ARD-Preisträger sorgte am Klavier für glänzende Momente im Römermuseum

rnKonzert im Römermuseum

Die Besucher im Römermuseum erlebten am Mittwochabend eines der besten Konzerte der Reihe „Musik im Römer“. Zu Gast war ein ARD-Preisträger, der mit seinen vielen Fähigkeiten überzeugte.

von Heidemarie Siegel

Haltern

, 16.01.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist schwer zu beschreiben, was den besonderen Glanz dieses Konzerts im Römermuseum ausmachte, denn glanzvoll war eigentlich alles: der neugestaltete Eingangsbereich des Museums, der schwarzglänzende Bösendorfer Flügel und natürlich vor allem die überwältigenden Klänge, die ARD-Preisträger JeungBeum Sohn dem Instrument am Mittwochabend beim Konzert der Kulturstiftung Masthoff entlockte.

Von allen bisher auch schon hochkarätigen Konzerten war die Vorstellung des jungen, aus Südkorea stammenden Künstlers ein absoluter Höhepunkt, hatte er sein Programm doch mit Werken gespickt, die zu den technisch und musikalisch anspruchsvollsten der Klavierliteratur überhaupt gehören.

In ferne Zukunft weisende Klänge

Möglicherweise dem Beethovenjahr geschuldet, eher aber als kluger Baustein in der Programmarchitektur erklang die berühmte Sonate c-Moll, op. 111 in der Mitte des Abends, sodass die begeisterten Zuhörer die in ferne Zukunft weisenden Klänge in sich wirken lassen konnten.

In seiner überaus konzentrierten, dabei aber ebenso natürlich wie gelassen wirkenden Musizierweise, mit kultiviertem Anschlag und ohne Theatralik widmete sich Jeung Beum Sohn diesem vielfach analysierten und beschriebenen Werk, das die letzte Klaviersonate im Schaffen Beethovens darstellt und häufig als eine Art Testament gedeutet wird.

Jazzartige Beschwingtheit

Dem kraftvollen Maestoso des ersten Satzes der zweisätzigen Sonate folgen im Adagio Variationen des in der Arietta vorgestellten Themas, die ob ihrer jazzartigen Beschwingtheit vergessen lassen, dass Beethoven vor 250 Jahren geboren wurde.

Vorausgegangen war die posthum erschienene Sonate a-Moll von Franz Schubert (1797-1828), in der der Pianist vor allem durch die Herausarbeitung der dynamischen Unterschiede und dem Wechsel überaus gefühlvoll melodischer und kraftvoll- energischer Passagen glänzte.

Abruptes Ende einer Sonate

Nach der Pause widmete sich JeungBeum Sohn jüngeren Komponisten, so der einsätzigen Sonate Nr. 5, op. 53 von Alexander N. Skrjabin (1871-1915), die nach fulminantem Beginn und folgenden zarten Passagen aber doch hauptsächlich durch Gegensätze lebt und überaus abrupt endet.

Das vom Impressionismus geprägte Werk „Gaspard de la nuit“ von Maurice Ravel (1875-1937) gilt als eines seiner bedeutendsten Werke, das seinen drei Teilen – Die Wassernixe, Der Galgen und Der listige Kobold durchaus lautmalerische Gestalt gibt. Man glaubt, perlende Wasserkaskaden zu hören, während der immer wiederkehrende, an Glockenklang erinnernde Ton in „Le gibet“ etwas Düsteres zu vermitteln vermag, ganz anders dann das gehetzte, mechanisch wirkende Eilen des „Scarbo“, hier zeigte JeungBeum Sohn, dass ihm, neben der selbstverständlich technisch perfekten Bewältigung dieses überaus anspruchsvollen Stückes auch große Gesten nicht fremd sind.

Zwei Zugaben

Den Abschluss des außergewöhnlichen Abends bildete dann das Stück „Islamey“ des Russen M. Alexejewitsch Balakirev (1836-1910), das, inspiriert von einem tscherkessischen Volkstanz, lange Zeit als aufgrund seiner technischen Ansprüche als das schwierigste Klavierwerk überhaupt galt.

In dieses sehr effektvolle, teils betont rhythmische, aber durchaus auch von orientalisch anmutenden Melodien geprägte Werk schien JeungBeum Sohn noch einmal alle seine künstlerische Ausdruckskraft zu legen, was das Publikum zu begeistertem Beifall animierte. Dafür bedankte sich der sympathische Künstler mit zwei hinreißend gespielten Etüden von Chopin, darunter zum Schluss die bekannte Nr. 12.

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