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Stadt lehnt neue Ampelmännchen in Haltern ab - der Grund ist überraschend

rnRömer und Bergmann

Der Römer mit Helm, Schild und Lanze oder der Kumpel von untertage sollen, wenn es nach Wunsch der SPD geht, als Ampelmännchen den Verkehr in Haltern regeln. Die Stadtverwaltung rät ab.

Haltern

, 14.06.2019 / Lesedauer: 3 min

In Friedberg leiten Elvis-Presley-Ampeln die Fußgänger über die Straße (der Sänger war dort von 1958 bis 1960 als Soldat stationiert), in Mainz leuchten Mainzelmännchen-Ampeln, in Mülheim schalten die Bergleute von Grün auf Rot und umgekehrt, in Augsburg tut das Kasperle und in Hamburg gibt es sogar schwule Ampelmännchen. Doch Haltern wird den Trend, Ampeln mit neuen Motiven auszustatten, wohl nicht mitmachen. Das liegt aber weniger an der Stadt als an übergeordneten Behörden.

Die SPD hatte den Antrag gestellt, das gängige Eurosymbol an ausgewählten Standorten durch Bergmänner und Römer auszutauschen. So könne der wartende Fußgänger an der Ampel ins Nachdenken kommen - nämlich über die Stadthistorie. Dieser Antrag steht nun in zwei Ausschüssen (Bauen und Verkehr/ Schule, Sport, Kultur) zur Diskussion. Die Verwaltung schlägt vor, den Antrag abzulehnen.

Stadt besitzt keine einzige Ampel

Das tut sie vor einem besonderen Hintergrund. „Der Stadt gehört nicht eine einzige Ampel“, erklärt Holger Korf vom städtischen Ordnungsamt. An keiner Gemeindestraße in Haltern-Mitte oder in den Ortsteilen regelt eine sogenannte Lichtzeichen-Anlage Fußgänger-, Rad- oder Autoverkehr. Alle Ampeln stehen an Kreis-, Landes- und Bundesstraßen, Eigentümer sind folglich der Kreis Recklinghausen sowie der Landesbetrieb Straßen NRW.

„Aus Sicherheitsgründen werden wir in ganz Nordrhein-Westfalen neuen Ampelsymbolen nicht zustimmen“, erklärte auf Nachfrage Frank Hoffmann, Sprecher bei Straßen NRW. In Haltern auch nicht. Hier gehören dem Landesbetrieb 38 Ampeln. „Die Symbole müssen für jeden eindeutig und erkennbar sein“, betont Frank Hoffmann. Soweit die Stadt dennoch abweichende Ampelmännchen installieren lasse, müsse sie für mögliche Schäden haften. Straßen NRW beruft sich bei der Ablehnung auf einen Erlass des NRW-Verkehrsministeriums.

Das tut auch der Kreis Recklinghausen. Ihm gehören fünf Ampeln in Haltern. „Weil wir sicherheitstechnische Bedenken haben, lehnen wir grundsätzlich jede Veränderung ab“, erklärt Kreissprecher Jochem Manz. Man wolle nicht in eine Grauzone gezogen werden. Außerdem sei es bedenklich, eine Vielfalt an Symbolen zuzulassen, das führe zu einem Durcheinander.

Kommune muss haften

Die Straßenverkehrsordnung (StVO) sieht in ihren Richtlinien für Lichtsignalanlagen vor, dass die Verkehrsregelungen für alle auf den ersten Blick klar zu erkennen sein müssen. So sind grundsätzlich neben den konventionellen nur die aus der DDR bekannten Ost-Ampelmännchen im deutschen Straßenverkehr zulässig. Für alle anderen Motive gelten Sondergenehmigungen. Bei einem Unfall muss die jeweilige Kommune haften.

Warum ist in anderen Städten möglich, was in Haltern nicht sein soll? Weil die Ampeln an Gemeindestraßen stehen. So hat die Stadt Recklinghausen an vier Standorten und die Stadt Gladbeck an zwei Standorten die Symbole geändert. Das kostet im Schnitt knapp über 400 Euro pro Ampel. Denn nicht nur die Schablonen schlagen finanziell zu Buche, sondern auch die Lizenzgebühren für den Entwickler des Symbols.

Ein Thema mit viel Freude

Was seitens der Stadt in Haltern nicht möglich ist, hat in Bergkamen viel Freude bereitet. Bergkamens Erster Beigeordneter Dr. Hans-Joachim Peters sagte nach entsprechendem Ratsbeschluss, in seinen drei Jahrzehnten als Beigeordneter habe er selten ein Thema mit so viel Freude bearbeitet wie das der Ampelmännchen mit Lokalkolorit. In Bergkamen gibt es die ersten Römer als Ampelmännchen.

Kommentar

Warum sollte das Warten an der Ampel Spaß machen?

Das wird wohl nichts mit alternativen Ampelmännchen in Haltern. Stellen Sie sich auch mal vor, der Kreativität würden Tür und Tor geöffnet, wohin würde das nur führen? Dass die Menschen träumend stehen bleiben und nicht mehr über die Straße gehen? Dass sie sich möglicherweise bestes unterhalten fühlen und das Warten an der Ampel gleich vielmehr Spaß macht? Nein, es gibt diese regulierenden Spaßverderber – die Richtlinien, die auf viel Papier geschrieben stehen. Wie ein Ampelmännchen auszusehen hat, hat die Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen mit Sitz in Köln schließlich genau definiert. Wer diese Regeln verlässt, riskiert möglicherweise ein juristisches Nachspiel. Zwar hat Verkehrsminister Hendrik Wüst grundsätzlich Ampelmännchen mit lokalem Bezug erlaubt, wenn es nicht zu einer Gefährdung von Verkehrsteilnehmern kommt. Kreis und Landesbetrieb bleiben lieber hinter dem offiziellen Erlass in Deckung. Und Haltern hat als Nichtbesitzer von Ampeln eine leichte Argumentation.
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