Bauarbeiten zur Renaturierung der Lippe gestartet

Lippeverband

Die schottischen Hochlandrinder sind umgezogen, zurzeit buddelt ein Bagger am Lippeufer zwischen der Brücke der L 551 und der Stevermündung. Der Lippeverband "entfesselt" hier das Flussbett. Einerseits dient die Maßnahme dem Schutz bei höheren Wasserständen, andererseits soll die Tierwelt profitieren.

HALTERN

, 29.07.2015, 16:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

Etwa vier Wochen lang werden durch den Bagger die steinigen Uferbefestigungen entfernt und zum Teil in der Mitte des Flussbetts versenkt, zum Teil auch abtransportiert. Der Bagger schafft zwischen den Weiden am Ufer kleine Buchten, die bei höheren Wasserständen dem Fluss in Zukunft die Möglichkeit geben, sich auszubreiten.

In ihrem ursprünglichen Verlauf hatte die Lippe eine mäandernde Struktur mit vielen Nebenarmen. Insbesondere seit den 1950er-Jahren wurden Uferbefestigungen angelegt, um dem Fluss einen schnelleren und geraderen Verlauf zu geben.

„Heute denkt man genau in die andere Richtung“, sagt Michael Steinbach, Pressesprecher des Lippeverbandes, von dem die Baumaßnahme durchgeführt wird.

Natürlicher Verlauf

Seit den neunziger Jahren verhilft der Verband dem Fluss schrittweise wieder zu einem natürlichen Verlauf. Neben den Ausbuchtungen wird eine Sanddüne entstehen, hinter den Uferbäumen wird ein Graben angelegt, der bei höheren Wasserständen volläuft.

Hier sollen in Zukunft „wechselfeuchte Flächen“ entstehen, die zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum bieten. „Die Wasserqualität der Lippe hat sich bereits deutlich verbessert“, ergänzt Flussmeister Günter Cremer, der die Baumaßnahme vor Ort leitet.

„Auf der Oberfläche sind Wasserläufer zu sehen, es gibt viele Flussschwalben und auch der Eisvogel ist wieder heimisch“.

Jahrelange Prozess

20.000 Euro kostet die Maßnahme in Haltern, die in drei Wochen abgeschlossen sein wird. „Die Weidefläche an der Papenbrückstraße, die früher intensiv landwirtschaftlich genutzt wurde, ist heute Heimat der schottischen Hochlandrinder, die hier das Gras kurz halten. Durch die nunmehr extensive Bewirtschaftung wird sich die Artenvielfalt erhöhen, gleichzeitig verhindern die Rinder, dass hier ein Wald entsteht“, sagt Michael Steinbach.

„Das ist nämlich nicht gewollt.“ Der Prozess der Veränderung des Flussbetts wird sich über viele Jahre vollziehen. Die Maßnahme in Haltern gehört zu den kleineren Bauabschnitten, die der Lippeverband im Zuge der Schaffung von Auenlandschaften bearbeitet.

 

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