Arno Huesmann: „In der Politik muss man mit Widerstand rechnen“

rnKommunalwahl 2020

Welche Menschen engagieren sich in der Lokalpoltik Haltern? Wir stellen Beispiele vor. Arno Huesmann (70) gehört zu den politisch erfahrenen Kandidaten, die sich für den Stadtrat bewerben.

Haltern

, 03.09.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Arno Huesmann leitete im Juni als stellvertretender Vorsitzender die letzte Sitzung des Ausschusses Bauen und Verkehr. Er bedankte sich am Ende der Sitzung und der Legislaturperiode bei Politik und Verwaltung für die konstruktiven Diskussionen. Da war er ganz bei sich: „Es ist mir immer wichtig, anderen mit Respekt zu begegnen und sachlich zu argumentieren“, sagt der profilierte SPD-Politiker. Aber im Widerstreit der Meinungen hat auch er im Laufe der Jahre persönliche Attacken erlebt.

„Als Politiker steht man immer auf dem freien Feld. Allerdings bin ich durchaus in der Lage, mich zu wehren.“ Arno Huesmann rückte 2003 für Helmut Zigahn als SPD-Ratsherr in den Rat nach, aber schon seit 1989 war er sachkundiger Bürger aktiv in die Kommunalpolitik involviert. Bauen, Planen, Verkehr, Wirtschaft, Kultur - das sind Themen, die ihn besonders interessieren. Sozialdemokratische Politik begleitet ihn allerdings bereits seit jungen Jahren. Dabei kommt er aus einem konservativen Elternhaus, in dem traditionell CDU gewählt wurde.

Ein Jungsozialist in einem konservativen Umfeld

Aus der Enge des münsterländischen Nordwaldes, seinem Geburtsort, habe er sich herausgekämpft, erzählt Arno Huesmann. Als er zur Berufsaufbauschule Münster wechselte, begann er, Günter Grass und den Spiegel zu lesen, intensiv verfolgte er die Debatten um die Ostverträge. „Damals wurde ich ein durch und durch politischer Mensch“, Arno Huesmann trat als Konsequenz den Jungsozialisten bei, gründete mit ihnen sogar eine eigene Zeitung. Er spürte im schwarzen Nordwalde viel Gegenwind. „Ich habe für damalige Verhältnisse allen Mut zusammen nehmen müssen. Aber die Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft haben mich einfach gestört.“ Die frühen Anfänge in der Politik manifestierten den kritischen Geist und den Willen, mitgestalten zu wollen.

Von Beruf war Arno Huesmann bis zum Beginn seiner Altersteilzeit 2012 Lehrer an der Berufsschule, später Berufskolleg und war Bereichsleiter für Maschinentechnik. Schon im Alter von 14 Jahren absolvierte er eine Ausbildung zum Maschinenschlosser, mit 18 war er Facharbeiter, dann holte er sein Abitur nach und schloss nach einem Praktikum im Flugzeugbau ein Maschinenbaustudium ab. Das Interesse an der Politik verlor der heute 70-Jährige nie. Als er vor 36 Jahren mit seiner Familie ins CDU-geprägte Hullern zog, suchte er gleich seine Genossen. „Manchmal wurde ich als SPD’ler ausgegrenzt“, erinnert er sich.

Von unschönen Entscheidungen und nötigen Kompromissen

Unbeirrt blieb er seinen Leitlinien treu. Auch, wenn nicht alles nach seinen Vorstellungen lief. Die Ausgestaltung der Stadtmühlenbucht mit der Fällung von 110 Bäumen und die nun jährlich 12.000 Euro anfallenden Pflegekosten für den Spielplatz hat er nicht mitgetragen. „Das war keine schöne Entscheidung“, sagt er noch heute. Mitgestimmt hat er bei der Anhebung der Grundsteuer B, weil die Stadt ihren Haushalt sanieren musste. Gefallen hat ihm auch das nicht. Aber Politik sei auch immer das Suchen nach Kompromissen. Wichtig seien ihm, so Arno Huesmann, sachorientierte, transparente, gerechte Diskussionen, um Themen voranzubringen. Dass sich nun eine Reihe junger Menschen für eine Ratskandidatur entschieden haben, gefällt ihm.

„Ich kann dazu nur Mut machen“, sagt er. Allerdings sollte man keine falschen Erwartungen, dafür einen langen Atem haben, Überzeugungen mitbringen und dafür einstehen. „Dabei muss man natürlich mit Widerständen rechnen, die gilt es, auszuhalten. Aber einfach auf Veränderungen zu warten, das ist zu wenig.“

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