Schachtturm, Maschinen- und Schachthalle sowie Bergbautechnik sollen nach dem Willen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe unter Schutz gestellt werden. © Privat
Schacht AV 8

Auguste Victoria 8 als Industriedenkmal: Wer soll das bezahlen?

Der Schachtturm der alten Zeche Auguste Victoria 8 sowie Schacht- und Maschinenhalle sollen unter Denkmalschutz gestellt werden. Die Stadt wünscht sich Gewerbefläche, die RAG will abreißen.

Der 41 Meter hohe Schachtturm von Auguste Victoria 8 ist in seiner Form und seiner Technik einzigartig. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe möchte, dass sowohl er als auch zwei Hallen unter Denkmalschutz gestellt werden. Eine Entscheidung darüber muss die Stadt Haltern als Untere Denkmalbehörde treffen.

Die Stadt verfolgt eigentlich das Ziel, das Zechengelände nach Rückbau gemeinsam mit der Stadt Marl als Gewerbefläche zu entwickeln. Diese Absicht kommunizierte die Politik schon in der Amtszeit von Bürgermeister Bodo Klimpel, mit diesem Ansinnen ging man auch in den Wahlkampf.

Nebeneinander von Gewerbe und Denkmal wäre möglich

„Die Stadt selbst hat natürlich ein hohes Interesse daran, den Standort gewerblich fortzuentwickeln, da hier eine versiegelte Fläche vorliegt“, sagte Bürgermeister Andreas Stegemann auf Nachfrage. Allerdings halte die Stadt es für möglich, dass sich die Unterschutzstellung mit einer gewerblichen Nutzung vereinbaren lasse. Eine Meinungsbildung sei grundsätzlich erst nach einer umfassenden Begutachtung der Sachlage möglich, hieß es aus dem Rathaus.

Eigentümer des Grundstücks ist die RAG Montan Immobilien. Der Standort AV in Haltern-Lippramsdorf sei nach allen bisherigen Abstimmungen mit der Regionalplanung nicht als Entwicklungsstandort vorgesehen, sagte ein Sprecher aus Essen. Deshalb sei nach den ursprünglichen Vorgaben aus der Betriebsgenehmigung der Bezirksregierung für den Schachtstandort der Rückbau und die anschließende Sanierung und Grüngestaltung des Areals vorgesehen.

RAG plant Abriss ab dem kommenden Jahr

Nachdem immer wieder Unbefugte über den Zaun geklettert waren und sich verbotenerweise in den Gebäuden und auf dem Gelände aufhielten, hatte die RAG Montan Immobilien vor wenigen Wochen angekündigt, 2022 mit dem Abriss zu beginnen – ein Jahr früher als geplant. „Dies ist bei uns im Haus auch so in der Planung“, bestätigte der Sprecher.

Eine offizielle Mitteilung der zuständigen Denkmalschutzbehörden liegt in Essen bislang nicht vor. „Definitiv gilt: Die RAG hat keine finanziellen Mittel, um die Anlage und den Schacht zu erhalten“, kommt eine klare Ansage aus der Unternehmensleitung.

Seit Dezember 2015 ist der Zechenstandort geschlossen. In Lippramsdorf fuhren zeitweise über 1000 Bergleute ein, um in 1300 Metern Tiefe Kohle abzubauen. Von dem Standort an der Lippe aus wurde außerdem Material untertage gebracht. Die Kohle wurde in Marl AV 3/7 zutage gefördert.

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Elisabeth Schrief

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