Haus & Grund warnt vor Grundsteuer-Monstrum: „Es kann teuer werden“

Der Verband Haus & Grund warnt vor massiven Erhöhungen bei der Grundsteuer: Die Kommunen müssten ihre Hebesätze anpassen, wenn die Bundesländer ihre Berechnungsmodelle demnächst änderten.
Der Eigentümerverband Haus & Grund warnt die Kommunen davor, Grundstücksbesitzer zu stark mit Grundsteuer zu belasten. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

„Bald werden Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer persönlich erfahren, dass mit der Reform der Grundsteuer ein bürokratisches Monstrum erschaffen wurde.“ Diese klare Position bezieht der Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland.

„Elf Bundesländer haben sich für das Reformmodell von Bundesfinanzminister Scholz entschieden. Sie haben sich damit auch für mehr Bürokratie und höhere finanzielle Belastungen für ihre Bürger entschieden“, erläuterte Haus & Grund-Präsident Kai Warnecke kürzlich in Berlin.

Daten werden zum Stichtag 1. Januar 2022 erhoben

Die Kommunen hätten es allerdings letztlich in der Hand, dass es bei zusätzlicher Bürokratie bleibt und die Kosten nicht steigen. „Es ist an der Zeit, dass die Kommunen ihren Bürgern das Signal geben, die Hebesätze bei der Grundsteuer B so zu senken, dass die Belastungen im Durchschnitt der Kommune nicht steigen“, forderte Warnecke.

Die zusätzliche bürokratische Last ergebe sich aus den bekannt gewordenen Steuererklärungsformularen, mit denen die relevanten Daten zum Stichtag 1. Januar 2022 erhoben werden. „Da wird sich der eine oder andere Eigentümer die Augen reiben und auf Datenrecherche gehen müssen“, befürchtet der Verbandspräsident.

Grundsteuer wird spätestens ab 2025 neu berechnet

Spätestens ab 2025 wird die Grundsteuer in ganz Deutschland neu berechnet. Alle Bundesländer haben sich inzwischen für eine Berechnungs-Methode entschieden. Sie wenden entweder das vom Bundesfinanzministerium entwickelte „Bundesmodell“ an oder ein eigenes Modell.

Größter Unterschied: Das Bundesmodell erfordert eine komplette Neubewertung der Immobilie. Gerechnet wird dafür mit Bodenrichtwert, Grundstücksfläche, Immobilienart, statistischer Nettokaltmiete, Gebäudefläche und Mietniveaustufe. Steigende Bodenpreise könnten also ab 2025 vielerorts höhere Grundsteuerbewertungen auslösen, befürchtet der Hauseigentümerverband.

Für Baden-Württemberg gelte dies besonders: Abweichend vom Bundesmodell würden im Südwesten nur Grundstücksfläche und Bodenrichtwert für die steuerliche Bewertung herangezogen. Die Art der Bebauung sei unerheblich.

Alle anderen vom Bundesmodell abweichenden Länder verwendeten, so Haus & Grund, wertunabhängige feste Rechengrößen, berücksichtigten aber in begrenztem Umfang auch die Lage der Immobilie. Eine komplette Bewertung der Immobilie sei in diesen sog. „Flächenmodellen“ nicht erforderlich.

Hebesatz legen Kommunen weiter selbst fest

Für alle Bundesländer gelte: Die Höhe des Hebesatzes legen die Kommunen weiterhin selbst fest. Der Hebesatz der Gemeinde bestimme als Prozentsatz am Ende der Berechnung die tatsächliche Höhe der zu zahlenden Grundsteuer.

Haus & Grund stellt einen Rechner zur Verfügung, in dem der Hebesatz des Wohnortes eingegeben und variiert werden kann.

„Passt die Gemeinde ihren Hebesatz nicht der neuen Berechnungsmethode des Bundeslandes an, kann es zu massiven Grundsteuererhöhungen kommen“, warnt die Interessenvertretung der Haus- und Grundstücksbesitzer.

Der Grundsteuerrechner zeige, dass es für Eigentümer in Bayern, Hamburg, Hessen und Niedersachsen nicht gar so bürokratisch werde, da sich diese Länder für einfache Flächenmodelle entschieden hätten.