Anwohner schlagen Einladung der Stadt zum Betreuten Wohnen aus: „Das ist doch eine Farce“

rnBetreutes Wohnen Sythen

Nachbarn des Betreuten Wohnens in Sythen werden der Einladung der Stadt zur Gestaltung des riesigen Bauprojekts nicht folgen. Es gibt gute Gründe, auf den Termin zu verzichten, sagen sie.

Sythen, Haltern

, 03.01.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als „Farce“ und „offensichtlichen Spott“ bezeichnet Jochen Kolk das Schreiben der Stadtverwaltung Haltern, das jetzt in seinem Briefkasten lag. Zu einem „gemeinsamen Termin“ in Sachen Bauprojekt Betreutes Wohnen in Sythen hat diese gemeinsam mit dem Bauherrn, der TSC Osmium GmbH, alle direkten Anwohner im Elterbreischlag eingeladen.

Am 10. Januar um 15 Uhr solle gemeinsam im Rathaus über die Farbgestaltung der Treppenhäuser und Verbindungstrakte sowie über das Konzept der Außenanlagen beraten werden, lautet der Vorschlag. Schon jetzt ist klar: Nicht alle Nachbarn werden der Einladung folgen.

Nachbarn kritisieren: „Kein Interesse an Bürgerbeteiligung“

Jochen und Marlit Kolk zum Beispiel. In einem Brief an Baudezernent Siegfried Schweigmann führen beide die Gründe für ihre Absage an. „Mit keiner Farbgestaltung der Welt können Sie diesen Realität gewordenen Fauxpas beschönigen oder noch irgendjemandem den Eindruck vermitteln, dass hier Bürgerinteressen gewahrt worden sind“, kritisieren sie. Stattdessen hätten die Bürger ihrer Meinung nach vor der Änderung des „ursprünglich guten und angemessenen Bebauungsplans“ einbezogen werden müssen. „Daran bestand aber offensichtlich kein Interesse.“

Riesige Häuserfront anstelle von fünf Stadtvillen

Zur Historie: Ursprünglich waren den Grundstückskäufern im Elterbreischlag in ihrer Nachbarschaft fünf Einzelhäuser mit je sieben Wohnungen für das Betreute-Wohnen-Projekt - fünf so genannte „Stadtvillen“ - in Aussicht gestellt worden. Dazu eine üppige Grünbepflanzung.

2017 dann gab die Stadt eigenmächtig grünes Licht, als die TSC Osmium GmbH, die als Bauherr von der TSCV Real Estate vertreten wird, in einem Nachtragsantrag die Verbindung der Gebäudekomplexe mittels Treppenhäusern und Verbindungstrakten beantragte. So entstand am Eltritt eine gewaltige und rund 70 Meter lange, zweigeschossige Häuserfront.

„Krass für die Interessen eines Großkonzerns entschieden“

Bürgermeister Bodo Klimpel hatte nach scharfer Kritik seitens der Politik und einiger Anwohner Versäumnisse eingeräumt und sich für das „unsensible Vorgehen“ entschuldigt. Politik und Anwohner hätten einbezogen werden müssen, so das Fazit des Stadtoberhaupts.

Jetzt lesen

Diese Entschuldigung aber reicht vielen Betroffenen offensichtlich nicht: „Jetzt im Nachhinein ein Treffen zur Farbgestaltung dieses Kasernenbaus anzuberaumen, um der einsamen Entscheidung ein „Pseudo-Mitgestaltungs-Mäntelchen“ umzuhängen“, sei kein echtes Einbeziehen von Bürgerinteressen, schreibt das Ehepaar Kolk.

Die beiden Sythener sind empört. Es sei „krass gegen die Interessen der Bürger und für die Geldinteressen eines ortsfremden Großkonzerns“ entschieden worden, indem „ein Bebauungsplan völlig unangemessen umgewandelt“ worden sei.

Gegenvorschlag: „Ehrliches Gespräch mit den Anwohnern“

In ihrem Brief an die Stadt machen Marlit und Jochen Kolk einen Gegenvorschlag: „Wenn Sie ein sinnvolles Treffen mit Bürgern anberaumen wollen, dann dafür, dass Fragen gestellt werden können und Licht in diesen nach wie vor dunklen/unverständlichen Entscheidungsvorgang gebracht wird.“

Auch Anke Hartmann wird bei dem Treffen am 10. Januar nicht dabei sein. Eine Teilnahme würde sie als Zustimmung zum bisherigen Vorgehen der Stadt empfinden. „Mir ist es doch völlig egal, wie die Gebäudefassade gestaltet wird“, erklärt die Anwohnerin. „Ob lila oder pink - das Gebäude steht. Die Farbe ändert doch nichts an dem eigentlichen Problem.“

Anke Hartmann wünscht sich ein Gespräch zwischen Anwohnern, Bürgermeister und Verantwortlichen der Verwaltung: „Wir wollen wissen, wie und warum es zu dieser Entwicklung kam.“

Unterschriftensammlung in der Nachbarschaft

Eine „logisch nachvollziehbare Erklärung“ fordern auch die Kolks. Zurzeit sammeln sie für ihren Brief Unterschriften in der Nachbarschaft. „Viele Menschen hier sind richtig sauer“, sagt Marlit Kolk. In den nächsten Tagen soll der Stadt das Schreiben zugestellt werden.

Lesen Sie jetzt