21-jähriger Lebenstein-Nachfahr besuchte Haltern

Student aus den USA

Auf dem Schulhof der Alexander-Lebenstein-Realschule steht ein junger Mann aus den USA und betrachtet den Schriftzug an dem Gebäude. Fast schon ehrfürchtig steht er da. Der Name der Schule ist der eines Mannes, der ihm sehr am Herzen lag. Der Student sagt über Lebenstein: „Er war für mich wie ein eigener Großvater.“

HALTERN

, 27.03.2017, 13:13 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gav Binshtok (21) ist ein Verwandter von Alexander Lebenstein. Gavs Oma ist Lebensteins Nichte. Georg Nockemann empfing ihn für einen Tag in Haltern.

Gav Binshtok (21) ist ein Verwandter von Alexander Lebenstein. Gavs Oma ist Lebensteins Nichte. Georg Nockemann empfing ihn für einen Tag in Haltern.

Der Besucher ist der 21-jährige US-Amerikaner Gav Binshtok. Eigentlich heiße er Gavriel, ihn nennen aber alle Gav, sagt er. Aus der Stadt Richmond im US-Ostküsten-Staat Virginia komme er. In diesen Ort zog der jüdische Holocaust-Überlebende Alexander Lebenstein im Jahr 1947, Gavs Großmutter ist die Nichte des Halterner Ehrenbürgers. Viel Zeit habe er als Kind mit Lebenstein verbracht, sagt Gav auf Englisch: „We were family“, also „Wir waren eine Familie“.

Bei vielen Veranstaltungen, bei denen Lebenstein über das Gräuel sprach, das ihm in der Nazizeit in Deutschland widerfahren ist, war Gav Binshtok dabei und lauschte. „Besonders authentisch und intim“ sei das für ihn gewesen. 13 Jahre alt war der Junge, als Alexander Lebenstein 2010 starb und er hat wie so viele Menschen, die ihn kannten, nur die besten Worte für ihn: „Ich fühle mich geehrt, ihn so gut gekannt zu haben“, sagt Gav.

Inzwischen studiert der 21-Jährige und macht seit Januar ein Auslandssemester in Spanien. Eine Europa-Rundreise über Paris und Amsterdam nutzt er, um für ein paar Stunden zu sehen, wo seine Wurzeln liegen: in Haltern. Seiner Oma erzählte er von der geplanten Reise und die aktivierte ihre engen Kontakte nach Haltern. Georg Nockemann, damals Mitarbeiter der Stadtverwaltung, war es, der Alexander Lebenstein 1995 bei seinem ersten Besuch vom Flughafen abholte. Und jetzt holte er zusammen mit seiner Frau, der ehemaligen Realschullehrerin Erika Nockemann, den Groß-Groß-Neffen am Bahnhof ab.

Gavs ganz persönliche Haltern-Führung brachte ihn zur Realschule, zum Waggon auf dem Schulhof, zu den Stolpersteinen, die an verfolgte und ermordete Familien erinnern und ans alte Familienhaus am Disselhof. Er traf Bürgermeister Bodo Klimpel und kam mit unserem Zeitungsredakteur auf dem Weg zufällig ins Gespräch. „Und wir waren im Hotel am Turm, wo Alex immer abstieg“, sagt Georg Nockemann etwas nachdenklich, in seiner Stimme hört man viele Erinnerungen durchschimmern.

Sehr interessant und berührend sei der Tag in Haltern für ihn gewesen, sagt Gav. Vor allem der Besuch des alten Wohnhauses der Familie. Alexander Lebenstein und auch schon dessen Vater wurden dort geboren. Generell sei Haltern „a beautiful town“, ein wirklich schöner, sehr sauberer Ort, sagt Gav. Viele Fragen hat er zur Stadt und zur Umgebung, außerdem hat er angefangen, Deutsch zu lernen. „Ich fühle mich mit der Stadt verbunden“, sagt Gav Binshtok. 

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