Anklage wegen Messerstichen am Lorenkamp

Flüchtlingsunterkunft

15 Monate ist die Tat her, erst jetzt wurde sie öffentlich. In der kommenden Woche steht ein Bewohner einer Halterner Flüchtlingsunterkunft vor Gericht, weil er einen anderen Mann mit einem Messer angegriffen haben soll. Wir haben uns umgehört, warum der mutmaßliche versuchte Totschlag so lange unbekannt blieb.

HALTERN

, 20.04.2017, 06:02 Uhr / Lesedauer: 2 min
Anklage wegen Messerstichen am Lorenkamp

In der Flüchtlingsunterkunft am Lorenkamp eskalierte im Januar 2016 ein Streit.

Aktualisierung Donnerstag 15.03 Uhr:

Oberstaatsanwältin Birgit Jürgens erklärt auf Anfrage, dass der Fall erst beim Amtsgericht in Marl behandelt worden sei. Der Akte, die ihr vorliegt, seien nicht viele Informationen zu entnehmen - es sehe aber so aus, dass die Tat zunächst als einfache Körperverletzung angesehen wurde. Deshalb gab es wohl damals keine Pressemitteilung. Im Laufe der Ermittlungen sei dann erst der Verdacht eines versuchten Totschlags aufgekommen. Seit November sei der Beschuldigte in Haft.

Bei der Kreispolizei ist der Fall aktuell als versuchtes Tötungsdelikt vermerkt, sagt Ramona Hörst: "Es kann aber durchaus sein, dass das im Laufe der Ermittlungen umgewidmet wurde." 15 Monate nach der Tat gestaltet sich eine Klärung des Sachverhalts also schwierig. Der Geschädigte ist Birgit Jürgens zufolge heute 27 Jahre alt, und "es sieht ganz danach aus, dass es sich um einen Bewohner der Unterkunft handelte". Aus Krankheits- und Urlaubsgründen sei bei der Staatsanwaltschaft vorher niemand erreichbar gewesen.

 

Erstmeldung:

Der Asylbewerber Yohannes G. soll am 3. Januar 2016 in der Unterkunft am Lorenkamp einen anderen Mann mit einem Messer angegriffen haben. Bei einem Streit habe der inzwischen 25-Jährige ein Küchenmesser geholt und mehrere Stiche „in Richtung des Geschädigten gesetzt“, so die Ankündigung der Staatsanwaltschaft Essen: „Dabei nahm er dessen Tod in Kauf.“ Das Opfer konnte den Stichen jedoch ausweichen und erlitt nur leichte Verletzungen. Drei Verhandlungstermine sind jetzt angesetzt, Beginn ist am Dienstag (25. April).

Unsere Redaktion erfuhr erst am Mittwoch (19. April) von dieser Tat - 15 Monate danach. Zur Tatzeit Anfang vergangenen Jahres ist die Öffentlichkeit nicht informiert worden. „Wenn eine Mordkommission eingerichtet wird, entscheidet die Staatsanwaltschaft ob, wann und was herausgegeben wird“, sagte Ramona Hörst, Sprecherin der Kreispolizei auf Anfrage.

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Nach welchen Kriterien die Staatsanwaltschaft das entscheidet, war am Mittwoch nicht zu erfahren. Den ganzen Tag über konnten wir dort keinen Sprecher erreichen. Auch Gerichtssprecher Dr. Johannes Hidding konnte dazu keine Auskünfte geben. Er ergänzte aber, dass der Angeklagte selbst an der Flaesheimer Straße gewohnt und sich am Lorenkamp bei einem Bekannten aufgehalten habe. „Bei einer Verurteilung wegen versuchten Totschlags drohen ihm bis zu 15 Jahre Freiheitsstrafe“, so Hidding.

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