Bundestagswahl: Prognose sieht Michael Groß vorn

Wahlkreis-Umfrage

Noch gut vier Wochen bis zur Bundestagswahl: Im Wahlkreis Recklinghausen II hat der SPD-Kandidat Michael Groß derzeit einen Vorsprung und wird wahrscheinlich das Direktmandat holen. Das sagt eine Wahlkreisprognose des Hamburger Datenanalytikers Matthias Moehl.

HALTERN

, 25.08.2017, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bundestagswahl: Prognose sieht Michael Groß vorn

Michael Groß von der SPD.

Sein Unternehmen election.de sieht den Sozialdemokraten bei 47 Prozent der Erststimmen, seine Konkurrentin Rita Stockhofe (CDU) bei 39 Prozent. Auf Rang drei liegt Petra Willemsen (Die Linke) mit 6 Prozent, vor Rita Nowak (Grüne, 5 Prozent) und Dr. Andres Schützendübel (FDP, 3 Prozent). 47 zu 39 – für den Statistiker ist diese Vorhersage nur ein „Vorsprung“. Die „Unschärfe“ liege für jede Prognose „bei plus/minus 3 oder 3,5 Prozentpunkten“, so Moehl. Heißt also: Das Erststimmen-Rennen im Wahlkreis Recklinghausen II (122) ist noch längst nicht gelaufen.

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Wer steckt hinter election.de?

Matthias Moehl (50) ist Diplom-Informatiker. Seit 2002 arbeitet er als Politikberater und Wahlanalyst. Unter dem Firmennamen election.de bietet er Erststimmen-Vorhersagen für jeden der 299 Bundestagswahlkreise an. Der Hamburger füllt damit eine Nische, die die großen Meinungsforschungsinstitute nicht besetzen. Die müssten, um eine Prognose abgeben zu können, im jeweiligen Wahlkreis Umfragen durchführen. Der Aufwand wäre zu teuer. Die Liste seiner Referenzen reicht von den im Bundestag vertretenen Parteien über Rundfunk und Fernsehen bis hin zu den Redaktionen von The Economist oder Spiegel.

Worauf stützt sich die Prognose?

Die Erststimmen-Prognosen von election.de beruhen nicht auf eigenen Umfragen. Moehl ist kein Meinungsforscher. Er ist das, was man neudeutsch „Data-Miner“ nennt: einer, der in Datenbergen buddelt mit dem Ziel, neue Querverbindungen und verborgene Zusammenhänge zu entdecken.

Der Datenberg, den Moehl mit seinem Algorithmus durchforstet, besteht aus den Ergebnissen bisheriger Bundestags-, Landtags- und Europawahlen im jeweiligen Wahlkreis, aus den aktuellen Ergebnissen von repräsentativen Wählerbefragungen der großen Demoskopie-Institute, aus Daten über die zur Wahl stehenden Kandidaten und den Zuschnitt des jeweiligen Wahlkreises sowie aus Erkenntnissen über Stimmen-Splitting (unterschiedliche Abgabe von Erst- und Zweitstimmen) und Wählerwanderungen.

Was sagen die Kandidaten der größten Parteien zur Prognose?

Michael Groß (SPD) aus Marl hat den Wahlkreis 122 bereits zweimal direkt geholt und strebt nun die dritte Legislaturperiode im Berliner Parlament an. „47 Prozent klingen gut, aber ich schaue wenig auf Prognosen. Natürlich hoffe ich für mich auf ein gutes Ergebnis, aber dafür werde ich bis zum letzten Tag in meinem Wahlkreis arbeiten.“ Ihm gehe es um die Situation der Menschen vor Ort, hier vor allem müsse er als Bundestagskandidat überzeugen. Es sei wie im Fußball: „Abpfiff ist nach 90 Minuten, bis dahin wird gekämpft.“

Rita Stockhofe (CDU) aus Haltern: „Laut Wahlprognosen ist der Unterschied zwischen dem Kanzlerkandidaten Martin Schulz (SPD) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) deutlich größer und trotzdem will Herr Schulz nach wie vor Bundeskanzler werden. Damit sind meine eigenen Aussichten doch gar nicht so schlecht, wieder ins Parlament einzuziehen. Wir arbeiten auf jeden Fall weiter daran, dass ich diejenige sein werde, die direkt in den Bundestag gewählt wird. Auf der Landesliste Nordrhein-Westfalen stehe ich auf Platz 47.“

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