Carsten Fuchs und seine Frau segeln in ihrem Sabbatjahr durch die Ägäis. © Carsten Fuchs/privat
Kulturecke

Carsten Fuchs aus Haltern verbringt Sabbat-Jahr auf dem Segelboot

Carsten Fuchs aus Haltern ist kein Künstler im klassischen Sinne. Aber ein Mut-Künstler, findet unser Autor. In seinem Sabbatjahr schippert er durch die Ägäis. Anfangs lief es nicht wie geplant.

„Was soll denn an meiner Vita so spannend sein?“ wehrt Carsten Fuchs meine erste Anfrage nach einem Artikel für die Kulturecke der Halterner Zeitung ab, „und Künstler?“ Carsten schüttelt den Kopf.

Aber als er anfängt, über sich zu erzählen, wird schnell klar, dass er sich in die lange Reihe der Halterner Künstler als Lebens-, oder Mut-Künstler einreiht. Der gelernte Programmierer und leidenschaftliche Handballer Carsten Fuchs hat zusammen mit seiner Frau ein Sabbatjahr eingelegt.

Zwei Jahre lang trainierten die beiden auf dem holländischen Ijsselmeer für ihren Trip.
Zwei Jahre lang trainierten die beiden auf dem holländischen Ijsselmeer für ihren Trip. © Carsten Fuchs/privat © Carsten Fuchs/privat

Carsten erzählt: „Wir haben sehr viel Zeit in unsere Jobs und Ehrenamt gesteckt, bei mir war es der Sport und bei meiner Frau die Schule, die Flüchtlingshilfe und viele schulische Projekte gegen Rechts. Wir haben uns an den Wochenenden kaum gesehen und sind dann an einen Punkt gelangt, an dem wir uns gefragt haben, ob das wirklich so weitergehen soll.“ Die Entscheidung war gefallen. Eine Auszeit musste her. Durchatmen! Sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren.

Dass diese Auszeit am Ende ein Segeltörn nach Griechenland sein sollte, war den beiden da noch nicht klar, obwohl die Affinität zum Wasser schon viele Jahre bestand. „Ich war als Jugendlicher oft in den Ferien in Schweden und da meistens mit einem Motorboot auf dem Wasser“, erzählt Fuchs. Die Liebe zu Schweden und Wasser ist geblieben.

Nachdem Carsten auf dem heimischen Stausee einen Sommer lang als Vorschoter mit einem Freund segelte, entschloss er sich vor zwanzig Jahren, die Pinne selbst in die Hand zu nehmen und machte zusammen mit seinem Bruder an der Uni Bochum sämtliche Motorboot- und Segelscheine. Sein Revier wurde die Ostsee und das Ijsselmeerin Holland. Als der Gedanke einer Auszeit bei Carsten und seiner Frau nun immer mehr reifte, saßen die beiden eines Abends, während eines Urlaubs in der griechischen Heimat seiner Frau, in einer Taverne und beobachteten die Segler auf dem Wasser. „Da war die Idee geboren“, strahlt Fuchs. „Ein Sabbatjahr auf See und die Ägäis besegeln!“

Mit der Bavaria 38 Cruiser eines holländischen Schifffahrtingenieurs kauften sie ein zuverlässiges und robustes Schiff, welches nicht mehr groß umgebaut werden musste.
Mit der Bavaria 38 Cruiser eines holländischen Schifffahrtingenieurs kauften sie ein zuverlässiges und robustes Schiff, welches nicht mehr groß umgebaut werden musste. © Carsten Fuchs/privat © Carsten Fuchs/privat

Nachdem sie wieder zu Hause waren, machten sie sich auf die Suche nach einer geeigneten Segelyacht. Mit der Bavaria 38 Cruiser eines holländischen Schifffahrtingenieurs kauften sie ein zuverlässiges und robustes Schiff, welches nicht mehr groß umgebaut werden musste. „Lediglich für unsere Stromversorgung und Wasseraufbereitung mussten wir technische Lösungen finden.“ Anschließend trainierte das Ehepaar zwei Jahre auf dem Ijsselmeer und der Nordsee. Die Holländer waren für sie dabei hilfsbereite und kompetente Lehrer.

Ostern 2019 begann die Überführung des Schiffes nach Griechenland. Von dem kleinen Örtchen Lemmer am Ijsselmeer hinaus auf die Nordsee durch den Ärmelkanal und dann weiter zu den Kanalinseln nach Roscoff (Frankreich). Drei weitere Etappen sollten in jenem Jahr folgen. Roscoff nach Porto über die Biscaya, von Porto nach Cartagena (Spanien) und in den Herbstferien von Cartagena über Mallorca ins griechische Preveza.

Mit Sonnenuntergängen über dem Meer werden die Halterner auf ihrer Reise belohnt.
Mit Sonnenuntergängen über dem Meer werden die Halterner auf ihrer Reise belohnt. © Carsten Fuchs/privat © Carsten Fuchs/privat

Als Carsten von der Biscaya erzählt, wird er ein Stück weit nachdenklich. „In der Nacht zog ein Tief die Atlantikküste rauf, welches nicht vorhergesagt war. Wir entschlossen uns ins Inland fallen zu lassen und fanden in Ribadeo einen sicheren Hafen. Der Wind briste in dieser Nacht bis auf 40 Knoten auf. Was wir erst nachher erfahren haben ist, dass einige Segler überrascht wurden und leider drei französische Seenotretter in dem Sturm ihr Leben verloren haben.“

Bei mehr als 10.000 Seemeilen bleiben solch traurige Erlebnisse nicht aus. Dennoch überwiegen bei Carsten Fuchs und seiner Frau die schönen Begebenheiten. Länder, Städte und Menschen haben die beiden kennengelernt. Freunde gefunden und alte Freunde in der Fremde wiedergefunden.

Im November 2019 stellten sie ihr Schiff in Preveza an Land. Alle Vorbereitungen für das Sabbatjahr waren getroffen. Im August 2020 sollte der Segeltörn durch die Ägäis endlich beginnen. Dann kam Corona und in ganz Europa der Lockdown. Aber wo viel Schatten ist, da ist auch in der Regel Licht und plötzlich bekam die Familie Fuchs das Angebot, ihr geliebtes Ferienhaus in Schweden zu kaufen. „Wir hatten uns schon lange in dieses Haus verliebt“, erzählt Fuchs. „Nun ergab sich die Gelegenheit, es auch zu erwerben und, bedingt durch Corona, verbrachten wir unseren ersten Teil der Auszeit in Schweden.“

Am 1. Mai 2021 ging es schließlich für beide endlich wieder Richtung Preveza. Als eine der ersten Touristen führt ihr Törn sie nun weiter durch die Ägäis. Zurzeit kreuzen sie um Peloponnes und nehmen Kurs auf die vielen kleinen Inseln.

Die Einheimischen empfangen das Ehepaar aus Deutschland mit offenen Armen. „Erst die Bankenkrise und jetzt zwei Lockdowns innerhalb von 15 Monaten. Die Menschen leiden und hoffen auf einen guten und ruhigen Sommer. Es ist unglaublich, wieviel Lebensfreude und Mut, Gastfreundschaft uns trotzdem entgegengebracht wird.“

Bis zum 15. August besegeln Carsten Fuchs und seine Frau noch das griechische Mittelmeer, dann geht es erstmal zurück. Der Job ruft. Was die Zukunft bringt, wissen die beiden nicht, aber sie sind sich einig, dass man im Leben nicht viel braucht, um glücklich zu sein. „Ich glaube“, so Fuchs, „etwas Demut würde uns allen hier und da gut zu Gesicht stehen“.

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