Abgestürzte Segelflugzeuge hatten keine Rettungssysteme an Bord

rnFlugaufsicht berichtet

Durch die Luftfahrt darf keine Gefahr für Dritte entstehen. Dafür soll die Luftaufsicht der Bezirksregierung Münster sorgen. Beim Flugzeugunglück in Sythen waren die Experten im Einsatz.

Sythen

, 16.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die beiden Piloten, die am Samstag beim Absturz zweier Segelflugzeuge in Haltern-Sythen ums Leben kamen, waren am Flugplatz Borkenberge nicht bekannt. Die 25 und 29 Jahre alten Niederländer waren an zwei Flugplätzen - in Soesterberg und in Lemelerveld - in den Niederlanden gestartet. Eine Landung in Borkenberge hatten sie nicht geplant. „Bei den Flugzeugen handelte es sich um fremde Segelflieger bei einem Überlandflug“, erklärte Jürgen Hahne von der Borkenberge-Gesellschaft, die den Verkehrslandeplatz betreibt.

Über die Unglücksursache wollte Hahne, der selbst Segel- und Motorflugzeuge fliegt, nicht spekulieren. Bei Segelfliegern werde stets auf Sicht geflogen, führte er aus. Sehr häufig allerdings sind die Flieger mit Kollisionswarngeräten ausgestattet. Nähert sich ein anderes Fluggerät bis auf wenige Kilometer, lösen sie Alarm aus.

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Auch von der Luftaufsicht der Bezirksregierung Münster waren Mitarbeiter vor Ort. © Ingrid Wielens

Unklar ist, ob die niederländischen Segelflugzeuge entsprechend ausgerüstet waren. Wie Marcus Müller von der Luftaufsicht der Bezirksregierung Münster berichtete, seien die Geräte in Deutschland im unkontrollierten Luftraum, der sich vom Boden bis etwa 840 Meter Höhe erstreckt, keine Pflicht.

Suche nach Rettungssystemen

Müller hatte an jenem Unglückstag Bereitschaftsdienst. Über die Rettungsleitstellen sei die Luftaufsicht informiert worden. „Wir haben umgehend zwei Kollegen in Marsch gesetzt“, erklärte er. Vor Ort habe die Luftaufsicht sich zunächst ein Bild von dem Geschehen gemacht. „Es muss auch geprüft werden, ob sich ein Rettungssystem an Bord befindet und entschärft werden muss.“ Gemeint sind Rettungsraketen oder -fallschirme, mit denen Ultraleichtflugzeuge im Notfall zu Boden schweben können. Bei den verunglückten Segelfliegern habe es kein Rettungssystem an Bord gegeben. „Bei solchen Flugzeugen gibt es auch keine Flugschreiber wie bei großen Maschinen“, erklärte Müller weiter. Funk dagegen gebe es. Auch über Sitzfallschirme verfügen Segelflieger-Piloten. Einer der jungen Männer hatte noch versucht, seinen Fallschirm auszulösen.

In ständigem Kontakt mit Flugplatz Borkenberge

Mit der Flugleitung des zwei Kilometer entfernten Flugplatzes Borkenberge stand die Luftaufsicht am Samstag nach Müllers Aussage während der Einsätze der Hubschrauber in ständigem Kontakt. So hatte unter anderem ein Polizeihubschrauber mit einer Wärmebildkamera nach möglichen weiteren Opfern gesucht. Müller: „Wir haben uns gegenseitig informiert.“ Anfliegende Flugzeuge seien von der Flugleitung des Verkehrslandeplatzes entsprechend eingewiesen worden. Wie Jürgen Hahne erklärte, habe sogar ein vorübergehendes Flugverbot in Borkenberge gegolten.

Die Luftaufsicht verständigte auch die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung. Diese hatte noch am Samstag die Ermittlungen zum Unfallhergang übernommen.

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