Silke Kahla ist stellvertretende Leiterin der Zentralen Aufnahme im St. Sixtus Hospital. © KKRN GmbH
Coronavirus

Alltag in Notaufnahme: Jeder Patient wird behandelt, als hätte er Corona

Der Arbeitsalltag im St. Sixtus Hospital hat sich seit Corona gewandelt. Silke Kahla arbeitet in der Zentralen Aufnahme, sie erzählt von Schnelltests und überraschenden Ergebnissen.

Silke Kahla ist stellvertretende Leiterin der Zentralen Aufnahme im St. Sixtus Hospital in Haltern. Seit 2012 arbeitet die examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin in der Notaufnahme.

Corona, sagt sie, „bedeutet einen großen Aufwand für das ganze Haus“. „Wir behandeln alle Menschen, die zu uns kommen, grundsätzlich erst mal so, als hätten sie Corona“, erklärt die 48-Jährige.

Das bedeutet, dass an der Anmeldung, jeder, der ins Krankenhaus will, auf Symptome abgefragt und die Temperatur genommen wird. In der Selbstauskunft kreuzen die Besucher und Patienten an, ob sie Symptome haben: das können Halsschmerzen sein, Abgeschlagenheit, Fieber, Geschmacksverlust, Magen-Darm-Beschwerden.

Bei nur einer Zustimmung wird ein Schnelltest gemacht.

Besuchsverbot: Wer trotzdem ins Krankenhaus muss, lässt sich „abstreichen“

Wenngleich momentan ein striktes Besuchsverbot gelte, würden Ausnahmen, etwa Angehörige von Sterbenden, zugelassen. Vorher werden die Personen aber „abgestrichen“, wie Silke Kahla den Schnelltest nennt.

Sie führt regelmäßig solche Tests durch. Während sie in der Zentralen Aufnahme generell mit FFP2-Maske unterwegs ist, werden beim „Abstreichen“ die Schutzmaßnahmen noch weiter erhöht.

Dann zieht sich Silke Kahla ein Haube über den Kopf, setzt sich eine Schutzbrille auf, tauscht die FFP2- gegen eine FFP3-Maske und trägt Handschuhe. „Wir müssen die Schutzausrüstung bei jedem Patienten, den wir testen, erneuern.“

Patienten sieht man Covid-19-Erkrankungen nicht immer an

Bei Notfällen, wo ein Schnelltest wertvolle Zeit kosten würde, arbeitet das medizinische Personal grundsätzlich mit dieser Schutzausrüstung. Dass man den Patienten eine Covid-19-Erkrankung nicht immer ansehen kann, hat Silke Kahla selbst miterlebt.

„Eine 18-Jährige kam zu uns wegen einer Blinddarm-OP. Vorher haben wir routinemäßig einen PCR-Test gemacht. Das Mädchen war wirklich fit, abgesehen von den Bauchschmerzen“, erzählt die Gesundheits- und Krankenpflegerin. Das Ergebnis war deshalb umso überraschender: Corona positiv.

Der Weg in die Fachabteilung führt über die Screening-Station

Die PCR-Tests ordnet das Krankenhaus bei denen an, die stationär aufgenommen werden. „Elektive“, also geplante Eingriffe, werden so koordiniert, dass die Patienten zwei Tage vor der Aufnahme einen Coronatest machen, ab dem Moment in häuslicher Quarantäne bleiben und zum geplanten Termin ins Krankenhaus kommen.

Kommen Patienten über die Notaufnahme auf die Station, werden sie zunächst auf eine Screening-Station gebracht. Dort warten sie maximal 24 Stunden auf ihr Ergebnis. Ist es negativ, werden sie in die Fachabteilung verlegt.

Im Schnitt bis zu 70 Patienten täglich in der Notaufnahme

Wahre Helden sind nicht nur auf der Intensivstation, sondern auch auf allen anderen Stationen und in der Zentralen Aufnahme – dort hat sich der Berufsalltag ebenfalls gewandelt: „Im Durchschnitt kommen 60 bis 70 Patienten am Tag. Wenigstens 60 Prozent von denen müssen abgestrichen werden.“

Hinzu kämen die Begleitungen und Besucher, die nicht verstehen können, warum sie nicht ins Haus dürfen. „Da stößt man schon mal auf Unverständnis.“

„An den Grenzen der Belastbarkeit“

Während sich bei der ersten Welle deutlich weniger Menschen in die Notaufnahme getraut hätten, sei das nun anders. „Damals konnten wir gut Überstunden abbauen“, erinnert sich die 48-Jährige. Jetzt sei es so, dass sie nach dem regulären Dienst noch zusätzlich im Testzentrum bei der Abnahme von Abstrichen aushelfe.

Die wirkliche Mehrarbeiten leisteten aber ihre Kolleginnen auf den Stationen mit Covid-Fällen. „Die sind an der Front und arbeiten an den Grenzen der Belastbarkeit.“

Für die Zeit um den Jahreswechsel geht sie davon aus, dass es ruhiger wird in der Aufnahme als üblich. „Die Knaller-Unfälle an Silvester werden sicherlich wegfallen, weil Feuerwerke ja untersagt sind.“

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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