Aus dem Leben einer Enid-Blyton-Ghostwriterin

Sarah Bosse las in der Realschhule

Die britische Schriftstellerin Enid Blyton gilt als eine der bekanntesten Kinderbuchautorinnen aller Zeiten. Sie starb 1968 - dennoch erscheinen auch heute noch weitere Bände ihrer Bücherserien, verfasst von Ghostwritern, die im Auftrag des jeweiligen Verlags Geschichten schreiben. Eine jener Ghostwriter war am Dienstag zu Gast in der Realschule.

HALTERN

, 15.06.2016 / Lesedauer: 3 min

Für die Reihe "Fünf Freunde" ist seit 2005 die Autorin Sarah Bosse aus Billerbeck die neue Enid Blyton. Im Rahmen von Lesungen sucht die 50-Jährige immer wieder den unmittelbaren Kontakt zu ihrem Publikum. So auch am Dienstag in der Alexander-Lebenstein-Realschule, wo alle Sechstklässler die Gelegenheit hatten, Sarah Bosse persönlich kennenzulernen.

Alle Finger schnellten in die Höhe. Auf die Frage, wer denn gerne liest, waren sich die Schüler einig: Lesen macht Spaß und schlau. Leseförderung steht ganz oben im Stundenplan. Deswegen lud die Schule die bekannte Kinderbuchautorin erstmalig zu einer kurzweiligen Autorenlesung ein. Im Gepäck hatte sie zwei Geschichten für kleine Leserratten.

Berühmter Vater

"Das ist eine ganz tolle Sache", so Schulleiter Frank Cremer. "Wir wollen den Schülern Spaß am Lesen vermitteln und ihre Lesefertigkeit steigern. Und das ist sicher auch eine willkommene Abwechslung zum normalen Unterricht."

Mit Büchern hatte Sarah Bosse von klein auf zu tun: Ihr Vater Jo Pestum gehörte in den 80er-Jahren zu den renommierten deutschen Kinder- und Jugendbuchautoren, ihre Mutter führte eine Buchhandlung in Billerbeck. Sarah Bosse erinnert sich an ihren Berufswunsch: "Ich wollte im Verlagswesen als Lektorin arbeiten - aber dann ist es doch anders gekommen."

Kinder- und Jugendbücher

Ihre Vorliebe für die Länder im Norden, für ihre Landschaften, ihre Menschen, ihre Literatur und ihre Sprachen brachte sie auf die Idee, in Münster neben Germanistik auch Skandinavistik zu studieren. "Das wiederum brachte mich in die glückliche Situation, dass ich schon während meines Studiums als junge Mutter zwischen Hausarbeiten schreiben und Windeln wechseln bereits ein bisschen Geld als Übersetzerin für schwedische Kinder- und Jugendbücher verdienen konnte", erzählt sie. Mit der Übersetzung von "Rollenspiele" (Hans Olsson) war sie für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. "So hat das mit der Schreiberei bei mir angefangen. Der Lektorin gefiel mein Schreibstil und sie fragte mich, ob ich nicht etwas Eigenes schreiben wolle."

Über 100 Werke

Sarah Bosse wollte und fing nach dem Examen 1993 damit an. Ihre Kinderbücher wurden gleich erfolgreich, heute stehen weit über 100 Werke in ihren Regalen. Ein Besuch in Haltern, da waren sich gestern alle einig, darf sich gerne wiederholen.

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