Ist ein Dauerbrand wie in Lübtheen auch in den Borkenbergen denkbar?

rnMunition im Boden

Ende Juni fachte alte Munition im Boden in Mecklenburg-Vorpommern einen Waldbrand über eine Woche an. Ein Szenario, das auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz in den Borkenbergen möglich ist?

Haltern

, 21.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Drei Wochen ist es her, dass auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz in Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern ein Waldbrand ausgebrochen ist. Noch heute halten nach Angaben des Norddeutschen Rundfunks rund 100 Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks und der Bundesforstverwaltung Wache, damit keine Glutnester übersehen werden. Eine Woche hat es gedauert, die Flammen auf dem 6200 Hektar großen Areal zu löschen. Der Grund: alte Munition im Boden verschärfte den Brand und erschwerte die Löscharbeiten.

Ein Szenario, das auch in den Borkenbergen in Haltern denkbar ist? Das Gelände wurde ab 1873 zu Bombenversuchen von der Firma Krupp aus Essen genutzt, die im Zentrum des Geländes Schießübungen durchführte. „Es besteht der Verdacht von Artillerie- und Infanteriemunition, Panzerabwehrgeschossen sowie Spreng- und Handgranaten“, teilt die DBU Naturerbe auf Anfrage mit, die das Gelände heute besitzt. Später wurden die Borkenberge zum Truppenübungsplatz und Flugzeugbombardierungsstand, bevor britische Streitkräfte, die Bundeswehr und auch Nato-Kräfte hier Einzug hielten.

Zeitleiste

Dafür wurden die Borkenberge seit 1873 genutzt

  • ab 1873: Bombenversuchsgelände der Fa. Krupp, Essen, mit zeitweiser Unterbrechung der Nutzung und Verlegung des Übungsgeländes und der Schießbahnen
  • 1878: Gefechtsübungen
  • 1936 bis 1945: Truppenübungsplatz der Deutschen Wehrmacht zu Schanzarbeiten und Stellungsbauten bis 1942, Flugzeugbombardierungsstand für Übungsbomben der deutschen Luftwaffe
  • 1945 bis 2015: Truppenübungs- und Schießplatz der britischen Streitkräfte sowie später teilweise für die Bundeswehr und NATO-Streitkräfte

300 Bombenkrater zeugen von Luftangriffen

Im zweiten Weltkrieg wurde das Gelände aus der Luft angegriffen, 300 Bombemkrater zeugen von dieser Zeit. Zum Ende des Krieges wurde auf zwei Sprengplätzen noch vorhandene Munition vernichtet. In einem Radius von 800 Metern vermutet die DBU Naturerbe Munitionsreste oder sprengfähige Munition.

„Ein Szenario wie in Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern ist in den Borkenbergen nicht denkbar, da in den Borkenbergen ein Feuer auch aus größerer Nähe als in Lübtheen bekämpft werden könnte und die Gefahrenlage in Lübtheen eine völlig andere ist“, sagt Josef Feldmann vom DBU Naturerbe. Dennoch: „Ein Brand auf der Fläche ist - wie auch auf anderen Waldflächen - bei langanhaltender Trockenheit nicht auszuschließen Von den circa 1800 ha sind rund 1400 Hektar Wald. Es handelt sich vielfach um Nadelholz und auch trockenes Unterholz. Die Bevölkerung ist daher aktuell um besondere Vorsicht gebeten“, so Feldmann.

Größere Brände habe es in der Vergangenheit in den Borkenbergen nicht gegeben. Kleinere Brände seien schnell gelöscht worden. Da die Feuerwehr teilweise auf dem Gelände übe, seien den Einsatzkräften die Flächen bekannt. Darüber hinaus werde derzeit für alle Flächen der DBU Naturerbe - auch für die Borkenberge - ein sogenanntes BOS-Wege-Konzept (Behörden für Ordnung und Sicherheit) für Rettungskräfte erarbeitet.

Die Munition aus dem Boden zu holen, ist unterdessen keine Option für den DBU. Allein zehn Bereiche in den Borkenbergen sind als Natur-, Wasser-, Vogel- oder Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen. „Die Räumung würde bedeuten, dass tief in den Boden eingegriffen werden müsste, um Kampfmittelfreiheit zu gewährleisten“, sagt Josef Feldmann. „Nicht zuletzt ist aber auch darauf hinzuweisen, dass großräumige Kampfmittelräumungen - je nach Belastung - schnell in einer einzelnen Liegenschaft Kosten in siebenstelliger Höhe und mehr erreichen.“

Sofern aber aus naturschutzfachlichen Gründen nichts dagegen spreche, sollen Flächen geräumt werden, so Feldmann. Ein Beispiel: Die Straße, die 2018 durch die Borkenberge für die Öffentlichkeit freigegeben wurde.

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