Armut in Haltern versteckt sich

Rückzug aus Scham

In Haltern lässt es sich schöner leben als in manch anderer Stadt der Ruhrregion. Denn die Stadt besitzt eine stabile Sozialstruktur. Die Arbeitslosenquote liegt bei 4,3 Prozent, das verfügbare Einkommen über Kreisniveau, das Bildungsniveau ist hoch, die Kaufkraft groß. Aber Probleme machen nicht an der Lippe halt: Auch in unserer Stadt gibt es Armut und Not. Nur versteckt.

Haltern

, 18.07.2016, 16:23 Uhr / Lesedauer: 1 min
ARCHIV - Münzen holt eine Frau am 08.03.2015 in Berlin aus ihrem Portemonnaie. Foto: Stephanie Pilick(zu dpa "Sozialverband: Trotz steigender Renten Altersarmut nicht gebannt" am 28.10.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

ARCHIV - Münzen holt eine Frau am 08.03.2015 in Berlin aus ihrem Portemonnaie. Foto: Stephanie Pilick(zu dpa "Sozialverband: Trotz steigender Renten Altersarmut nicht gebannt" am 28.10.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

„Armut in Haltern versteckt sich“, sagen Beate Mertmann, die Vorsitzende der Bürgerstiftung Halterner für Halterner und Willi Grave, Geschäftsführer des Caritasverbandes. „Und die Zahl der Bedürftigen steigt“, weiß Helga Crabus, zweite Vorsitzende der Halterner Tafel. „An manchen Tagen haben wir inzwischen 200 Kunden an einem Nachmittag bei uns“, sagt sie.

Einkünfte unter 900 Euro

Scheidung, Arbeitslosigkeit, Alkoholprobleme: Die Ursachen können vielfältig sein, die Menschen dazu zwingen, mit so wenig Geld auszukommen, dass ihnen die Teilhabe am Leben nur noch sehr eingeschränkt möglich ist. Bei Hartz IV oder Grundsicherung liegen die Einkünfte oftmals unter 900 Euro.

„Einsamkeit ist oft eine Folge von Armut“, sagt Willi Grave. „Man zieht sich zurück, gerade ältere Menschen wollen ihrer Familie nicht zur Last fallen. Dazu kommt die Scham.“ Zunehmende Altersarmut sieht Willi Grave wegen der Absenkung des Rentenniveaus als wachsendes Problem.

1100 Kunden

„Menschen gehen nicht mehr in die Innenstadt, weil sie fürchten, dort Bekannte zu treffen, die mit ihnen einen Kaffee trinken gehen wollen, den sie sich nicht mehr leisten können“, ergänzt Beate Mertmann.

Bei der Halterner Tafel sind derzeit rund 1100 Kunden registriert, darunter zwei Drittel Flüchtlinge und Migranten. Mehr als 40 Helfer kümmern sich um die Versorgung mit Grundlebensmitteln. Die Bürgerstiftung hilft in konkreten Notsituationen, schnell und unbürokratisch. 

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