Autofahrer, die keine Rettungsgasse bilden, gefährden Menschenleben

Feuerwehr und Polizei informieren

Die Fahrbahn einer zweispurigen Autobahn ist in der Regel 7,50 Meter breit, ein Auto circa 2,10 Meter. Wenn also alle Verkehrsteilnehmer in einem Stau an den äußeren Fahrbahnrand fahren würden, blieben in der Mitte 3,30 Meter frei. Genug Platz für ein Feuerwehrauto mit 2,50 Metern Breite. Eigentlich eine einfache Rechnung. Aber die Realität sieht anders aus.

HALTERN

, 14.08.2017, 16:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

 „Die Leute bilden oft keine Rettungsgasse“, sagt Christoph Becker von der Autobahnpolizei Münster. Er und seine Kollegin Martina Habeck haben zusammen mit der Feuerwehr Haltern gestern auf dem Rastplatz Hohe Mark Ost an der A43 Autofahrer über das Thema Rettungsgasse informiert.

Die Aktion ist Teil einer dreiwöchigen Schwerpunktaktion der Autobahnpolizei Münster. „Es ist ein unendliches Thema. Ich bin seit 40 Jahren auf der Autobahn und schon damals war es ein Thema“, sagt Becker. Doch in letzter Zeit häufen sich die Negativberichte: Autofahrer, die aussteigen und nach vorne zur Unfallstelle laufen, um Fotos zu machen. Autofahrer, die umdrehen und durch die Rettungsgasse zurückfahren. Oder Autofahrer, die selbst bei Blaulicht, Sirene und Hupen einem Streifenwagen keinen Platz machen.

Vorbildliches Verhalten

Wie es richtig geht, hat Martina Habeck deswegen am Montag zum Beispiel Sonja Becker aus Nettetal erklärt. „Die Rettungsgasse wird immer zwischen der linken und den rechts danebenliegenden Fahrbahn gebildet.“ Sonja Becker war gestern mit ihrer Tochter und ihrem Hund auf dem Weg in den Urlaub nach Büsum. „Gerade erst hatten wir so eine ähnliche Situation. Ein Polizeiauto kam von hinten, da bin ich ein bisschen zur Seite gefahren, um Platz zu machen“, sagte sie. Doch so vorbildlich verhalten sich nicht alle Autofahrer.

„Man kann fast sagen, dass Streifenwagen sich grundsätzlich die Rettungsgasse selber bilden müssen“, sagte Christoph Becker. Diese Erfahrung kann auch Werner Schulte, Leiter der Halterner Rettungswache, bestätigen. „Viele nehmen uns gar nicht wahr. Es ist die Regel, dass keine Rettungsgasse gebildet wird.“

Weiteres Problem

Ein weiteres Problem: Wenn das erste Einsatzfahrzeug durchgefahren ist, schließen die Fahrer die Gasse häufig wieder. „Dabei kommen danach noch die Feuerwehr und eventuell Bergungsfahrzeuge, die noch breiter sind“, so Becker. Durch das Zurückfahren in die Mitte stünden die Autos außerdem enger zusammen und es werde beim nächsten Mal noch schwieriger, die Gasse erneut zu bilden, ergänzte Habeck. Es sei übrigens egal, weswegen es sich staut. „Sobald der Verkehr zähflüssig wird, muss eine Rettungsgasse gebildet werden. Auch wenn ich weiß, dass da vorne eine Baustelle ist und es sich vielleicht nur deswegen staut.“

20 Euro Bußgeld

Eigentlich könnte die Polizei von jedem Autofahrer, der nicht zur Seite fährt, ein Bußgeld von 20 Euro verlangen. „Dafür müssten wir sie aber anhalten und dafür ist im Notfall keine Zeit“, sagte Becker. Denn im Ernstfall kommt es auf jede Sekunde an. „Eine Rettungsgasse kann Leben retten“, heißt es deswegen in den Presseunterlagen. „Aber ich will ehrlich sein: Das sind wahrscheinlich Einzelfälle, bei denen die Gasse wirklich ein Leben rettet. Aber es ist möglich. Und genau daran sollten die Autofahrer denken“, sagt Becker.

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