Die Preise für Häuser sind in Dortmund im letzten Jahr stark gestiegen. (Symbolfoto) © Kevin Martin Jose | unsplash.com
Immobilienmarkt

Secret Sales: Was der diskrete Häusermarkt Verkäufern und Käufern bringt

Für die erfolgreiche Suche nach dem Wunschhaus ziehen Käufer viele Optionen bis hin zur ausgelobten Belohnung. Makler werben derzeit wieder oft mit „Secret Sales“ – doch was bringt der diskrete Markt?

„Secret Sales“ richtet sich als Verkaufskanal zunächst einmal eigentlich an die Eigentümer von Immobilien. Die Privatsphäre werde damit geschützt, wie viele Maklerportale erklären. Auch die „extrem hohe Nachfrage“ sei ein Motiv, seine Immobilie unter der Hand loszuschlagen, erläutert Joerg Utecht vom IVD West.

»Hausverkäufer wollen vermeiden, dass Interessenten in ihren Vorgärten Schlange stehen.«

Joerg Utecht, Immobilienverband IVD West

Der Pressesprecher des Immobilienverbandes, in dem sich Immobilienmakler, Sachverständige und Immobilienverwalter zusammengeschlossen haben, spricht bei „Secret Sales“ von einem „Wiedergängerthema“.

Tatsächlich werbe die Branche immer mal wieder offensiv mit der besonders vertraulichen Vermittlung von Wohnhäusern oder Eigentumswohnungen. Zwei Gründe vermutet Utecht, warum aktuell stark mit Diskretion geworben wird.

Bei Luxusimmobilien ist Diskretion besonders gefragt

Zwar sei seit zehn oder sogar 15 Jahren die Nachfrage nach Immobilien wesentlich höher als das Angebot. Diese Lage spitze sich aber zu. „Verkäufer werden überrannt“, sagt Utecht. Viele wollten schlicht vermeiden, „dass Interessenten in ihren Vorgärten Schlange stehen“. Sie inserierten daher nicht öffentlich, sondern ließen sich in Kundenkarteien der Makler aufnehmen.

Gehe es um Luxusimmobilien, herrsche ohnehin eine große Diskretion vor, weiß Marion Kappenstein. „Man will es nicht an die große Glocke hängen, dass verkauft werden soll“, sagt die Maklerin aus Fröndenberg.

Werde ein Bild in den einschlägigen Portalen veröffentlicht, könne das Haus gerade in kleineren Städten schnell identifiziert werden „und die Nachbarn fragen sich: Was ist denn da los?“, so Kappenstein – Spekulationen über die Motive, wenn ein Haus verkauft wird, schössen schnell ins Kraut.

Secret Sales ändert nichts an angespanntem Markt

Mache man dann noch in einer Bildergalerie das wertvolle Interieur des Anwesens für alle öffentlich, „haben sie schlimmstenfalls auch noch eine ganz andere Klientel angelockt“, gibt die Immobilienmaklerin zu bedenken.

„Secret Sales“ werde allerdings nicht nur für Villen, sondern wegen des angespannten Marktes auch für das klassische Reihenhäuschen in Anspruch genommen, sagt Joerg Utecht. Inserate und selbst Gespräche in kleinem Kreis würden oft vermieden. „Wenn Sie von Verkaufsabsichten auch nur im Sportverein erzählen, verbreitet sich so etwas wie ein Lauffeuer.“

Verbirgt sich daher für interessierte Käufer ein großes Potenzial von Wunschimmobilien hinter dem Verkaufskanal „Secret Sales“? Joerg Utecht winkt ehrlicherweise ab: Ein großer Markt verberge sich dahinter nicht. Wer aber händeringend suche, habe eben eine weitere Option und vielleicht sogar Erfolg, wenn Makler ihre diskreten Angebote mit dem Suchprofil der Kaufinteressenten abgleichen.

Nicht mehr die Lage, sondern Infrastruktur bestimmt den Preis

Ohne Neubau bleibe der Immobilienmarkt eben weiter eng. Daher verspreche er sich Entspannung vielmehr durch das neue Baulandmobilisierungsgesetz, das sich besonders an die Kommunen richtet.

Auch wenn insgesamt zu wenig Bauland ausgewiesen werde, weil vor allem Genehmigungsprozesse zu lang seien, sehe er als Vertreter der Maklerbranche ungebremstes Bauen jedoch kritisch.

„Kommunen müssen sich um Nachhaltigkeit sorgen“, findet Utecht. Die Aktivierung von Brachflächen oder der Lückenschluss in bestehenden Siedlungen seien großflächiger Versiegelung allemal vorzuziehen.

Ganz gleich, auf welchem Wege Kaufwillige am Ende zu ihrem Haus kommen, sei jedenfalls eine alte Maklerregel überholt: Die Lage bestimme nicht mehr den Preis. „Das hat sich gewandelt. Die Infrastruktur bestimmt den Preis“, sagt Joerg Utecht. Schnelles Internet am Wohnort etwa – und das ist bei einer Bestandsimmobilie in schöner Lage, die diskret veräußert wird, womöglich gerade kein Pluspunkt.

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Redaktion Fröndenberg
Geboren 1972 in Schwerte. Leidenschaftlicher Ruhrtaler. Mag die bodenständigen Westfalen. Jurist mit vielen Interessen. Seit mehr als 25 Jahren begeistert an lokalen Themen.
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Marcus Land

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