Ausbau der regenerativen Energien in Haltern: Da ist noch Luft nach oben

rnPotenzialstudie Haltern

Beim Klimaschutz gibt es in Haltern noch einiges zu tun: Lediglich ein Bruchteil des Potenzials für Energie aus Wind und Sonne wird genutzt. Eine Studie zeigt, wo noch Möglichkeiten liegen.

Haltern

, 03.02.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) hat jetzt mit der „Potenzialstudie Erneuerbare Energien NRW“ die Bestände und Potenziale in Sachen regenerative Energieanlagen im ganzen Land geprüft. Unter anderem geht es dabei um Windkraft und Photovoltaik. Diese beiden Energieformen bieten laut Lanuv die größten Potenziale in NRW.

Das Ergebnis der Studie allerdings ist erschreckend: Viele Potenziale werden bis heute bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Die Seestadt Haltern ist im NRW-weiten Vergleich allerdings relativ gut aufgestellt. Möglichkeiten gibt es aber auch hier noch reichlich.

30,5 Prozent des Potenzials bei Windkraft ausgeschöpft

Bei Windkraftanlagen schöpfte die Seestadt 2018 immerhin 30,5 Prozent ihres Potenzials aus - Tendenz steigend. Noch im Jahr 2014 hatte dieser Wert bei 4, ein Jahr später bei 6 Prozent gelegen. Zum Jahr 2016 steigerte er sich dann schlagartig auf 26,6 Prozent. Laut Lanuv sind in der Seestadt Anlagen mit einer Gesamtleistung von 174 Megawatt installierbar. Tatsächlich brachten die Anlagen 2018 rund 45 Megawatt Leistung. 16 Windräder sind aktuell in Haltern in Betrieb, weitere sechs bereits in Planung.

Im regionalen Vergleich kann die Seestadt sich allerdings durchaus mit ihren Werten sehen lassen. Hinsichtlich der tatsächlichen Leistung durch Windkraft wurden in Marl 17 Megawatt, in Dorsten 12, in Datteln 3, in Dortmund 11, in Dülmen und Lüdinghausen jeweils 9, in Olfen 8, in Selm 12 (37,8) und in Recklinghausen 5 Megawatt gewonnen. Ähnlich ertragreich stellen sich in der Region folgende Kommunen dar: Ahaus 43 MW (das entspricht 80,1 Prozent des Potenzials), Ahlen 39 (31,7 %), Coesfeld 35 (11,7), Emsdetten 41 (84,3), Heek 45 (53,5), Heiden 48 (48,2), Hörstel 73 (55,7). Im gesamten Kreis Recklinghausen liegt der Wert bei 106 MW - das entspricht 20,6 Prozent des Potenzials. Denn 486 MW Leistung wären installierbar.

Strenge Beschränkungen für Windräder

Die Landesregierung lässt Windenergieanlagen in Zukunft grundsätzlich nur noch in seltenen Ausnahmefällen auf forstwirtschaftlich genutzten Flächen und bei einem Abstand von 1500 Metern zwischen Windenergieanlagen und Wohnbebauung zu. „Durch diese Änderungen dürfte sich das machbare Potenzial der Windenergie in ganz NRW erheblich reduzieren“, mutmaßen die Energie-Experten des Landes. Aus diesem Grund hatte Siegfried Schweigmann bereits im Oktober 2019 - zu dem Zeitpunkt war der Halterner Baudezernent noch Leiter des Fachbereichs Rechtswesen - festgestellt: „Es scheint absehbar nicht möglich, ausreichend substanziellen Raum schaffen zu können, wenn die Inanspruchnahme des Waldes nicht möglich ist und gleichzeitig ein Abstand von 1500 Metern zur Wohnbebauung eingehalten werden muss.“ Die potenziellen Flächen für Windräder schrumpfen damit nach dem Willen der Landesregierung deutlich.

Bei der Photovoltaik ist noch viel Luft nach oben

Auf den Dachflächen Halterns sind nach den Zahlen der Studie 1084 Photovoltaikanlagen installiert, die 9,2 Prozent (16 MWp) des tatsächlichen Potenzials (170 MWp) abdecken. Zum Hintergrund: 1 MWp ( Megawatt Peak Spitzenleistung) sind 1.000 Kilowatt peak (kWp). Ein durchschnittlicher 4-Personenhaushalt in Deutschland benötigt pro Jahr 4.500 kWh Strom. Je 1.000 kWh werden rund 10 Quadratmeter Fläche benötigt. Das heißt: Um 4.500 kWh zu erhalten, müssen 45 Quadratmeter Dachfläche zur Verfügung stehen. In Haltern stehen nach Angaben der Potenzialstudie 999.000 Quadratmeter Dachfläche für Solarmodule zur Verfügung.

Der Städtevergleich: Lüdinghausen deckt mit 12,7 Prozent (23 MWp) des Potenzials (180 MWp) ab, Dorsten 11,2 Prozent (39 MWp/350 MWp), Dülmen 8,5 Prozent (25/300), Datteln 4,2 Prozent (6/150), Olfen 9,6 Prozent (8/80), Marl 3,7 Prozent (11/300). Im gesamten Kreisgebiet liegt der Anteil am Gesamtpotezial (2190 MWp) bei 5,5 Prozent (121 MWp). Haltern liegt damit noch immer im mittleren Bereich.

Freiflächenpotenzial wird in der Seestadt überhaupt nicht genutzt

Bei den Photovoltaikanlagen auf Freiflächen bleiben in Haltern 100 Prozent des Potenzials ungenutzt. Hier stehen laut Lanuv 0,88 Quadratkilometer Fläche sogenannte Modulflächen zur Verfügung. Die dort errichteten Anlagen könnten 158 MWp leisten. Nicht viel besser sieht es in Dorsten mit 99,7 Prozent und in Marl mit ebenfalls 100 Prozent brachliegendem Potenzial aus. Während Lüdinghausen, Marl und Olfen ebenfalls keine Solarmodule auf Freiflächen vorweisen können, hat die Nachbarstadt Dülmen immerhin 0,6 Prozent der möglichen Flächen damit bebaut. Kreisweit werden lediglich 0,1 Prozent der Freiflächen für Photovoltaik genutzt.

Haltern ist eine Solar-Kommune

Haltern ist neben weiteren 14 Städten seit dem vergangenen Jahr Solar-Kommune. Diese Pilot-Kommunen versuchen, das „erhebliche Potenzial für die Nutzung der Sonnenenergie“ zu erschließen und zu nutzen. Mit einem umfangreichen Maßnahmen-, Kampagnen- und Beratungsprogramm sollen Besitzer von Häusern und Flächen sowie Gewerbetriebe motiviert werden, Solaranlagen zu installieren. Auch die brach liegenden Freiflächen werden dabei ins Visier genommen. Der Regionalverband Ruhr (RVR) und das Handwerk hatten die Initiative „Solarmetroploe Ruhr“ 2019 ins Leben gerufen.

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