Braucht Haltern 750-Euro-Notfallpunkte für Kinder? Die Stadt sieht das Konzept skeptisch

rnNotinseln in Haltern

Die FDP findet, Kinder brauchen Schutz: auf dem Spielplatz oder dem Heimweg. Deshalb will sie mit einer Stiftung Notinseln in Halterns Innenstadt schaffen. Die Stadt sieht das skeptisch.

Haltern

, 22.11.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Durch Notinseln werden für Kinder und Jugendliche Fluchtpunkte eingerichtet, die sie in bedrohlichen oder unangenehmen Situationen aufsuchen können. „Jüngere Kinder sind Gewalt und vielen Gefahren meist schutzlos ausgeliefert“, begründen Selina Moseleit und Dirk Klaus von der FDP ihren Antrag.

Sie stellen sich eine Beteiligung der Stadt an dem Projekt „Notinsel“, das von der Karlsruher Hänsel- und Gretel-Stiftung ins Leben gerufen worden ist, vor. Mitwirkende können Metzgereien, Bekleidungsgeschäfte, Banken, Ärzte oder Apotheken beispielsweise sein. Die Ladenlokale oder Praxen sind mit einem gut sichtbaren Aufkleber gekennzeichnet.

Aufkleber als Signal

Erwachsene in „Notinseln“ sollen Kindern bei kleinen Kümmernissen wie „Geldbörse verloren“ oder „verlaufen“ helfen oder auch ein Pflaster kleben, wenn eine Wunde blutet. Aber auch, wenn die Kinder von Stärkeren bedroht werden. Die Partnergeschäfte sind durch Aufkleber gekennzeichnet, die den Kindern Hilfsbereitschaft signalisieren.

Doch die Stadt und auch die anderen Parteien sind zum Teil skeptisch. Denn, wenn Haltern sich dem Projekt der Hänsel- und Gretel-Stiftung anschließt, müssen sie und die Beteiligten Bedingungen erfüllen.

„Es gibt noch ausreichend Informationsbedarf“, findet Beate Pliete (SPD) und schlägt vor, sich erst einmal bei Städten, die sich für das Projekt entschieden haben, zu erkundigen. Dr. Hans-Ulrich Mast von der Wählergemeinschaft hat grundsätzlich Vorbehalte gegen die Stiftung, weil sie beteiligten Städten als Franchisenehmer zu viele Verpflichtungen aufbürde. „Nutzen und Kosten der Notinseln stehen in keinem Verhältnis“, findet Dr. Mast.

Gebühr für Werbematerial

Tatsächlich können Geschäfte mit Publikumsverkehr nur unter Voraussetzungen Notinseln werden: Der Ladenraum muss ebenerdig und von der Straße gut erreichbar sein; das Kind soll gleich einen Ansprechpartner antreffen; der Ansprechpartner muss geschult werden.

Standortpartner der Stiftung sind aber nicht die beteiligten Geschäfte, sondern die Stadt. Dieser bietet die Stiftung Notinseln im Franchise-Verfahren an. Eine Stadt muss für etwa 750 Euro die Rechte am gesamten Notinselsystem kaufen, ehe sie das Projekt bei den Läden vor Ort installieren kann. Zum System gehören unter anderem Türaufkleber, Plakate oder Flugblätter, aber auch Richtlinien zur Einführung der Notinseln.

Thema im Ausschuss

Auf Vorschlag von Bürgermeister Bodo Klimpel wird die Verwaltung zunächst einmal abfragen, welche Kaufleute in der Innenstadt das Projekt unterstützen würden. Es wird auch erkundet, wie das Projekt in anderen Städten ankommt.

Im März, in der nächsten Sitzung des Ausschusses Generationen und Soziales, soll dann über eine eventuelle Beteiligung Halterns an dem Projekt der Hänsel- und Gretel-Stiftung entschieden werden.

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