ganze Service kostet nichts. Klar zahle ich mit meinen Daten. Aber das kennen wir ja schon – und nutzen Facebook trotzdem. Für alle Partnersuchende der Region ist Facebook Dating schnell eingerichtet, relativ unkompliziert – und einen Versuch absolut Wert. Mir werden Sie dort allerdings nicht mehr begegnen.

Über die Autorin
Redaktion Fröndenberg
Jahrgang 1988, aufgewachsen in Dortmund-Sölde an der Grenze zum Kreis Unna. Hat schon in der Grundschule am liebsten geschrieben, später in Heidelberg und Bochum studiert. Ist gerne beim Sport und in der Natur.
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Dagmar Hornung