Blindgänger-Prüfung verzögert Hausbau in Haltern

Luftbildauswertung

Wer momentan ein Haus bauen will, muss mit Verzögerungen rechnen – wegen der Prüfung möglicher Kampfmittel im Boden. Die zuständige Behörde ist seit dem Herbst heillos überlastet. Aktuell muss man mehr als vier Monate warten. Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.

HALTERN

, 26.01.2017, 14:46 Uhr / Lesedauer: 1 min
Bevor die Bagger anrücken können, werden Luftbilder zu Kampfmittel-Verdachtspunkten ausgewertet.

Bevor die Bagger anrücken können, werden Luftbilder zu Kampfmittel-Verdachtspunkten ausgewertet.

Wie läuft so ein Antrag ab?

Wenn eine potenzielle Baufläche zur Überprüfung angemeldet wird, wird zunächst recherchiert, ob bei der Stadtverwaltung bereits Erkenntnisse zu möglichen Kampfmitteln an dieser Stelle vorliegen. Ist das nicht der Fall, werde die Anfrage zur Abteilung Luftbildauswertung der Bezirksregierung geleitet, wo es rund 180.000 Fotos gibt, die nach jedem Bombenangriff gemacht wurden. Kampfmittel sind in den allermeisten Fällen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg. In den Großstädten des Ruhrgebiets kommt es praktisch wöchentlich zu Evakuierungen, weil sie auf Baustellen gefunden und entschärft werden müssen.

Wo liegen die Probleme?

Die Bezirksregierung Arnsberg, die in diesen Fällen auch für Haltern zuständig ist, informiert auf ihrer Internetseite zu Verzögerungen bei der Auftragsbearbeitung in der ganzen Region. „Aufgrund der baukonjunkturell bedingt hohen Anzahl von Anträgen“, sei momentan mit Verzögerungen von mehreren Monaten zu rechnen, steht dort. Die Meldung ist von Ende September vergangenen Jahres. „Arnsberg hat aktuell einen Vorlauf von mehr als 18 Wochen“, so Halterns Stadtsprecher Georg Bockey.

Wie können Bauherren reagieren?

In Selm warten Bauherren aktuell seit August auf Bearbeitung, „das trifft auf Haltern ebenso zu“, sagt Stadtsprecher Georg Bockey: „Wir reden derzeit von etwa zehn Fällen.“ Daher rät er unbedingt dazu, rechtzeitig diesen Antrag bei der Stadt zu stellen: „Eine Luftbildauswertung kann parallel zu allen anderen Belangen erfolgen.“ Die Auswertung selbst kann nur die Ordnungsbehörde der Stadtverwaltung bei der Bezirksregierung beantragen.

Wann wurde zuletzt in Haltern eine Bombe gefunden?

Der bislang letzte Halterner Blindgängerfund war im vergangenen Jahr bei vorbereitenden Deicharbeiten an der Lippe bei Lippramsdorf, berichtet Georg Bockey. Damals wurden gleich zwei Bomben gefunden. Er selbst habe von diesem Fall bis zur Anfrage unserer Redaktion aber auch nichts gewusst. Weil für die Entschärfung in diesem ländlichen Gebiet keine Anwohner im näheren Umkreis aus ihren Wohnungen evakuiert werden mussten, wurde die Öffentlichkeit damals auch nicht informiert.

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