Bürgermeister Bodo Klimpel will am Wochenende in Haltern keine Touristen sehen

rnCoronavirus-Ausbreitung

In der Regel ist das so: Das gastfreundliche Haltern empfängt Ausflügler und Kurzurlauber mit offenen Armen. Doch das Coronavirus bricht alle Regeln: Touristen sind ausdrücklich ausgeladen!

Haltern

, 20.03.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Haltern ist seit Jahrzehnten ein beliebtes Ausflugsziel, die lokale Wirtschaft nährt sich zu einem großen Teil aus dem Tourismus und die Stadt tut viel für ein attraktives Erscheinungsbild. Doch das Coronavirus bremst alles und alle aus. Bürgermeister Bodo Klimpel hat sich dazu entschlossen, die Touristen aus Haltern zu „verscheuchen“. In der Geschichte der Stadt ist das einmalig. Eine derart drastische Ausladung in scheinbarer Unfreundlichkeit hat es noch nie gegeben. Erfahrungen aus dem Biergarten Jupp unner de Böcken und anderen schönen Flecken der Stadt zu Beginn der Woche zwingen ihn zu einer konsequenten Ansage.

Bodo Klimpel: „Die Lage ist außerordentlich ernst!“

„Kommen Sie auf keinen Fall am Wochenende nach Haltern, bleiben Sie unserer Stadt fern, bleiben Sie zu Hause!“, appelliert Bürgermeister Klimpel an alle, die sich für Samstag und Sonntag einen Ausflug nach Haltern vorgenommen haben. Er meint es gut und bittet eindringlich darum, die Regeln zur Vermeidung der Coronavirus-Ausbreitung einzuhalten. „Die Lage ist außerordentlich ernst“, warnt Bodo Klimpel. Dass immer noch nicht alle den Ernst der Lage realisieren, offenbarte sich in Jupps Biergarten an der Hullerner Straße.

Am Montag und Dienstag saßen Ausflügler, oft Senioren mit ihren Enkeln, dicht an dicht zusammen, um die Frühlingssonne und die Atmosphäre des Biergartens zu genießen. Toddy Geldmann hatte einschränkend einen Teil der 4000 Quadratmeter großen Fläche mit Flatterband abgesperrt. Doch das wurde von einigen Gästen einfach ignoriert.

Gäste ärgerten sich über längere Wartezeiten

Ebenso wollten einige die durch Sicherheitsvorschriften verlängerten Verkaufsvorgänge von bis zu 15 Minuten nicht akzeptieren. Geschäftsführerin Martina Hörstrup musste sich Sprüche anhören wie: „Geht das nicht schneller?“ „Wir hatten ohnehin schon unter Einhaltung strengster Hygienemaßnahmen geöffnet, haben alles desinfiziert vom Kaffeebecher bis hin zum Kugelschreiber und dann dieses Unverständnis“, Martina Hörstrup schüttelt noch jetzt den Kopf über so viel Verständnislosigkeit. Seit Dienstagnachmittag hat der Biergarten wie fast alle gastronomischen Betriebe in Haltern geschlossen. Trotzdem sind die beiden Geschäftsführer des Biergartens, Toddy Geldmann und Martina Hörstrup, vor Ort - weil es viel Ärger gibt.

Ausflügler sprangen über Zäune und Absperrungen und pöbelten, weil sie die Toiletten des Biergartens nicht benutzen durften. „Dass die Situation hier so ausartet, hätten wir niemals gedacht“, sagt Toddy Geldmann. Er und seine Schwester Martina bitten alle Ausflügler: „Ziehen Sie mit uns an einem Strang und bleiben Sie bitte zu Hause!“ Wenn die Strapazen überstanden seien, gehe es auch im Biergarten weiter.

Polizei will nach Möglichkeit verstärkt Streife fahren

Aber erst einmal ist Stillstand. Bürgermeister Bodo Klimpel ist ganz rigoros. Er hat am Freitagmorgen mit dem Polizeipräsidium in Recklinghausen gesprochen und um Unterstützung gebeten. „Die Polizei hat zugesagt, im Rahmen ihrer Möglichkeiten verstärkt in Haltern Streife zu fahren“, erklärt Klimpel. Den Erholungssuchenden legt er die Worte des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier ans Herz: „Halten wir heute voneinander Abstand – damit wir uns morgen wieder umarmen können. “

Toddy Geldmann erzählt ein Stück aus der Familiengeschichte. Sein Vater Jupp habe davon geträumt, sich eines Tages einen Luxus gönnen zu können. Nämlich, allein im Biergarten zu sitzen, um dann sagen zu können: Wir haben es geschafft. Doch wegen Reichtums hat der Biergarten am See gerade nicht geschlossen.

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