Bestattungswald in Haltern ist weiter Thema

Debatte am Dienstag

Die Politik wird am Dienstag über die Einrichtung eines Bestattungswaldes in Haltern debattieren. Ein Antrag der SPD dazu stößt bekanntlich bei der Stadt auf Ablehnung. Bestattungsmeisterin Birgit Mertens hat da eine ganz andere Meinung. Schon vor fünf Jahren versuchte sie, das Thema anzuschieben.

HALTERN

, 20.02.2015, 18:11 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bestattungswald in Haltern ist weiter Thema

Ein Mitarbeiter der FriedWald GmbH hält an einem Mustergrab eine Urne in der Hand. Ein Wald muss, um als Begräbnisort umfunktioniert zu werden, als Voraussetzung eine große Anzahl an geeigneten, langlebigen Laubhölzern aufweisen. Die Geländeoberfläche sollte eben sein und möglichst nicht leicht vernässen. Ein Familien- oder Freundschaftsbaum (mit bis zu 12 Plätzen) kostet im Schnitt für 99 Jahre zwischen 3300 und 6300 Euro plus Bestattung.

Birgit Mertens gehört mit ihrem Bestattungsunternehmen ebenso wie das Bestattungshaus Nolde/Richter aus Sythen zu den Partnern des RuheForstes in Coesfeld. „40 Beerdigungen hatten wir im vergangenen Jahr dort, mit und ohne geistlichen Beistand“, berichtet Birgit Mertens.

Es seien vor allem naturverbundene Halterner, die sich in Coesfeld ihre letzte Ruhestätten aussuchten. Und solche, die sich Gedanken über die spätere Grabpflege machten. Mertens ist eine Verfechterin dieser Bestattungskultur: „Hier können sich Angehörige inmitten von Bäumen in Ruhe auf Trauer und Erinnerungen konzentrieren. Und sogar auch ihren Hund mitnehmen, was auf Friedhöfen verboten ist.“ Birgit Mertens Hoffnung ruht auf den Kirchengemeinden – die winken allerdings ab.

Denn, egal ob „FriedWald“ (wie von der SPD beantragt) oder „RuheForst“: Träger von Friedhöfen dürfen aufgrund der rechtlichen Bestimmungen in Deutschland nur Kommunen oder Kirchen sein.

Bauland auf Friedhof

RuheForst stellt Konzept und überregionales Marketing gegen Entgelt zur Verfügung, die Gesellschaft ist aber weder Eigentümer noch Betreiber des Standortes. Das Konzept verwirklicht sie in Kooperation mit Kommune oder Kirche und Forstbetrieb. Aus unternehmerischen Gründen liegen in der Regel jeweils etwa 50 Kilometer zwischen einzelnen RuheForsten. Bundesweit gibt es davon 61, sechs liegen in Nordrhein-Westfalen.

Das Geschäftsmodell RuheForst Coesfeld besteht aus einem 2007 geschlossenen Dreiecks-Vertrag zwischen Kommune als Träger (mit Verwaltungsaufgaben), RuheForst GmbH und Fürst zu Salm-Horstmar als Eigentümer des 8 Hektar großen Areals und zugleich als Arbeitgeber. Hier stehen 638 Bäume mit Platz für 6500 Ruhestätten. Die Investitionen hat Fürst zu Salm-Horstmar getragen, die Kommune haftet aber im Falle einer Insolvenz.

Erste Konsequenz in Coesfeld: Ein kirchlicher Friedhof wurde aufgrund rückläufiger Beerdigungen verkleinert und frei gewordene Fläche als Bauland vermarktet.

Anderes Konzept

Die FriedWald GmbH fährt ein etwas anderes Konzept. Sie ist Betreiber ihrer Bestattungsstätten (sieben in NRW, 52 deutschlandweit mit einer Größe bis zu 100 Hektar) sowie Friedhofsverwalter und Helfer der Kommunen. Eine Stadt als Träger stellt die Genehmigung bei der Kreisordnungsbehörde und legt die Nutzungsordnung fest. Der Waldbesitzer übernimmt Personaleinsatz und Durchführung von Bestattungen.

Stephan Martini, Ansprechpartner unter anderem für Nordrhein-Westfalen, bestätigte: „Wir suchen seit Langem im Kreis Recklinghausen Standorte.“ Er ist auf die Diskussion in Haltern gespannt. 

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