Geht es direkt ins Studium oder in eine Ausbildung oder wird erst einmal um die Welt gereist? Wir haben 25 Abiturienten und Abiturientinnen aus Haltern am See befragt.

von Lena Gerken

Haltern

, 31.07.2019, 16:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Abitur ist in der Tasche und jetzt wird erstmal gefeiert. Die Frage die sich dann für die Abiturienten und Abiturientinnen stellt ist: Wie geht es weiter?

Heutzutage gibt es nach dem Schulabschluss viele verschiedene Wege, die man einschlagen kann. Einige haben schon seit Jahren ein Ziel vor Augen und machen beispielsweise direkt mit einem Studium weiter. Andere Abiturienten wollen lieber etwas Praktisches wie eine Ausbildung machen, nachdem sie jahrelang zur Schule gegangen sind.

Für viele, die nicht wissen, was sie nach dem Schulabschluss machen wollen, besteht die Option ein „Gap-Year“ (freies Jahr) einzulegen, bei dem man sich zwischen vielen verschiedenen Möglichkeiten in Deutschland aber auch im Ausland entscheiden kann. Work and Travel, ein Au-pair-Jahr oder doch ein FSJ (Freiwilliges Soziales Jahr) sind möglich.

Wo geht der Trend hin?

25 Abiturienten wurden befragt und das sind ihre Pläne für die nächsten Jahre:

Ein Gap Year wird immer beliebter

Ob persönliche oder berufliche Weiterentwicklung: Ein Gap Year im Ausland oder ein Freiwilliges Jahr in Deutschland bringt viele Vorteile mit sich. Immer mehr Studenten und Schüler legen ein Gap Year ein, aus verschiedenen Gründen. Manche wollen ihre Sprachkenntnissse verbessern, berufliche Qualifikationen sammeln oder eine neue Kultur entdecken. Andere brauchen einfach mal eine Auszeit vom Alltag, um vielleicht auch ihren Platz in der Welt zu finden oder sich persönlich weiter zu entwickeln.

Meike (18) reist mit Work and Travel durch die Welt

Meike Hovenjürgen (18) kommt aus Haltern, hat vor wenigen Wochen ihren Abschluss am Max-Born-Berufskolleg in Recklinghausen gemacht und jetzt liegt eine spannende Zeit vor ihr. Sie wird ab September für mehrere Monaten viele verschiedene Länder bereisen, darunter Neuseeland und Bali, um dort zu arbeiten.

„Ich möchte das machen, weil ich ein Jahr frei brauche. Nach den ganzen Abiturprüfungen sofort wieder mit einem Studium weiter zu machen, kommt für mich nicht in Frage. Auch habe ich Angst davor, für immer hier zu sein und nur Europa zu sehen.“ Stattdessen will Meike neue Orte sehen, unabhängig leben und auch neue Menschen kennenlernen, bevor sie mit einem Studium beginnt oder in einen Beruf einsteigt.

Bali, Neuseeland, Australien und Singapur

„Ich fliege zuerst nach Bali für zwei Wochen und von da aus fliege ich dann nach Neuseeland. Dort bleibe ich für etwa fünf Monate und werde dort arbeiten“, sagt Meike. Anschließend geht es noch mit dem erarbeitetem Geld nach Australien und Singapur. „Ich bin sehr nervös, weil es schon ungewohnt ist, wenn man nicht weiß, wo es genau hingeht.“ Meike wird aber nicht alleine reisen, sondern in Begleitung einer Freundin und gemeinsam wollen sie sich ein Auto kaufen, um darin zu wohnen und herumzureisen.

„Ich möchte die Freiheit haben, jeden morgen aufzustehen und irgendwoanders hinfahren zu können, je nachdem, wo es mich hinzieht“, sagt die Abiturientin. Außerdem will sie selbstständig und unabhängig von anderen leben und ihre Englischkenntnisse verbessern. Auch wenn sie erst einmal für etwa sieben Monate die Welt bereisen wird, hat sie schon Pläne für danach. Beworben hat sie sich bei der Polizei, wenn das aber nicht klappen sollte, wird sie erst einmal studieren.

Laura (20) engagiert sich im BFD (Bundesfreiwilligendienst)

Auch Laura Bressin (20) kommt aus Haltern am See und hatte sich entschlossen, nach ihrem Abschluss 2018 am Herwig-Blankertz-Berufskolleg, ein Jahr Pause vom Lernen und Schulstress zu nehmen. „Ich wusste eigentlich schon ziemlich lange, was ich nach dem Abi machen wollte“, sagt Laura.

25 Halterner Abiturienten verraten, was sie nach ihrem Abschluss vorhaben

Laura Bressin (20) machte nach ihrem Abschluss 2018 ein BFD in Haltern am See. © Lena Gerken

Jedoch hatte sie zu diesem Zeitpunkt keinen Führerschein, der für ihren Berufswunsch sehr von Vorteil gewesen wäre. „Da ich die Zeit nach meinem Abschluss nutzen wollte, entschied ich mich für den BFD, um auch schonmal einen Einblick ins Berufleben zu bekommen und mein eigenes Geld zu verdienen“, so die Abiturientin.

Mit dem verdienten Geld finanziert sie sich jetzt den Führerschein. Zwischen August 2018 und Juli 2019 hat sie jeweils von Montag bis Freitag in Haltern an der Alexander-Lebenstein-Realschule und in Hullern acht Stunden am Tag gearbeitet. Ihre Aufgabe war die Begleitung eines Kindes im Schulalltag.

„Auf Dinge einlassen, die ich nicht einschätzen konnte“

„Das Jahr hat mich gelehrt, mich auf Neues einzulassen, auf Dinge, die ich vorher nicht wirklich einschätzen konnte. Ich habe gelernt, in stresssigen Situationen den Überblick zu bewahren und ruhig zu bleiben. Außerdem lernte ich, keine Vorurteile gegenüber Dingen oder Personen zu haben, von denen ich keine Ahnung habe. Man sollte sich einfach auf die Situation einlassen und gucken was geschieht“, sagt sie.

Während ihrer Zeit an der Schule hat sie eine Vertrauensbasis zu dem vorher unbekanntem Kind aufgebaut und neue Freundschaften geschlossen. „Ich finde, das Jahr war sehr lehrreich für mich, da ich auch viel über mich gelernt habe“, so Laura. Für sie ist das Jahr jetzt rum und am 1. August beginnt ihre Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin.

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